Realschüler und Gäste aus Namibia sind neugierig aufeinander

Gerson Gameb (Vierter von rechts) und Magritha Jooste (Zweite von rechts) besuchten die Arbeitsgemeinschaft der Humboldt-Realschule in Bönen. ▪
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Gerson Gameb (Vierter von rechts) und Magritha Jooste (Zweite von rechts) besuchten die Arbeitsgemeinschaft der Humboldt-Realschule in Bönen. ▪

BÖNEN ▪ Als Magritha Jooste erfahren hatte, dass sie in diesem Jahr Deutschland besuchen würde, bereitete ihr der Gedanke daran zunächst etwas Kopfschmerzen.

Die 37-jährige Afrikanerin aus dem namibischen Dorf Dordabis ist derzeit gemeinsam mit Gerson Gameb (23) Gast des Evangelischen Kirchenkreises Unna. Gestern besuchten die beiden die Arbeitsgemeinschaft „Gestaltung sozialer Projekte“ an der Humboldt-Realschule.

Dort stellten die acht AG-Schüler den Gästen zahlreiche Fragen. Viele davon drehten sich um die verschiedenen Kulturen der beiden Ländern. „Ich konnte mir nicht vorstellen, in ein so großes Land wie Deutschland zu reisen“, erzählte Magritha Jooste den Realschülern auf Englisch. „Ich habe gedacht, ich würde hier verloren gehen.“ Doch die Ängste, die die Namibierin zuvor gehabt hatte, bestätigten sich nicht. Im Gegenteil: Sie und Gerson Gameb genießen den knapp dreiwöchigen Aufenthalt. „Es gibt so viel zu sehen und zu unternehmen“, sagte die 37-Jährige.

Natürlich hatten die weitgereisten Besucher auch Gegenfragen. Zum Beispiel, was ihnen als Erstes einfallen würde, wenn sie nach Namibia reisen würde. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, die von Stefanie Schulz geleitet wird, überlegten, bis sie auf einen gemeinsamen Nenner kamen: Die Angst überwiege dabei – die Angst vor der fremden Kultur, dem fremden Essen. Gleichzeitig war aber auch die Neugier vorhanden, diese Kultur einmal selbst kennenzulernen und eigene Erfahrungen zu machen.

Zwar ist die Amtssprache Namibias Englisch, „weil es der beste Weg ist, so mit Einreisenden zu kommunizieren“, erläuterte Magritha Jooste. Denn insgesamt werden – je nach Region – dort zehn verschiedene Dialekte gesprochen. Gerson Gameb interessierte sich indes sehr für Freizeitaktivitäten der Bönener Schüler. Neben den „üblichen“ Dingen wie Musik hören oder Freunde treffen erstaunten ihn besonders das Reiten und Angeln. Ob es denn bestimmte Bahnen und Wettkämpfe gäbe, fragte der 23-Jährige, oder bestimmte Flüsse zum Fischefangen. All dies gibt es in Namibia nämlich nicht. Gerson Gameb lebt ohne Internet, Spielkonsolen und Fernseher. „Als ich vorgeschlagen habe, eine DVD zu schauen, wollte Gerson nicht, weil er das zuhause auch nicht macht und es nicht braucht“, erzählte Ingeborg Schwiebert vom Freundeskreis Unna, die den Kontakt nach Afrika hergestellt hatte.

Genau das waren auch die Dinge, die die Schüler beeindruckten: Das einfache, schlichte Leben ihrer Gäste. „Ich finde es ein faszinierend, dass sie alle glücklich sind und nicht nörgeln, wenn sie mal zwei Stunden kein Internet haben oder die Busse Verspätung“, sagte die Neuntklässlerin Chantal-Sophy Berkhoff. Magritha Jooste erklärt ihr, warum das so ist: „Wir sind immer glücklich – allein schon wegen des Wachwerdens. Für mich ist es wichtig, wenn du morgens aufstehst und feststellst, dass alle Teile deines Körpers noch reagieren.“

Zu diesem Thema fiel auch Gerson Gameb eine kleine Anekdote ein. Er erzählte, dass die Reichen im religiösen Namibia seltener in die Kirche gehen als die Ärmeren. „Warum ist das so unfair? Wir gehen jeden Tag beten und tun Gutes. Warum sind wir so arm?“, hatte ihn einst ein Freund gefragt. Der 23-Jährige antwortete: „Mach dir keine Sorgen, unsere Zeit wird kommen.“ Auch den Optimismus haben die Namibiern nicht verloren.

Noch bevor die acht Realschüler ihre Gäste mit Briefen und kleinen Geschenken verabschiedete – der Kontakt nach Namibia soll aufrecht erhalten werden, wie Stefanie Schulz erklärte – hielt Gerson Gameb eine kleine musikalische Session mit seiner Trompete. Er spielte „We are marching in the light of God“ – Wir marschieren im Licht Gottes –, während die anderen sangen und auf der Stelle marschierten. ▪ mg

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