Prozessbeginn fast sieben Jahre nach der Tat

Raubüberfall auf Ehepaar in Bönen: Angeklagter hat unglaubliche Vergangenheit

Eine Mieterin des Mehrfamilienhauses an der Kampstraße in Nachrodt-Wiblingwerde sah durch ihren Türspion, dass die Tür der Nachbarwohnunga aufgebrochen war. Ein anderer Nachbar stellte kurz darauf einen mutmaßlichen Einbrecher.
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Im April 2014 soll der Angeklagte in ein Haus in Bönen eingedrungen sein und ein Ehepaar gefesselt und ausgeraubt haben.

Fast sieben Jahre nach einem brutalen Raubüberfall auf ein Ehepaar an der Maria-Terwiel-Straße in Bönen beschäftigt der Fall ab Donnerstag das Dortmunder Landgericht. Der Angeklagte ist eine schillernde Figur mit einer fast unglaublichen Vergangenheit.

Dortmund/Bönen - Der Überfall auf das Ehepaar im April 2014 glich einer echten Albtraum-Tat. Der Räuber drang am Vormittag in das Haus ein, überwältigte zunächst die alleine anwesende Frau, fesselte sie und wartete dann stundenlang, bis auch der Ehemann nach Hause kam.

Auch der Mann wurde schließlich geschlagen und gefesselt, ehe der Täter mit Bargeld, einer EC-Karte, Kleidung und dem Auto des Paares die Flucht ergriff. Das Fahrzeug wurde einige Tage später ordentlich geparkt in der Nähe des Tatorts gefunden. Von dem brutalen Räuber fehlte jedoch jede Spur. Bis zum Sommer 2020.

Hand für Betrugsversuch geopfert

Seitdem sitzt der 45-jährige Christian W. aus Bönen in Untersuchungshaft. Am Donnerstag wird er seine Zelle verlassen und von mindestens zwei Wachtmeistern in Saal 129 des Dortmunder Landgerichts geführt werden. Dort verhandelt die 32. Strafkammer über den Fall.

Christian W. ist für die Dortmunder Justiz kein Unbekannter. Im Juni wurde er vom Amtsgericht wegen versuchten Versicherungsbetruges zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Richter zeigten sich damals davon überzeugt, dass sich W. von einem Zug absichtlich die Hand abfahren lassen hatte, um von mehreren Versicherungen eine Millionensumme einzustreichen.

Der Angeklagte Christian W. wurde im Juni 2020 bereits wegen versuchten Versicherungsbetrugs zu einer Haftstrafe verurteilt.

Christian W. hatte den Vorfall vom Bahnhof Nordbögge dagegen als Unfall geschildert. Er habe unbedingt den Regionalexpress nach Dortmund erreichen müssen und deshalb den Roller seiner Tochter benutzt. „Dann bin ich gestürzt und zwischen die Bahnsteigkante und den anfahrenden Zug gefallen“, so der Bönener im damaligen Prozess. Bei dem Sturz müsse seine Hand auf die Schienen geraten sein.

Ex-Freundin brachte Ermittler auf die richtige Spur

Belastet wurde der Angeklagte damals von seiner Ex-Freundin. Nach der Trennung hatte sich die Frau bei der Polizei gemeldet und von der absichtlichen Selbstverstümmelung erzählt. Und als sie schon mal dabei war, ihren Ex-Partner zu verpfeifen, legte sie noch einen drauf und berichtete der Polizei auch von dem Raubüberfall aus April 2014. Auch diesen habe Christian W. verübt.

Die Tatsache, dass der Angeklagte daraufhin umgehend festgenommen wurde, spricht dafür, dass die Polizei bei der anschließenden Durchsuchung seiner Wohnung fündig geworden sein dürfte.

Die Verteidigerin des 45-Jährigen, Ina Klimpke aus Dortmund, wollte dies im Vorfeld der Verhandlung nicht kommentieren. Sie sagte nur so viel: „Am Ende wird es vor allem auf die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin ankommen.“ Mit einem Urteil wird nicht vor Februar gerechnet.

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