Ratssitzung für Spendenaktion

„Die Linke“ fordert Sondersitzung - Verwaltung holt Fraktionsmeinungen ein

Sperrmüll an Beethovenstraße
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Die Überreste eines überschwemmten Kellers an der Beethovenstraße. Viele Anwohner haben ihren Sperrmüll inzwischen entsorgt.

„Viele Betroffene haben keine Möglichkeit, den Sperrmüll aus ihren Kellern selbst wegzubringen. Was sollen die machen?“, sagt Senay Oturak, Ratsmitglied der Linken. Er hat jetzt Bürgermeister Rotering angeschrieben mit der Bitte, eine außerordentliche Ratssitzung einzuberufen, um Betroffenen nach dem Hochwasser Hilfen anzubieten.

Bönen – Zwar ist Bönen von der Extremwetterlage glücklicherweise nicht so schwer betroffen wie andere Orte in NRW, aber auch hier stehen zahlreiche Bürger vor den Hochwasserschäden in ihren Kellern. Wer kann, nutzt das Angebot, seinen Sperrmüll kostenlos an der GWA-Wertstoffaufbereitungsanlage an der Industriestraße zu entsorgen.

Viele haben das bereits getan. In den Vorgärten in den besonders betroffenen Straßen sind nur wenige Sperrmüllansammlungen zu sehen. Vor einigen Häusern deuten Container auf umfangreichere Schäden hin. „Die meisten haben nicht lange gejammert, sondern angepackt und ihre Keller inzwischen leer geräumt und die Überbleibsel des Hochwassers entsorgt“, berichtet ein betroffener Anwohner. „Im Vergleich zu anderen Gebieten haben wir ja noch Glück gehabt.“

Sebastian Wierike nutzte mit Tochter Marlene bereits am Samstag die kostenlose Sperrmüllabgabe an der GWA-Wertstoffaufbereitungsanlage an der Industriestraße.

„Was ist mit denen, die keinen Pkw haben oder keinen Anhänger, um die nassen, dreckigen Sachen abzutransportieren?“, fragt Senay Oturak. „Viele haben keine Elementarversicherung und werden die Schäden nicht ersetzt bekommen.“ Er schlägt vor, dass die Gemeinde zentral ein Spendenkonto einrichtet für wirtschaftlich schwächere Familien.

Hilfe beim Sperrmüll

Wer keinen entsprechenden Pkw oder Anhänger hat und Hilfe braucht beim Entsorgen des Sperrmülls, kann bei der Redaktion des Westfälischen Anzeigers (lokales-boenen@wa.de) Namen, Adresse und Telefonnummer hinterlassen. Wir veröffentlichen den Hilferuf. Vielleicht melden sich Bönener bei den Betroffenen, die helfen können.

Wer keine Möglichkeit hat, seinen Sperrmüll zur GWA-Wertstoffaufbereitungsanlage zu bringen, kann sich noch bis 22. Juli bei der Gemeinde für die Sperrmüllabfuhr anmelden (Telefon 933-357). Die findet am 24. Juli statt, ist allerdings nicht kostenlos. Der erste Kubikmeter kostet 35 Euro, jeder weitere angefangene Kubikmeter wird mit 25 Euro berechnet.

Meinungsbild bei den Ratsfraktionen eingeholt

Nach der Geschäftsordnung des Rates ist es einzelnen Ratsmitgliedern nicht möglich, einen Antrag zur Einberufung einer außerordentlichen Ratssitzung zu stellen. Das können nur Fraktionen oder mindestens ein Fünftel der Mitglieder. Das weiß auch Oturak, deshalb appelliert er in seinem Schreiben an Bürgermeister Rotering, den Rat einzuberufen.

Der ist wie viele Ratsmitglieder derzeit im Urlaub. Sein Stellvertreter, Kämmerer Dirk Carbow, hat inzwischen die Ratsfraktionen angeschrieben, um ein Meinungsbild einzuholen, ob eine Sonderratssitzung gewünscht und für notwendig erachtet wird. Grundsätzlich sei für die Einrichtung eines Spendentopfes kein Ratsbeschluss nötig, so Carbow. „Aber wer soll anschließend eine gerechte und sinnvolle Verteilung der Spenden vornehmen?“

Kanäle werden regelmäßig überprüft

Die überlaufenden Abwasserkanäle, die für so viele vollgelaufene Keller in Bönen gesorgt hatten, haben bei vielen Betroffenen die Frage aufgeworfen, ob die Rohre überhaupt große Mengen Wasser aufnehmen können und ob Schlamm und Laub in den Schächten für Verstopfungen und Wasserstauungen gesorgt haben. „Alle Kanäle werden regelmäßig einmal im Jahr einer Kamera-Inspektion unterzogen“, so Fachbereichsleiter Robert Eisler. „Bei außergewöhnlichen Wetterereignissen wie diesem extremen Starkregen sind die Kanäle aber völlig überlastet.“

Immerhin hätten Reinwasserkanal und Regenrückhaltebecken ihre Funktion erfüllt und schlimmere Schäden vermieden. „Je mehr Überflutungsflächen ich habe, wo Wasser ausweichen kann, desto besser.“ Deshalb sei es wichtig angesichts zunehmender Starkregenereignisse durch gravierende Klimaveränderungen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen wie etwa die Vermeidung versiegelter Flächen. Da sei jetzt die Politik gefordert.

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