Ratsantrag: Bönens Haltestellen sollen begrünt werden 

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Die Stadt Utrecht hat mehr als 300 Buswartehäuschen begrünen lassen.

Bönen - Rund 100 Bushaltestellen gibt es in der Gemeinde. An etwa der Hälfte davon können die Fahrgäste im Trockenen warten, wenn sie bei Regen oder Schnee den öffentlichen Nahverkehr nutzen wollen. Sie haben eine überdachte Wartehalle. Diese Dächer möchten die fraktionslosen Ratsmitglieder Christiane Geiger-Caen, Klaus Herbst, Wolfgang Menges, Hans-Ulrich Reiners und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen nun sinnvoll nutzen – um darauf Strom zu erzeugen oder einen Lebensraum für Insekten zu schaffen.

Die Idee, Bushaltestellen mit Gründächern oder Fotovoltaikanlagen auszustatten, ist nicht neu. Vorreiter ist die Stadt Utrecht in den Niederlanden. Die 350 000-Einwohner-Kommune hat im vergangenen Jahr mehr als 300 Haltestellendächer in Mini-Gärten mit geeigneten Blühpflanzen für Insekten umgestalten lassen. 

Dort finden Bienen, Hummeln und Co. nun neuen Lebensraum und vor allem Nahrung. Die Dachoasen speichern das Regenwasser, es läuft nicht einfach in die Kanalisation ab. Die luftigen Kleingärten wirken zudem wie Klimaanlagen und sorgen für Abkühlung an heißen Sommertagen. Die Pflanzen binden Kohlenstoffdioxid (CO2) und Feinstaub aus der Luft und verbessern damit das Klima. Und wenn die Dächer extensiv, also mit robusten Sedum-Pflanzen wie etwa dem gelbblühenden Mauerpfeffer, bepflanzt werden, sind sie pflegeleicht. 

Das Beispiel aus Utrecht macht Schule. Inzwischen wird in zahlreichen deutschen Kommunen über die Begrünung von Buswartehäusern diskutiert, unter anderem in Münster, Arnsberg, Herford und Düsseldorf. Die fraktionslosen und grünen Bönener Ratsmitglieder möchten ein ähnliches Projekt mit einem Antrag an den Gemeinderat anstoßen. Sie fordern darin, dass die Verwaltung prüft, ob und welche Dächer von Haltestellen im Ort sich dafür eignen, sie zu bepflanzen oder mit Fotovoltaikanlagen auszurüsten. Im Gemeindehaushalt sind 100 000 Euro dafür vorgesehen, die Bushaltestellen barrierefrei zu gestalten. Und in diesem Zusammenhang sei eine solche Prüfung sinnvoll, heißt es in dem Schreiben der Antragsteller. Für Bönen wären die grünen Dächer ein weiterer kleiner Schritt, etwas für die Artenvielfalt und den Klimaschutz in der Gemeinde zu tun. 

Tonnendächer der Bönener Haltestellen lassen sich nicht bepflanzen

Die 316 bepflanzten Wartehallen in Utrecht ergeben allerdings eine zusätzliche Grünfläche von etwa 1800 Quadratmetern, auf der sich die fliegenden Insekten tummeln können. In Bönen kämen kaum 600 Quadratmeter zusammen, wenn alle momentan vorhandenen Haltestellendächer bepflanzt würden. Das wird aber nicht möglich sein. Der Großteil der Fahrgastunterstände hat ein Dach mit gewölbten Kunststofftonnen, die weder für eine Begrünung noch für Solarmodule geeignet sind. Und bei den circa zehn älteren Modellen mit Flachdach, die in Bönen stehen, reicht die Statik vermutlich nicht für ein Gründach aus. 

Die Tonnendächer der meisten Wartehallen in Bönen lassen sich nicht bepflanzen. Auch für Solarmodule sind kaum geeignet.

„Es wäre sicher schwierig, die vorhandenen Dächer zu begrünen. Bei einem Neubau könnte man die Kosten jedoch berücksichtigen“, sagt Fachbereichsleiter Robert Eisler von der Bönener Verwaltung. Für ein neues Wartehäuschen zahlte die Gemeinde zuletzt 5500 Euro an Materialkosten, hinzu kamen etwa 1000 Euro für die Tiefbauarbeiten, um den Untergrund vorzubereiten und die Konstruktion sicher zu verankern. Dazuzurechnen wären dann die Kosten für die Bepflanzung, die von der Art der Gestaltung abhängig sind. Inklusive einer Vegetationsmatte mit den gewünschten Pflanzen, einem Filtervlies, einer Dränagebahn, einer Sickerschicht und einer durchwurzelungsfesten Abdeckung wären das bei einer einfachen, leichten Bepflanzung mit einer Last von höchstens 60 Kilogramm pro Quadratmeter etwa 45 bis 50 Euro pro Quadratmeter, schätzt Holger Arnt Zühlke. Er ist Geschäftsführer der Objekt-Begrünungs-Systeme GmbH in Unna und zudem Präsident des VBSH, des Verbandes der Begrünungs-System-Hersteller. 

Gewerbeobjekte und kommunale Gebäude bieten deutlich mehr Fläche

Bei der geringen Fläche, die in Bönen umgestaltet werden könnte, sieht der Experte aber kaum einen Nutzen für den Umwelt- und Klimaschutz. „Wenn eine Fläche versiegelt wird, sterben Milliarden von Lebewesen. Das kann man mit einem begrünten Bushaltestellendach nicht ausgleichen“, so Zühlke. Er sieht deutlich mehr Sinn darin, Gewerbeobjekte oder kommunale Gebäude wie das Rathaus, Schulen oder Sporthallen in Insekten-Oasen zu verwandeln. 

Bei Fotovoltaikanlagen kommt es darauf an, was mit dem erzeugten Strom geschehen soll. Soll er direkt für die Beleuchtung der Wartehallen genutzt werden oder ins Netz eingespeist werden? Dann müssten die Haltestellen zumindest einen Stromanschluss haben. Das ist aber nur selten der Fall. 

Robert Eisler und die Mitarbeiter des Fachbereiches beschäftigen sich zurzeit mit dem Antrag und bereiten einen Beschlussvorschlag für die nächste Sitzung des Ausschusses Planen, Bauen und Umwelt vor. Der kommt am Donnerstag, 12. März, um 18 Uhr im Rathaus zusammen.

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