Ralph Vartmann unterstützt Pfarrei St. Barbara

Neuer Seelsorger in Bönen: Auf Augenhöhe mit den Menschen

Als Pastor und Seelsorger möchte Ralph Vartmann den Menschen helfen, sie aber nicht belehren.
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Als Pastor und Seelsorger möchte Ralph Vartmann den Menschen helfen, sie aber nicht belehren.

Die Einführung des gemeinsamen Pastoralen Raums in diesem Jahr ist zwar verschoben worden und soll nun erst 2028 kommen. Doch schon jetzt rücken die katholischen Gemeinden in Bönen-Heeren, Bergkamen und Kamen näher zusammen. Zumindest in Person von Ralph Vartmann. Der 58-Jährige wurde vom Erzbistum Paderborn eingesetzt als Pastor der Pfarrei Heilig Geist in Bergkamen und gleichzeitig abgestellt zum Seelsorger in der Pfarrei St. Barbara Bönen/Heeren. Vartmann wird sich also buchstäblich im zusammenwachsenden Pastoralen Raum bewegen, wenn er mit seinem Auto von A nach B fährt.

Bönen/Bergkamen – Seinen Wohnsitz hat Vartmann in Bergkamen unweit der Kirche St. Elisabeth aufgeschlagen – und setzt seinen Fuß damit auf vertrautes Terrain. Denn schon von 1999 bis 2003 war er als Vikar in der damaligen Gemeinde tätig, zudem vertrat er 2013/14 für einige Monate einen Kollegen. An das Singen mit dem Chor von Herz Jesu in Rünthe erinnert er sich gerne zurück.

„Ich kenne viele Leute in der Gemeinde noch ganz gut. Der Draht war nie durchgeschnitten“, freut er sich über seine Rückkehr, nachdem er in der Zwischenzeit einige Stationen hinter sich gebracht hat. Wenn die Zeit es zuließ, besuchte er in St. Elisabeth auch einige Veranstaltungen. „Man kriegt nicht überall diese Verbindung“, weiß er aus Erfahrung.

Jurastudium war nicht das Richtige

Der Weg zum Pastor war Vartmann, der in Osnabrück geboren wurde und in Bielefeld aufwuchs, keineswegs vorbestimmt. Das Elternhaus war zwar nicht „unreligiös“, Vater und Mutter engagierten sich auch in kirchlichen Organisationen, doch nach dem Abitur 1982 und dem Bundeswehrdienst schrieb er sich an der Uni Bielefeld für Jura ein. Die Paragrafen entpuppten sich allerdings nicht als das Richtige.

Nach Gesprächen mit befreundeten Priestern in der Stadt wagte er 1986 den Sprung ins kalte Wasser und wechselte an die Theologische Fakultät Paderborn. „Ich war nie ganz fern davon“, sagt er zu seinem Verhältnis zur Religion: „Und als Priester kann ich mit Menschen arbeiten und ihnen helfen. Das war für mich eine Perspektive.“ Ein Kommilitone in Paderborn war übrigens sein künftiger Pastoren-Partner in Bergkamen, Thorsten Neudenberger. Vartmanns Entscheidung war am Ende richtig: 1992 baute er sein Diplom, zwei Jahre später legte er die Prüfungen zum Diakon ab und wurde 1995 zum Priester geweiht.

Zuletzt im Hagen im Einsatz

Der weitere Weg führte Vartmann nach Bad Pyrmont, Herne, Wickede/Ruhr, Bergkamen und zuletzt ab 2016 in den Pastoralen Raum Hagen-Mitte-West. „Keine Gemeinde ist gleich“, hat der 58-Jährige auf seinem Berufsweg gemerkt: „Es sind immer wieder andere Menschen und andere Aufgaben, die im Vordergrund stehen.“ Deshalb müsse sich ein Pastor bei jeder Versetzung einarbeiten. „Hier ist das etwas anders“, hat die Rückkehr nach Bergkamen für ihn einen Vorteil.

Wie genau seine Aufgaben aussehen werden, wird er noch mit Neudenberger und Benno Heimbrodt, dem Pfarrer in St. Barbara, genau besprechen. „Wir fangen ja erst an“, sagt Vartmann, der aber versichert, dass „Benno Heimbrodt auf meine Mithilfe zählen kann“. Am kommenden Sonntag wird „der Neue“ seine erste Messe lesen.

Erste Messe wird online übertragen

Zusehen und Zuhören können die Gläubigen ihm allerdings nur digital. Wegen der Corona-Schutzvorkehrungen wird der Gottesdienst um 11.30 Uhr live auf dem Youtube-Kanal „Katholische Kirche Bergkamen“ übertragen. Für Vartmann besonders schade: „Wir leiden darunter, dass der Kontakt zu den Leuten nicht da sein kann.“

Neudenberger wird den Neuzugang am Sonntag vorstellen, gute Worte für ihn hat er jetzt schon: „Er hat sein Herz am rechten Fleck, ist authentisch und den Menschen sehr zugewandt.“ Vartmanns Stelle wurde geschaffen, weil gleich zwei seiner künftigen Kollegen zum Teil freigestellt werden. Zum einen Pastor Günter Kischkewitz zu 50 Prozent für ein Trauerpastoral mit Seminaren und Einzelberatung. Zum anderen Pastor Sebastian Zimmert, der 20 Prozent seiner Arbeitszeit für die Gemeindeberatung in der Region aufwenden wird.

Hilfe anbieten durch das Wort Gott

Vartmann möchte den Gläubigen „auf Augenhöhe“ begegnen, sie begleiten und auch den kameradschaftlichen Aspekt betonen: „Wenn ich kann, helfe ich gerne.“ Dabei möchte er seine Qualifikation als Theologe, als Kenner des Wortes Gottes und der Bibel den Hilfesuchenden zur Verfügung stellen, nicht das Amt. „Ich muss die Leute nicht belehren“, sagt er. Als Priester solle man Autorität haben, müsse sie aber nicht durchsetzen. „Dass man auf einen zählen kann, merken die Leute schon.“

Nicht mehr zählen kann Vartmann dagegen seine umfangreiche CD-Sammlung. Der große Musikfan nennt „ein paar 1000 CDs“ sein Eigen, darunter bei Weitem nicht nur Geistliches, obwohl auch viel Klassik dabei ist. „Ich habe eine Schwäche für die Alten Meister“, sagt der Pastor. Sein Geschmack ist allerdings breit gefächert. Gerne legt er auch ein Rock-Album auf, ebenfalls eher die Klassiker als die neuesten Stilrichtungen. Bezug zur Musik war schon früh da: „Als ich eingeschult wurde, haben sich die Beatles aufgelöst“, erinnert er sich.

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