Radverkehr auf der Bönener Bahnhofstraße: Nicht alle Wünsche sind umsetzbar

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Die Fahrbahn ist breit, dennoch wird es für Radfahrer und Pkw ziemlich eng, wenn sie den ungeregelt parkenden Autos links und rechts der Bahnhofstraße ausweichen müssen.

Bönen – Ernüchternd: So nannte Gremiumsvorsitzender Klaus Herbst die Präsentation, die Frank Rode vom beauftragten Ingenieurbüro M + O Rhein- Ruhr am Donnerstagabend den Mitgliedern des Ausschusses Planen, Bauen und Umwelt vorstellte. Der Fachmann erläuterte in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums nämlich, welche Möglichkeiten es beim Ausbau der östlichen Bahnhofstraße insbesondere auf den Radverkehr bezogen gibt. Und wie sich herausstellte, sind diese Möglichkeiten aufgrund der vorhandenen Breiten zwischen 13,30 und 19,05 Meter ziemlich beschränkt.

Die Wunsch-Variante

Wunsch aller Beteiligten ist, die Bahnhofstraße von der Gemeindemitte bis zum Ortsausgang an der Rhynerner Straße beidseitig mit einem richtigen, von der Fahrbahn deutlich abgegrenzten Radweg, einem komfortablen Gehweg und genügend Parkflächen auszustatten. Momentan wird hingegen ungeregelt an beiden Straßenseiten geparkt, Rad- und Kraftfahrzeugfahrer müssen den abgestellten Autos ausweichen und kommen regelmäßig in den Gegenverkehr. Der inzwischen geltende Abstand von 1,50 Meter beim Überholen eines Radfahrers wird aufgrund dieser Situation so gut wie nie eingehalten. Viele Bönener schätzen das Radfahren auf der Bahnhofstraße deshalb als gefährlich ein.

Die Fahrbahn sollte bei der bevorzugen Variante selbstverständlich breit genug bleiben, sodass gegebenenfalls zwei Lkw gefahrenlos aneinander vorbeifahren können, ohne in den Gegenverkehr ausweichen zu müssen. Diesen Wunsch wird die Gemeinde den Bürgern wohl kaum erfüllen könne, wie während des Vortrages schnell klar wurde.

Rode teilte die östliche Bahnhofstraße dazu zunächst in drei Abschnitte ein: Den ersten Bereich von der Bahnschranke bis zur Bachstraße schloss er aus seiner Präsentation aus, weil dieser im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofumfeldes und einer infrage kommenden „Tunnellösung“ ohnehin gesondert geplant werden muss. Weiter geht es mit dem innerörtlichen Teil bis zur Star-Tankstelle und dem anschließenden Bereich bis zum Ortsausgangsschild an der Rhynerner Straße. Dieses Stück hätte bereits einen ländlichen Charakter und könnte bei der Planung anders betrachtet werden, so der Ingenieur.

Bei dem innerörtlichen Abschnitt besteht lediglich auf 540 von 1490 Metern die Chance, dort auf beiden Seiten Radwege anzulegen. Das würde aber bedeuten, dass die Radfahrer zwischen Radweg, Radfahr- und Schutzstreifen wechseln müssten und es für Pkw keinerlei Parkflächen gibt.

Variante 1: Schutzstreifen

Grundsätzlich gibt es drei Hauptalternativen für eine Querschnittsgestaltung, bei der Radverkehr mitberücksichtigt wird. Die erste wird derzeit etwa beim westlichen Teil der Bahnhofstraße umgesetzt. Dabei wird für die Radfahrer auf der Fahrbahn ein 1,50 Meter Schutzstreifen angelegt, auf den die Kraftfahrzeuge jedoch ausweichen könne, wenn es die Situation bedingt und ihnen beispielsweise ein breiter Lkw entgegenkommt. Damit gilt sie nicht unbedingt als sicherste Variante, wäre aber aufgrund der zur Verfügung stehenden Breiten die einzige Form, die auf der gesamten Strecke ab der Bachstraße möglich ist. Je nach Teilabschnitt könnten dann auch ein- oder sogar zweiseitig Parkflächen in Fahrtrichtung ausgewiesen werden.

Ohne Parkplätze wären dafür insgesamt 12,50 Meter erforderlich, bei einseitigem Parken 15 Meter und bei beidseitigem Parken 17,50 Meter. Zum Teil ließen sich ein paar Zentimeter gewinnen, wenn der auf beiden Straßenseiten geplante Bürgersteig nicht, wie regulär vorgesehen, 2,50 Meter breit wird, sondern auf 2,20 Meter verschmälert werden kann, weil zum Beispiel eine Grünfläche angrenzt und keine Schutzzone zur Häuserfront eingerichtet werden muss.

Variante 2: Radfahrstreifen

Bei der zweiten Variante besteht das Profil aus beidseitigen Gehwegen und einem auf Fahrbahnniveau angelegtem, 1,85 Meter breiten Radfahrstreifen, der von Pkw nicht überfahren werden darf. Hinzu kommt eine sechs beziehungsweise 6,50 Meter breite Fahrbahn, sodass mindestens ein Querschnitt von 15,20 Meter beziehungsweise reduziert von 14,10 Metern vorhanden sein muss. Allein dieses Kriterium erfüllen schon nicht mehr alle Bereiche der östlichen Bahnhofstraße. Soll dort an einer Straßenseite noch geparkt werden, sind aber 17,95 Meter (16,85 Meter) vonnöten, bei beidseitigem Parken 20,70 Meter (19,60 Meter).

Variante 3: Radwege

Die dritte Möglichkeit umfasst das Anlegen von zwei Meter breiten Radwegen auf gleicher Höhe mit dem Bürgersteig und einem 50 Zentimeter breiten Sicherheitsstreifen zur tieferliegenden Fahrbahn. Diese Variante wäre für alle Verkehrsteilnehmer wahrscheinlich die sicherste, bräuchte aber mindestens eine Gesamtbreite von 16,50 Meter (15,40 Meter) ohne Parkflächen. Sollen auf einer Straßenseite Autos abgestellt werden können, erhöht sich die erforderliche Breite um 2,25 Meter, bei Parkmöglichkeiten auf beiden Seiten demnach um 4,50 Meter auf insgesamt 21 Meter. Und diese stehen bei keinem Teilstück der Bahnhofstraße zur Verfügung.

Außerörtliche Alternative

Für die Ortsausfahrt ab der Star-Tankstelle hatte Frank Rode noch eine vierte Querschnittsvariante mitgebracht. Weil der Bereich einen ländlichen Charakter aufweist, könnten dort Regelungen für den außerörtlichen Verkehr greifen und ein kombinierter Geh-Radweg installiert werden. Einschließlich Bankett, Sicherheitsstreifen und Fahrbahn läge der Querschnitt so bei 14 Metern (13,50 Metern).

Die Frage von Ratsfrau Heike Reher (SPD), ob sich nicht auch „Mischvarianten“, also unterschiedliche Lösungen an den beiden Straßenseiten realisieren ließen, beantworte Rodes Kollegin Monika Leopold, die bei Masuch und Olbrisch Ingenieurgesellschaft für die Planung von Verkehrsanlagen zuständig ist. Sie wusste, dass nur bei Straßen mit einer Steigung ab drei Prozent solch asymmetrische Lösungen zulässig sein.

Infrage käme dafür nur der Abschnitt zwischen der Tulpen- und der Mühlenstraße, dort werden auf 230 Meter vier Prozent Steigung erreicht. Zum einen sei es aber wenig sinnvoll und sicher, die Radfahrer ständig zwischen Radweg, Radstreifen und Sicherheitsstreifen wechseln zu lassen, zum anderen bliebe dabei kein Raum mehr für Parkflächen.

Bürgerbeteiligung

Ebenso wie die Verwaltung müssen nun die Ratsmitglieder über die Vorschläge des beauftragen Ingenieurbüros nachdenken. „Das war heute der erste Aufschlag“, machte Fachbereichsleiter Robert Eisler deutlich, dass noch alle Optionen offen seien. Für die Entscheidung sollen auf jeden Fall noch die Bürger mit ins Boot geholt und über die Varianten informiert werden. Wann und in welcher Form das passieren soll, konnte Eisler am Donnerstag noch nicht sagen. Coronabedingt könnte es dazu aber eine digitale Veranstaltung geben.

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