Corona-Abi: So fühlt sich eine Schülerin vor dem Prüfungsstart

+
Am Dienstag beginnen am Marie-Curie-Gymnasium die Abiturprüfungen.

Bönen – In dieser Woche biegen die Abiturienten in die letzte Kurve ein. Die verschobenen Abschlussprüfungen beginnen ab Dienstag. Die Bönenerin Josephine Klein ist eine der Schülerinnen des MCG-Gymnasiums, die sich unter diesen besonderen Bedingungen auf das „Corona-Abi“ vorbereitet hat.

Viele Dinge haben sich für Klein komisch angefühlt, angesichts der ungewissen Lage mit dem Lernen für die Prüfungen zu Beginnen sei schweirig gewesen. Mittlerweile fühlt sie sich startklar, doch bis dahin war es ein weiter, weil ungewöhnlicher Weg. Hier ihre Eindrücke

Der letzte Unterricht

Seit dem 24. April ging der zwischenzeitlich ausgesetzte Unterricht für die Abiturienten weiter. Lerninhalte standen kaum auf der Tagesordnung, dafür sollten die Schüler die Gelegenheit bekommen, sich über die Prüfungen zu informieren und dazu Fragen zu stellen. So wurden zum Beispiel in Kursen von Klein, mündliche Prüfungen simuliert. Diejenigen, die Klausuren schreiben, gaben eine Art Prüfer. „Das war auch ganz gut für die anderen, um sehen, wie das abläuft. Das hat einem ein bisschen die Angst genommen. Man hat gesehen, dass man nicht alles wissen muss“, sagt Klein. In ihrem mündlichem Fach Erdkunde war der Lehrer jedoch nicht anwesend, weil er zur Risikogruppe gehört. Fragen konnten über eine App gestellt werden.

Die ersten Tage in der Schule empfand Klein als „sehr komisch“. Da das Erscheinen für den Abschlussjahrgang freiwillig war, kamen nicht alle in die Kurse. „In der Klasse zu sitzen, weit weg von den anderen, mit Mundschutz, war sehr ungewohnt“, so Klein. Obwohl sie acht Jahren auf die Schule gegangen ist, wirkte das MCG in diesen Tagen fremd auf sie.

Die verschobenen Prüfungen

Wegen der Ausbreitung des Corona-Virus war der Unterricht recht abrupt vor den Osterferien gestoppt worden. Weil danach lange unklar war, wie es weitergeht, wurde der ursprüngliche Termin für die Abiturprüfungen nach hinten gelegt. „Ich bin froh, dass verschoben wurde“, sagt Klein. „Ich bin am Anfang mit der Situation nicht gut klargekommen. Auf einmal war die Schule aus“, gibt die 18-Jährige zu: Dann sei da die Frage gewesen, „wie fange ich an zu lernen. Das war sehr merkwürdig.“ Erst als ein Termin festgestanden habe, wäre wieder Schwung reingekommen.

Die Vorbereitung

Der Start in die Abitur-Vorbereitung war durch den Schulstopp holprig. „Man kam total aus dem Lernen raus. Am Anfang habe ich mich gefragt, wie schaffe ich das. Inzwischen fühle ich mich gut vorbereitet. Es kam schnell ganz viel wieder“, beschreibt sie das Lernen.

Die Schüler waren aufgrund des Kontaktverbots auf sich allein gestellt. Lerngruppen waren nicht erlaubt beziehungsweise nur über Videochat möglich. „Bei mir und meinen Freundinnen hat jeder für sich gelernt“, erzählt Klein: „Aber wir haben uns gegenseitig Sachen wie Lernzettel zugeschickt“. Geskypt wurde natürlich auch. „Da haben wir allerdings mehr über private Dinge geredet“, so Klein. Ablenkung muss schließlich auch sein.

Die Bönenerin Josephine Klein legt in den kommenden Wochen ihre Abiturprüfungen ab.

Die Prüfungen

Durch die Maßnahmen gegen das Coronavirus hat sich auch die Prüfungsdurchführung verändert. Die Kurse wurden für die Klausuren größtenteils geteilt, um in den Räumen den Abstand wahren zu können. Mundschutz müssen die Schüler aufsetzen, sobald sie ihren Platz verlassen. Wer in ausliegenden Wörterbüchern oder Ähnlichem nachschlagen will, muss sich Einmalhandschuhe anziehen. Zudem sollen sich die Schüler an den Tagen aus dem Weg gehen. „Egal bei welcher Prüfung, wir sollen das Schulgelände sofort verlassen“, erzählt Klein.

Sie beginnt ihren Klausurreigen mit dem Kunst-LK am Donnerstag, 14. Mai, dann am Dienstag (Englisch) und Donnerstag (Mathe) kommender Woche. Bei einigen ihre Mitschüler folgen die Termine direkt aufeinander. Sie haben deshalb das Recht, ein Attest für eine Klausur zu beantragen.

Auch für das „Corona-Abi“ gibt es nur einen Nachschreibetermin. Klein hätte sich mehrere Möglichkeiten gewünscht: „Die Gefahr ist im Moment größer, dass einer krank ist, als sonst.“ Dass sich jemand mit Symptomen zur Klausur schleppt, soll ja außerdem vermieden werden. Bei einem Verdachtsfall droht vielen eine Quarantäne. „Das kriegt man schon Panik“, sagt die 18-Jährige, als Rektor Dr. Peter Petrak die Schüler umfangreich über die derzeitigen Bedingungen des Abiturs informierte.

Das Durchschnittsabi

Weil sich die Bedingungen des aktuellen Abijahrgangs von allen anderen zuvor so unterscheiden und mit Blick auf den zusätzlichen psychologischen Stress hatten nicht wenige Schüler in NRW auch öffentlich einen Verzicht auf die Prüfungen und anstelle dessen ein Durchschnittsabi gefordert. Auch Klein sei dafür gewesen, auch wenn es eine schwierige Thematik sei. Jemanden, der schriftlich besser sei, würde so die Chance genommen, das zu zeigen. „Vielleicht hätte man es freiwillig machen sollen. Dann wären auch viel weniger Leute in den Räumen“, sagt sie.

Grundsätzlich fühlt sich die 18-Jährige aber von den Verantwortlichen im Stich gelassen. „Man hat das Gefühl, dass die Politik, nicht Verständnis dafür hatte, wie die Situation für uns ist. Ich hatte das Gefühl, das unbedingt an den Prüfungen festgehalten werden sollte.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare