Wirbel am MCG

Protest gegen Schulleiter: Elternvertreter geben Amt auf und machen Probleme am MCG publik 

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[Update 20.04 Uhr] Bönen - Am Marie-Curie-Gymnasium in Bönen haben sich mehrere Mitglieder der Eltern- und Schülervertretung von ihren ehrenamtlichen Ämtern zurückgezogen. Sie protestieren damit gegen die Amtsführung von Schulleiter Dr. Peter Petrak. 

Als „Akt der Notwehr“ und Chance für „einen dringend benötigten Neuanfang“ – freilich ohne den massiv kritisierten Direktor Dr. Peter Petrak – wollen die Elternvertreter am Marie-Curie-Gymnasium ihren demonstrativen und nach langer, scheinbar fruchtloser Auseinandersetzung als Exempel vorbereiteten Rücktritt zu Beginn der Schulkonferenz am Dienstagabend verstanden wissen.

Damit ist am MCG ein Konflikt heißgelaufen und zum offenen Feuer entbrannt, der schulintern schon gewaltig schwelte. Den sinnbildlichen Rauch können die Verantwortlichen kaum übersehen haben. 

Schulleiter soll Ergebnisse der Qualitätsanalyse unter Verschluss halten

Mal abgesehen davon, dass sich im Umfeld der Schule Klagen über Führungsstil und Gebahren Petraks hörbar mehrten, ist ein Teil der Probleme sowieso dokumentiert: In der jüngsten Qualitätsanalyse (QA), über deren Erörterung und Konsequenz die Parteien nun vollends im Clinch liegen. Die Schule soll abermals schlecht abgeschnitten haben, der Schulleiter erst recht. 

Ihm wird vorgeworfen, die vorgeschriebene Verteilung des QA-Berichts deswegen sabotiert und verzögert zu haben. Weil all das Interna sind, gibt es behördlicherseits nur spärliche Auskunft und keine richtige Bestätigung. Petrak hatte dem WA schon am Dienstag mitgeteilt, er könne darüber nicht öffentlich reden und ließ die Bitte um seine Sicht gestern unbeantwortet. 

Schulleiter Dr. Peter Petrak wollte sich bisher nicht äußern.

Die Herausgabe des Berichts über die im November unter Beteiligung aller Schulgremien gestartete Analyse sei ab Februar schriftlich angemahnt worden, so Stein. Dem ist Petrak wohl erst vor der Sitzung in Gänze nachgekommen. 

Bezirksregierung engagierte Coach

Wie Beobachter sagen, eher notgedrungen: Der Umgang damit soll nämlich Gegenstand der Tagesordnung gewesen sein. Zu einem Beschluss kam es wegen des Abbruchs nicht mehr. Übrigens auch nicht zum erforderlichen Okay für die Beschaffung der Bücher fürs kommende Schuljahr. Dass der Konflikt nun in die Öffentlichkeit geriet, offenbart nebenbei, dass die Schulaufsicht auf das schlechte Zeugnis fürs MCG aus dem Unterstützungsrepertoire für Leitungen eine weitgehende Entscheidung getroffen hat: Die Bezirksregierung hat Petrak eine Art Coach an die Seite gestellt.  Insgesamt werde die Schule seit einem Jahr unter anderem durch Beratung gestützt, sagte ein Sprecher. 

Der Schulpflegschaftsvorsitzende Robert Stein und sein Stellvertreter Marcus Felbick haben in persönlichen Stellungnahmen öffentlich gemacht, was sie zum offenen Bruch veranlasst hat. Auch die Schülersprecher Joost Grobe und Max Kalina legten gestern dar, dass es zwischen der Schülervertretung (SV) und Direktor Dr. Petrak ein schlechtes, weil von einem permanenten Misstrauen des Direktors geprägtes Verhältnis gebe. 

Zusammenarbeit mit Schulleiter "sinnlos"

„Wir wollen hier niemanden persönlich beschädigen und es soll jeder gesichtswahrend aus der Auseinandersetzung herausgehen können“, versicherte Stein im Gespräch mit der Redaktion. Der Pflegschaft gehe es um das Wohl der Kinder und die Qualität der Schule. Die Elternschaft fühle sich trotz Eingaben bei der Bezirksregierung Arnsberg wie auch dem Schulministerium alleine gelassen und ohnmächtig.

 „Der Unmut und die Frustration in der Elternschaft hat ein unfassbar großes Ausmaß angenommen. In der Vergangenheit war es nie möglich, mit dem Schulleiter konstruktiv am Schulklima zu arbeiten. Die steigende Anzahl von Lehrern, die die Schule verlassen haben oder in Zukunft verlassen wollen, ist ein beunruhigender Indikator für die Missstände.“ Der Direktor habe auch die klaren Hinweise aus der QA nicht aufnehmen wollen. „Eine Zusammenarbeit mit Dr. Petrak ist unter diesen Umständen sinnlos. Das Vertrauen auf Elternseite ist komplett zerstört.“

So reagiert die Politik

Die Reaktionen aus dem politischen Raum ließen nicht lange auf sich warten. Am Morgen nach dem Eklat in der Schulkonferenz meldete sich sogleich CDU-Fraktionschef Detlef Pilz mit einem Antrag zu Wort. Auf dessen Veröffentlichung auf wa.de reagierte Ute Brüggenhorst im Namen der SPD und ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Schulausschusses. Eines ist ihnen zumindest gemein: der Ruf nach Bürgermeister Stephan Rotering. 

Am Marie-Curie-Gymnasium in Bönen haben sich Schüler- und Elternvertreter gegen den Schulleiter gewandt. 

Die Union hat den Verwaltungschef gebeten, den geschilderten Sachverhalt zu prüfen. Der Parteivorsitzende Torsten Goetz habe noch am selben Tag vom Rücktritt der Pflegschaft erfahren. Es scheine so, als sei hier das Ehrenamt als wichtiger Stützpfeiler der Gemeinde eingerissen worden. Das verlange Aufklärung seitens der Bezirksregierung. Die Schule benötige ein „positives Klima, offene Kommunikationswege und ein faires Miteinander“. 

Dass Rotering sich um (den sogleich erfolgten) Kontakt bemüht und sich kümmert, „unsere Kinder zu einem guten Abschluss zu führen“, forderte auch Brüggenhorst. Sie hat zudem zwei Kinder an der Schule und insofern den Eindruck, dass seit Jahren der Konflikt schwele und sich nun zugespitzt habe. 

Mediator nur selten anwesend

Die Einstellung des Musikförderprogramms „war der Moment, in dem es sich abzeichnete, dass es nicht mehr zu retten ist“. Weil sich die Elternvertreter von Petrak vor vollendete Tatsachen gestellt sahen, soll es in der vorherigen Schulkonferenz schon mächtig Ärger gegeben haben. Brüggenhorst bestätigte den Einsatz eines Mediators durch die Schulaufsicht zu Beginn des laufenden Halbjahres. Aber: „Der war nicht mehr so oft anwesend“, was auch dem Coronaausbruch geschuldet sei, „führte nicht weiter und ist gescheitert“. 

Nach ihrem Eindruck, habe es der Schulleiter nicht geschafft, „Lehrer, Eltern und Schüler mitzunehmen. Es gab keine gemeinsame Gesprächsgrundlage mehr.“ Und: „Man hat auch bei den Schülern gemerkt, dass das Spuren hinterlassen hat."

Schulausschuss planmäßig erst im November

Selbst in Kenntnis der Misere habe sie als Vorsitzende des Schulausschusses nichts unternehmen können. Das Gemeindegremium ist für innere Schulorganisation und vor allem das Lehrpersonal nicht zuständig. So kann die Vorsitzende dort auch thematisieren, dass nach ihrem Eindruck, wie auch dem von Stein und Felbick, zunehmend Lehrer die Schule verlassen oder einen Versetzungsantrag gestellt haben. "Es gab überhaupt keine Kontinuität mehr", so Brüggenhorst.

Über diese Bilanz liegt die Pflegschaft mit Petrak ebenfalls über Kreuz. Brüggenhorst sagt, sie habe mehrfach beratende Gespräche mit dem Leiter geführt. Weil der Schulausschuss zuletzt im November tagte (da begann die QA), die Aprilsitzung der Pandemie zum Opfer fiel und bis Ferienbeginn kein Termin gefunden wurde, will die Vorsitzende mit der Verwaltung jetzt eine Sitzung im August organisieren. Sonst würde man erst wieder im November tagen. Zur CDU könnte sich die Genossin noch einen Seitenhieb: „Wir können uns alle mit schlauen Statements dazu äußern.“ Die SPD wolle aber zusehen, „das Thema nicht in den Wahlkampf zu bringen“.

Anhörung folgt: Gemeinde arbeitet Stellungnahme aus

Den Ruf nach dem Bürgermeister hätte es nicht gebraucht. Stephan Rotering war nur kurz nach dem MCG-Eklat im Bilde und einer derjenigen, mit dem das Schuldezernat am Morgen danach das Gespräch suchte. Per E-Mail habe er die Dezernentin Johanne Nau-Wiens noch am Abend mitgeteilt, was ihm zugetragen wurde. Ihr designierter Nachfolger Sven Meyhoefer habe tags darauf das Gespräch gesucht, sagte Rotering auf Anfrage – und stellte klar: „Ich habe hier nicht das Zepter in der Hand.“ Aber er weiß um die Interessen der Gemeinde als Schulträgerin. Erstens: „Nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen“, so Rotering. Zweitens: Verhindern, dass die Schule einen Imageschaden davon trägt und bald die neuen Fünftklässler kommen mit der bangen Frage in Tornister, ob diese Schule die richtige Wahl gewesen ist. „Ich habe die Information, dass bei der Bezirksregierung an einer Lösung gearbeitet wird“, formulierte es Rotering in den Schranken, nichts Vertrauliches auszuplaudern. Die Gemeinde werde angehört und die Lage bewerten. 

Schulaufsicht: Eine sehr unangenehme Situation

Von „einer sehr unangenehmen Situation“ und einem „sehr extremen Spagat“ für eine Lösung (zwischen der Fürsorgepflicht des Dienstherrn und dem Anspruch auf gute Schule) sprach Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung; gleichfalls in dem Bemühen, nicht anfechtbar Details aus den Behördenvorgängen preiszugeben. Wie aber ist mit den Erkenntnissen aus der Qualitätsanalyse umzugehen und wem Einblick zu gewähren? Söbbeler: „Kommunikation ist für das System Schule existenziell.“ Wie konnte der Streit offenbar unter den Augen des „Coachs“ eskalieren? Auch darauf war keine Antwort möglich.

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