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Probleme mit WhatsApp und Co: In Bönen helfen sich die Schüler gegenseitig

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Von: Carola Schiller

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Die Anwendung von WhatsApp auf einem iPhone 12.
Wie verhalte ich mich richtig im Netz? Die Medienscouts sollen helfen. © Christoph Dernbach/dpa

Schüler sind täglich digital unterwegs, schreiben sich Nachrichten auf Messenger-Diensten, nutzen Plattformen wie Facebook oder Instagram. Wie man sich richtig in den Weiten von Social Media verhält, müssen aber auch die Schüler lernen.

Bönen – Sechs Achtklässler hat das Marie-Curie-Gymnasium im Jahr 2020 in dem von der Landesanstalt für Medien initiierten und vom Kreis Unna unterstützten Projekt „Medienscouts NRW“ unterbringen können. Zwei Jahre später sind die heutigen Zehntklässler um viele Erfahrungen reicher, die sie an die jüngeren Schüler weitergeben.

Angefangen hat allen mit einer sechsstündigen Ausbildung, die aufgrund von Corona zunächst unterbrochen und dann online weitergeführt wurde. Der Motivation tat das keinen Abbruch und für das Engagement gab es zum Abschluss sogar eine Urkunde. Ihr Wissen bringen die Teenager vor allem bei den Fünft- und Sechstklässlern an. Einmal pro Woche treffen sie sich im kleinen Kreis, sammeln Ideen für die nächsten Unterrichtsstunden, von denen pro Woche zwei eingeplant sind.

Eltern häufig nicht social-media-affin

Gründliche Vorbereitung gehört für die Teenager, die während ihrer Ausbildung auch Kommunikationstechniken erlernt haben, zum Programm.

Lehrer Michael Heumann betreut die Medienscouts Hannah Wille, Luca Engnath, Jan Friedrich Miersmann, Marlene Grieger und Emma Schmidt am Marie-Curie-Gymnasium.
Lehrer Michael Heumann betreut die Medienscouts Hannah Wille, Luca Engnath, Jan Friedrich Miersmann, Marlene Grieger und Emma Schmidt am Marie-Curie-Gymnasium. © Schiller

Trotzdem verlaufen die Stunden nicht immer so wie geplant und dann gilt es, nicht strikt am Plan festzuhalten, sondern zu improvisieren. Zum Beispiel, weil die jungen Schüler ein aktuell drängendes Problem haben. Hannah Wille und Marlene Grieger hatten bereits ein solches Erlebnis. Während einer sorgfältig vorbereiteten Power-Point-Präsentation über den Umgang mit WhatsApp berichteten die Kinder von ihrer Unsicherheit im Umgang mit einem beunruhigenden Kettenbrief. Dank ihres Wissens konnten Hannah und Marlene den Kindern helfen.

Dass Eltern in solchen Fällen oft nicht ausreichend social-media-affin sind, wissen auch Emma Schmidt und Jan Friedrich Miersmann aus eigener Erfahrung. In ihren Familien sind sie für ihre jüngeren Geschwister die wichtigsten Ansprechpartner, wenn es um Sicherheit im Netz geht.

Unterstützung durch Betreuungslehrer

Was sind eigentlich Bots, wie glaubwürdig sind Bilder und Videos bei TikTok und wie sind die vielen Social-Media-Trends zu bewerten – all diese Fragen beschäftigen junge Schüler sehr. Ohne ältere Brüder oder Schwestern fehlt dann möglicherweise ein social-media-erfahrener Ansprechpartner. Für Luca Engnath war das ein wichtiger Grund, sich als Medienscout ausbilden zu lassen. „Ich habe mir früher überhaupt keine Gedanken gemacht. Jetzt will ich anderen helfen“.

Und genau das ist auch das Ziel des Projekts. Michael Heumann ist Betreuungslehrer am MCG und begleitet die Medienscouts. Allerdings, ohne sich einzumischen. „Die können das sehr gut allein.“ Die Grenzen ihrer Unterstützungsmöglichkeit kennen die Scouts dennoch genau. „Wenn es etwas Strafbares ist, fragen wir die Lehrer.“ Michael Heumann freut sich indes besonders, dass die jüngeren Schüler auch von sich aus auf die Medienscouts zugehen, wenn sie Fragen oder Sorgen haben.

Nächstes Thema Fake News

Bianca Giese, kommissarische Schulleiterin, sieht in dieser neuen Kommunikation einen Zusatzgewinn für die Schule. Viele Fünftklässler seien angesichts der „großen Schüler“ verunsichert. Mit den Medienscouts werden solche Hemmschwellen nicht nur abgebaut, die jüngeren Schüler erleben außerdem, dass sie den älteren vertrauen können und von ihnen Hilfe bekommen. Nun hofft die Schule, dass die nächste Generation das Ausbildungsprogramm durchlaufen darf. „Die Plätze sind allerdings begrenzt“, fürchtet Heumann, dass es mit dem Nachrücken schwierig wird.

Weiter geht es solange dennoch. Michael Heumann, der zusammen mit seinen Schülern die Medienscout-Ausbildung absolviert hat, steht kurz vor der nächsten Fortbildung. Dieses Mal geht es um „Fake News“. Ein Thema, das dann für die jungen Schüler aufbereitet wird und ihnen helfen soll, sich sicher im Netz zu bewegen. „Da ist nämlich nicht alles schlecht“, mahnt Heumann. „Social Media bietet auch viele Chancen“.

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