Ab 1. Juli gibt es keinen Orthopäden mehr in Bönen

Praxisfiliale an der Bahnhofstraße schließt - keine Neuansiedlung in Bönen möglich

Offiziell wird die Zweigstelle des Orthopädischen Behandlungszentrums Hamm in Bönen am 30. Juni geschlossen.
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Vor verschlossenen Türen stehen die Patienten der Zweigstelle des Orthopädischen Behandlungszentrums an der Bahnhofstraße in Bönen seit dieser Woche.

Orthopäden sind gefragte Fachleute. Schließlich klagen immer mehr Menschen über Probleme mit dem Bewegungsapparat. Die Bönener sind da keine Ausnahme. Sie müssen nun weitere Wege in Kauf nehmen, wenn sie sich von einem solchen Facharzt behandeln lassen möchten. Die Filiale des Orthopädischen Behandlungszentrums Hamm an der Bahnhofstraße wird offiziell zum 30. Juni geschlossen, schon jetzt werden dort keine Patienten mehr behandelt.

Im Mai 2007 haben Dr. Wolfgang Knaebel, Bernd Allzeit und Dr. Horst Rheingans die Dependance ihrer Hammer Praxis an der Bahnhofstraße in der Gemeinde eröffnet. Möglich war das nur, weil sie ihr Budget in ihrer Hammer Praxis bis dahin nicht voll ausgeschöpft hatten. Laut Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) war nämlich kein Orthopäde für Bönen vorgesehen, da es zumindest nach Ansicht der Fachleute genügend Praxen im Kreis Unna gab. Die KVWL erteilte den Hammer Ärzten gleichwohl eine Ausnahmegenehmigung, mit der Auflage, dass sie lediglich 20 Stunden pro Woche in der Gemeinde behandeln.

Das Angebot, mit ihren Beschwerden direkt vor Ort vorstellig werden zu können, nutzten seitdem etliche Bönener. So musste sie mit einem akuten Bandscheibenvorfall, einem Hüftschaden oder Ähnlichem nicht den beschwerlichen Weg in die umliegenden Städte auf sich nehmen.

Gerne hätten Bernd Allzeit und die Nachfolger von Knaebel und Rheingans, Dr. Michael Kaufmann, Dr. Michael Königshaus, Marcus Neuhaus, Dr. Bernhard Philipps und Christoph Stork, daher die Öffnungszeiten ausgeweitet auf volle 40 Stunden. Doch das ließ die KVWL nicht zu, sagt eine Mitarbeiterin des Praxismanagements. Ein entsprechender Antrag sei abgelehnt worden. Davon weiß die Ärztevereinigung jedoch nichts. Ein solcher Antrag liege dort für die Filiale in Bönen nicht vor, gibt die KVWL an.

Patienten werden in Hamm weiterbetreut

Die fehlende Genehmigung, die Stundenzahl aufstocken zu dürfen, sei aber auch lediglich ein Aspekt gewesen, der dazu führte, dass die Zweigstelle geschlossen wird, heißt es dazu aus dem Hammer Behandlungszentrum. Im März sei in Bönen das kostspielige Röntgengerät ausgefallen. Um den Betrieb weiterführen zu können, wäre ein neues fällig gewesen. Die Entscheidung sei also ebenso aus wirtschaftlichen und innerbetrieblichen Gründen gefällt worden.

Die Bönener Patienten würden natürlich weiterhin von ihren vertrauten Ärzten betreut werden, wenn sie sie in Hamm aufsuchen und dort künftig Termine vereinbaren. Das ambulante Operationszentrum der Gemeinschaft ist an der Werler Straße ansässig, eine Praxis am Papenweg.

In der Gemeinde wird es hingegen keinen Nachfolger für die Orthopäden geben. Laut Kassenärztlicher Vereinigung gibt es nämlich im Sinne der Bedarfsplanung nach wie vor keinerlei freie Niederlassungsmöglichkeiten für neue Orthopäden im Kreis Unna. Aufgestellt wird der Plan, wie viele Ärzte und Psychotherapeuten sich in einem Gebiet niederlassen können, von der KV. Die hält sich dabei wiederum an die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem Selbstverwaltungsgremium der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Und der legt eine Verhältniszahl fest, eine Relation von Einwohnern je Arzt. Berücksichtigt werden darüber hinaus regionale Einflüsse, zum Beispiel der demografische Wandel und die Geschlechterverteilung.

Stimmt das Verhältnis von Arzt und Patienten in einer Region mit der gesetzlichen Vorgabe überein, so beträgt der Versorgungsgrad 100 Prozent. Liegt er unter 50 Prozent, gilt sie als unterversorgt. Davon ist der Kreis demnach weit entfernt. „Die allgemeine fachärztliche Versorgung, zu der auch die Orthopäden gehören, wird auf Kreisebene geplant. Im Kreis Unna beträgt der Versorgungsgrad für Orthopäden und Chirurgen 129,5 Prozent“, berichtet eine Sprecherin der KVWL. Und damit gebe es keine Möglichkeit, eine neue orthopädische Praxis im Kreis anzusiedeln.

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