Post setzt in Bönen umweltfreundliche Street-Scooter ein

+
Da passt jede Menge rein: Den Street-Scooter kann Katja Sommerrogge von drei Seiten be- und entladen.

Bönen – Eigentlich habe sie ihren Diesel-Bulli, mit dem sie viele Jahre Briefe und Pakete zugestellt hat, geliebt, gesteht Katja Sommerrogge, Verbundzustellerin der Deutschen Post in Bönen. Seit drei Wochen ist sie nun mit einem neuen Fahrzeug unterwegs – und will es nicht mehr hergeben. Quadratisch, praktisch und sehr leise: Der Street-Scooter, der Elektro-Lieferwagen der Post, ist nun auch in der Gemeinde unterwegs.

Der gelbe Lieferwagen fällt vielen Bönenern ins Auge. Sie fragen nach, weil er anders aussieht, als die Marken, die man so kennt. „Von manchen Kunden wird er liebevoll ‘Playmobil’ genannt“, berichtet Sommerrogge. Dabei ist das Fahrzeug ein Eigenbau der Deutschen-Post-DHL-Gruppe, „weil kein Autobauer uns ein Elektrofahrzeug für unsere Bedürfnisse bauen wollte“, erläutert Unternehmenssprecher Rainer Ernzer. Also hat das Unternehmen zusammen mit der Technischen Hochschule Aachen selbst ein Lieferauto entwickelt. Schließlich hat man dort ehrgeizige Pläne: Bis 2025 soll die eigene Zustellung einschließlich der Abholung zu 70 Prozent mit sauberen und emissionsfreien Konzepten durchgeführt werden. 

Im Ortszentrum wird das zumindest bei Briefen umweltfreundlich mit dem Fahrrad gemacht. In den Außenbezirken liefern die Zusteller Briefe und Pakete bis jetzt noch größtenteils mit dem VW-Bulli als bewährtem Lastentier. „Ein Lieferfahrzeug, das unseren Bedürfnissen entsprach, gab es nicht und wollte kein Hersteller bauen“, erläutert Ernzer. Diese Anforderungen sind speziell, denn der Fahrer ist überwiegend im Start-Stopp-Betrieb: Er fährt ein kurzes Stück und hält an, um Pakete auszuliefern. Dafür wurde der Einstieg sehr niedrig gemacht. „Im Bulli musste ich immer eine Stufe hochklettern ins Fahrerhaus“, erzählt Sommerrogge. Durchschnittlich 800 Lieferungen bringt ein Verbundzusteller pro Tag an den Kunden, manchmal mehrere pro Stopp. „Da zählt jedes Ein- und Aussteigen. Das merkt man abends in den Knien“, weiß die Postmitarbeiterin. Auch der Fahrersitz ist besonders flach und hat keine Seitenpolster, damit die Fahrer bequem und schnell Platz nehmen können. 

Zusteller liefern Tipps für den Fahrzeugbau

„Viele Verbesserungen hat der Prototyp von den Praktikern erhalten, die wertvolle Tipps gegeben haben aus der täglichen Erfahrung“, berichtet Ernzer. Der Laderaum liegt als rechteckige Box auf dem Fahrgestell, Radkästen behindern nicht mehr die Beladung. 

Besonders gut findet die Bönener Zustellerin, dass die Ladefläche in Hüfthöhe ist, was das Be- und Entladen erleichtere. Und das sei auch nötig, denn was sie und ihre Kollegen mittlerweile jeden Tag ausliefern müssen, entspreche Spitzenwerten im Weihnachtsgeschäft, sagt Ernzer. „Seit dem Ausbruch von Corona ist das noch einmal gestiegen. Immer mehr Menschen lassen sich ihre Einkäufe an die Wohnungstür liefern.“ Das reiche von der Schrankwand in fünf Kartons bis zum Hundefutter. Das sei für die Zusteller schon manchmal eine Herausforderung. „Aber die Bönener sind wirklich freundlich und hilfsbereit“, findet Sommerrogge. „Die packen auch mal mit an.“ 

Ladevolumen und Batterie des Scooters reichen in der Regel, um einmal den „Kasten“ vollzupacken und dann den Bezirk vollständig beliefern zu können. Abends kommt der Scooter ans Ladegerät. Die Ladestationen für weitere E-Fahrzeuge sind auf dem Hof des Bönener Postverteilzentrums bereits installiert. Sie kommunizieren untereinander und entscheiden je nach Batteriestand, welches Fahrzeug zuerst geladen wird. Wenn ein Scooter nicht richtig eingestöpselt ist, setzt die Station eine Meldung ab, damit der Mitarbeiter am nächsten Tag keine böse Überraschung erlebt. „Aber das ist mir anfangs auch mal passiert“, erzählt Sommerrogge. „Der Stecker saß nicht richtig fest, und am nächsten Morgen war die Batterie nicht geladen.“ Anfangsschwierigkeiten, aber eigentlich möchte sie ihren Elektro-Scooter nicht mehr missen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare