Pilotprojekt soll Patienten in einer Bönener Apotheke mehr Sicherheit geben

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Anke Döpker aus der Apotheke am Brunnen in Bönen hat eine Fortbildung zum Thema Arzneimitteltherapiesicherheit absolviert.

Bönen - Wer regelmäßig mehrere Medikamente  einnehmen muss, entdeckt manchmal Unverträglichkeiten oder wundert sich, warum auch nach längerer Zeit keine Besserung eintritt. Wenn die Medikamente von verschiedenen Ärzten verschrieben wurden, kann es passieren, dass nicht immer alle Wechselwirkungen der Tabletten und Salben beachtet werden. Die Apotheken sollen an der Stelle mithelfen, unerwünschte Effekte zu vermeiden. Das will die Apothekerkammer Westfalen-Lippe mit dem Pilotprojekt Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) sicherstellen. In Bönen wurde jetzt die Apotheke am Brunnen in der Fußgängerzone zertifiziert.

Apothekerin Anke Döpker hat dafür knapp ein Jahr lang an Wochenenden spezielle Schulungen besucht. Sie ist nun qualifiziert, die verschiedenen Medikationen für einen Patienten zu überwachen und Patienten zu beraten. „Bei uns laufen alle Verschreibungen der verschiedenen Ärzte zusammen“, sagt Inhaber Stefan Oyen. Die Apotheke soll so eine weitere Sicherheitsbarriere darstellen. Döpker hat dafür auch Kenntnisse über die richtige Dosierung der Medikamente je nach Alter und die wirksamste Einnahme gesammelt.

„Oft sind es Kleinigkeiten, die, wenn sie nicht beachtet werden, dazu führen, dass Arzneimittel nur vermindert wirken oder Wirkstoffe sich gegenseitig blockieren“, weiß die Expertin. „Kaum jemand weiß zum Beispiel, dass Kalzium, das zusätzlich eingenommen wird, die Wirkung bestimmter Medikamente durcheinanderbringen kann oder lichtempfindliche Tabletten richtig gelagert werden müssen.“ Aktuelle Studien haben gezeigt, dass nur etwa 50 Prozent der verordneten Medikamente korrekt und regelmäßig eingenommen werden, sodass eine schnelle Genesung gegeben ist.

Patient bekommt überarbeitete Liste

Deshalb lässt Anke Döpker sich in einem ersten Beratungsgespräch alle verordneten Arzneimittel vorlegen, überprüft diese in einer Art Tüv-Check auf ihre Inhaltsstoffe, befragt die Patienten nach Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten und kontaktiert bei Bedarf den Arzt. In einem zweiten Gespräch legt sie dem Patienten eine überarbeitete Medikationsliste vor, die genau ausweist, was wogegen eingenommen wird. Angesprochen seien vor allem Patienten, die mehr als fünf verschiedene Präparate einnehmen müssen. „Da der Zeitaufwand für die Beratung groß ist, müssen wir eine Gebühr in Höhe von 59,90 Euro dafür berechnen“, so Stefan Oyen, der hofft, dass die Krankenkassen diesen Service in der Zukunft übernehmen.

Seit 2013 bildet die Apothekerkammer Westfalen-Lippe Apotheker zum Thema AMTS aus. Das Schulungsprogramm wurde in Zusammenarbeit mit den Universitäten in Bonn, Düsseldorf und Münster entwickelt. In einigen Jahren soll die spezielle Kontrolle Standard in allen Apotheken sein. 

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