Philharmonisches Orchester Hagen begeistert Bönener Publikum

Engergiegeladen und humorvoll führte Generalmusikdirektor Florian Ludwig durch das Programm.

BÖNEN - Es bedurfte keiner langen Überredungskunst, um die Besucher des Neujahrskonzerts mit auf eine musikalische Reise einzuladen, die sie in die „Träume aus Sankt Petersburg“ entführen sollte. Unter diesem Motto war das Philharmonische Orchester Hagen unter der Leitung von Generalmusikdirektor Florian Ludwig zum dritten Mal in der am Samstagnachmittag nicht ausverkauften Aula des Marie- Curie-Gymnasiums zu Gast.

Zu Beginn des neuen Jahres wurde so mithilfe der Notenschrift die rund 1700-Kilometer-Distanz zwischen Wien und der ehemaligen Zarenresidenz sowie die 1600-Kilometer-Strecke nach Moskau überwunden. Auf dieser Tournee der besonderen Art warteten die Musiker mit einer Reihe unerwarteter Stücke auf. Ein spielfreudiges Orchester, ein energiegeladener Dirigent, mit Maria Klier eine zauberhafte Sopranistin und zum Schluss eine barfuß dirigierende Fachbereichsleiterin Edelgard Blümel ergaben ein wunderbares Ensemble, das die traditionelle Veranstaltung zu einem besonderen Ereignis werden ließ.

In ihrer stellvertretend für Bürgermeister Rainer Eßkuchen gehaltenen Ansprache knüpfte Edelgard Blümel an das bisher auf kulturellem Gebiet Erreichte an und kündigte ein Kulturjahr „mit neuem Elan“ an. Sie versprach ein „qualitativ hochwertiges Jahresprogramm“, wie es immer als eine zentrale Aufgabe in der Gemeinde aufgefasst worden sei.

Beinahe so, als sollte das Publikum sich noch einmal auf das vergangene Jahr besinnen, stimmten die Musiker mit Franz von Suppés „Ouvertüre zu Pique Dame“ dann gefühlvoll auf die gemeinsame Reise ein, bis schwungvoll dramatische Passagen den Träumereien ein Ende setzten, um den Blick in die Zukunft zu richten. Begleitet von Exkursen in die Musikgeschichte führte Florian Ludwig humorvoll seine Zuhörer mit der fein gestalteten „Pizzicato-Polka“ zur „Petersburger Schlittenfahrt“ von Richard Eilenberg.

Nach dem klagenden, aber bald einem romantischen Walzer weichenden „Abschied von Sankt Petersburg“ von Johann Strauß gestaltete sich der Auftritt von Maria Klier als Koloratursopranistin zu einem Höhepunkt des Abends. Ihren Stimmenpart im Konzert von Reinhold Glière meisterte sie überragend. Basierend auf einer literarischen Vorlage von Alexander Puschkin und gestaltet nach Volksweisen führte mit der Ouvertüre zu „Rusian und Ludmilla“ von Michail Glinka, dem Urvater der russischen Kunstmusik, die Reise nach der Pause mitten ins Herz Russlands. Eine Programmänderung brachte den Zuhörern mit Tschaikowskis Walzer aus der Oper „Eugen Onegin“ die Vorstellungprächtige Roben schöner Damen beim Tanz mit ihren Kavalieren in pompös gestalteten Ballsäle näher, während in der „Russischen Marsch-Fantasie“ von Johann Strauß die schwer ergründbare russische Musik mit ihrer Leichtigkeit, aber auch ihrer Schwermut deutlich wurde.

Geleitet von einem mit ganzer Körpersprache agierenden Dirigenten, der seinen Musikern viel abverlangte, zeigte sich zum Schluss bei Tschaikowskis „Dornröschen-Walzer“ noch einmal das große Können des Hagener Orchesters. Dem lang anhaltenden Beifall der Zuhörer konnten die Musiker nicht ohne Zugabe entgehen. Überraschend war die Präsentation der eigenwilligen Bearbeitung des bekannten „Tea for two“ von Dmitri Schostakowitsch und natürlich der „Radetzky-Marsch“, bei dem Edelgard Blümel als Dirigenten auch ohne Schuhe ihre Aufgabe meisterte. - Lö

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