Blühender Acker für mehr Klimaschutz

Noch Paten gesucht für 1,6 Hektar Insekten-Buffet auf Pohlmanns Acker an der Voßkuhle

So prächtig soll das Buffet angerichtet sein, wenn die Saat aufgeht. Pollen satt für Biene & Co.
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So prächtig soll das Buffet angerichtet sein, wenn die Saat aufgeht. Pollen satt für Biene & Co.

Sein Leben lang hat Bauer Pohlmann sein Feld bestellt, wie es zunehmend kritisch betrachtet wird. Aber beim Blick auf den Acker an der Voßkuhle soll bald allen das Herz aufgehen: 1,6 Hektar natürliche Blütenpracht sind gerade eingesät. Gut für Biene, Falter & Co - und fürs Klima sowieso.

Bönen – „Blühende Landschaften“ hat einst ein Kanzler im Großen und Ganzen schon mal versprochen – und ist fortan kritisch daran gemessen worden. So etwas käme Ulrich Pohlmann in seiner Bescheidenheit nicht in den Sinn. Obwohl der Osterbönener Bauer, in den örtlichen Gegebenheiten betrachtet, durchaus Größeres in blühender Vielfalt vorhat.

Saat soll auf dem Acker und in den Köpfen aufgehen

Aber mit der Zurückhaltung, die den Westfalen nun mal ausmacht, will der 70-Jährige den Mund lieber nicht zu voll nehmen, solange seine Idee noch nicht sichtbar keimt. Weil das aber nur gelingt, wenn nicht nur auf seinem 1,6 Hektar großen Acker an der Voßkuhle die Saat aufgeht, sondern auch in den Köpfen, hat Pohlmann mal die Werbetrommel in eigener Sache gerührt – weil die ja im Grunde alle etwas angeht: Klimaschutz ist hier die Mission.

Sonst ein Standort für Raps und Korn

Statt in der Fruchtfolge von Raps und Getreidesorten konventionell das Feld zu bestellen, hat der Landwirt unter Verzicht auf chemische Hilfen mit der Sämaschine hinterm Schlepper ein Insektenbuffet angerichtet, das üppig zu werden verspricht – fürs Auge und erst recht für Biene, Falter & Co..

Beim Blick in Blühstreifen reifte die Idee

Das kennt man vom Blühstreifen als Öko-Saum der Maiskulturen, eine Imageaktion des Landwirtschaftsverbandes. „Da habe ich gesehen, dass in den Blüten richtig was los ist“, erzählt Pohlmann. Und so reifte die Idee, den Insekten mal eine größere Tafel zu decken. „Dabei kann jeder mitmachen“, betont Pohlmann, denn er hat ein Patenprojekt ins Leben gerufen, damit der Gedanke unter die Leute kommt – und sein Betrieb nicht allein die Last trägt. Immerhin hat er die Scholle vor der Einsaat schon zwei Mal beackert.

Pate werden

Wer einen Beitrag zu Klimaschutz leisten möchte, ist ab 20 Euro pro 50 Quadratmeter dabei. Anmeldung bei Ulrich und Erika Pohlmann, Tel. 5154; E-Mail: ulrich.pohlmann@gmx.net

„Es wird viel geredet über Klimaschutz, aber hier kann jeder auch etwas tun“, fügt er an. Denn über das Verhältnis von Wort und Tat hat Pohlmann auch als Rastherr der CDU eine Meinung zur Klimadiskussion. „Für 20 Euro übernimmt man 50 Quadratmeter. Das ist der Einstiegspreis, nach oben gibt’s keine Grenze“, sagt der Bauer mit Zwinkern. Reibach machen will er hier nicht. „Ich möchte auf einen mittleren Ertragsausfall kommen, dann bin ich zufrieden.“ Auf den Erlös für die Ackerei könne er nicht vollends verzichten.

Patenschaften gleichen Ertragsausfall aus

Dabei ist schon einkalkuliert, dass Überschüsse bleiben, wenn’s tatsächlich so sprießt, wie es die feine Saatgutmischung Typ „Insektenbuffet“ verspricht. Jeden Cent drüber will Pohlmann dann der Allgemeinheit als Spende weiterreichen und – wenn’s auch mit dem Imker gut läuft – etwas süßen Lohn an die Paten. Martin Greitzke, Vorsitzender des Imkervereins, ist samt zweier Völker nämlich mit von der Partie.

Spende fürs Allgemeinwohl und süßen Lohn im Blick

Aber da kommt der Westfale wieder durch: Bloß nicht zu früh zu viel versprechen. Sei’s drum. Bei der Redaktion steht der Bauer nun im Wort, dass wir mit der Berichterstattung nachlegen, wenn sich auf dem Acker etwas tut. Und das gilt schließlich unter uns Bodenständigen.

Die erste Biene ist ein echter Brummer

Eine Biene, das sei dann doch schon einmal verraten, wird sich an dem bei Spaziergängern und Radlern beliebten Feldweg durchs nahe Sandbachtal auf jeden Fall niederlassen. Dafür hat Egon Maaß gesorgt, in dessen kreativen Kopf auch mit 79 Lenzen noch eine Idee die nächste jagt. Es gibt wohl nichts aus Holz, Stahl oder Stein, das der Osterbönener in der Werkstatt nicht zum kuriosen Kunstwerk macht.

So, wie die beiden Dehnungsgefäße einer Heizung, die – aneinandergeschweißt und angemalt – Kopf und Rumpf der „ersten Biene“ bilden, die sich am Blüh-Acker niederlassen wird. Als Imageträger, Sitzbank und Gimmick fürs Handyfoto oder was sonst in Frage kommt.

Jeder kann durch Patenschaft mitmachen

„Jeder kann hier mitmachen. Einzelpersonen, Familien, Firmen, Schulklassen. Auch Gutscheine sind möglich“, erläutert Ulrich Pohlmann. Dabei klingt kurz an, dass er mit einigem Aufwand dafür übrigens beim Fiskus auf Heller und Pfennig Rechenschaft schuldig ist. „Gut zur Hälfte ist die Fläche vergeben“, sagt er.

Auch der Heimatvereins ist dabei

Auch Vereine hat der „Bienen-Bauer“ angesprochen. Die Heimatfreunde mischen nicht nur als Paten mit. „Wir wollen auch Führungen anbieten, sofern das unter Corona geht, um Interessierten mal zu erklären, was hier blüht. Eine Sonnenblume kennt jeder, aber wer weiß schon wie Phacelia, Borretsch oder Weißklee aussieht?“ Pohlmann hofft nun sehr, dass Naturliebhaber an seinem Acker ihre Freude haben und „die Bienen vor Freude mit dem Fühler wackeln“.

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