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Umsatzeinbrüche treffen auch die Anbieter auf dem Bönener Markt

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Von: Sabine Pinger

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Wochenmarkt in der Gemeinde Bönen
Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Marktgilde den Bönener Wochenmarkt mit dem Ziel übernommen, ihn attraktiver zu gestalten. Die Auswirkungen der Pandemie machen diese Aufgabe schwierig. © Liesegang Markus

Egal ob geimpft, getestet und schon geboostert – viele Menschen schränken angesichts der drohenden fünften Corona-Welle und der sich rasant ausbreitenden Omikron-Variante ihre Kontakte ein. Und das trifft nicht nur die Gastronomen, deren Restaurants und Gaststuben nun oft leer bleiben. Auch der Handel leidet massiv. Der Wochenmarkt bildet da keine Ausnahme, wie die Anbieter in Bönen schmerzhaft zu spüren bekommen.

Bönen - Statt ausgiebig durch die Geschäfte oder gemütlich über den Wochenmarkt zu schlendern, beschränken sich die Kunden bei ihren Einkäufen jetzt lieber auf das Wesentliche. Das stellt auch Martin Rosmiarek von der Deutschen Marktgilde fest. „Die Leute haben einfach Angst, sich anzustecken“, sagt der für Bönen zuständige Niederlassungsleiter der Genossenschaft in Köln. Zu Beginn der Pandemie hätten sich zwar viele Kunden beim Einkaufen unter freiem Himmel wohler gefühlt, doch das spielt angesichts der extrem ansteckenden Omikron-Varianten inzwischen keine Rolle mehr. Zumal insbesondere wochentags vor allem ältere Kunden die Wochenmärkte besuchen, die nun mal zur Risikogruppe gehören.

Die Folgen sind dramatisch. „Das führt zu heftigen Umsatzeinbußen und bringt die Händler richtig in Bedrängnis. Die Situation macht ihnen schwer zu schaffen“, weiß der Prokurist. „Der Winter sei ohnehin schon immer ‘Saure-Gurken-Zeit’ für die Markthändler. „Wenn es kalt und nass ist, haben wenige Menschen Lust, raus zu gehen und auf dem Markt einzukaufen.“ Die stark steigenenden Infektionszahlen tun jetzt jedoch ihr Übriges.

Aktionen zurzeit kaum planbar

„Allein zieht ein Wochenmarkt die Leute nicht nach draußen“, weiß Rosmiarek. „Jetzt schon gar nicht.“ Der stationäre Einszelhandel leidet aber gleichfalls – und das nicht nur unter Corona. Schließlich gräbt der Online-Handel den Geschäften vor Ort immer mehr Kunden ab, in der Pandemie stärker als je zuvor. „Das trifft den Handel überall. Ist er aber ohnehin schon fragil, wie man es in Bönen an der Einkaufsstraße in der Gemeindemitte sieht, dann trifft den Ort das mit voller Härte. Nicht umsonst gibt es in Bönen Überlegungen, wie sich die Fußgängerzone umgestalten lässt.“

Dass in Bönen zuletzt an zwei Samstagen hintereinander – am ersten Weihnachtstag und Neujahr – der Markt ausgefallen ist, hat die Lage nicht verbessert. Im Gegenteil. „Normalerweise müsste man jetzt Anreize schaffen, die die Menschen wieder zurück auf den Markt zu holen“, erklärt der Marketingexperte aus Köln. Normalerweise geschehe das durch besondere Angebote und Aktionen. „Die sind angesichts der Corona-Lage aber kaum angebracht und widersprechen den allgemeinen Empfehlungen zum Infektionsschutz“, sagt Martin Rosmiarek.

Nichtsdestotrotz behalte die Marktgilde das Ziel im Auge, den Bönener Wochenmarkt attraktiver zu machen. Zurzeit sei es allerdings schwer, neue Händler für die Gemeinde zu gewinnen. „Die entscheiden in der Regel nach dem Winter, je nach Witterung zum 1. März oder 1. April, ob sie ein Geschäft beginnen, ihren Standort wechseln oder einen zusätzlichen Markt ausprobieren wollen“, schildert er.

Händler warten Entwicklung ab

Da die meisten aber unter der Pandemie und den daraus folgenden Umsatzeinbrüchen litten, würden solche Entscheidungen aufgeschoben. „Sich zum Beispiel jetzt ein neues Fahrzeug anzuschaffen, Mitarbeiter einzustellen, um einen neuen Markt anzufahren, oder mehr Ware einzukaufen, auf der sie dann womöglich sitzen bleiben, wagt in dieser Situation keiner“, hat Rosmiarek festgestellt.

Und schließlich müssen die Markthändler auch damit rechnen, dass sie pandemiebedingte Ausfälle beim Personal und in den eigenen Reihen haben – sei es durch Infektion, Krankheit oder Quarantänemaßnahmen.

Die Mitarbeiter der Marktgilde bleiben dennoch weiter am Ball. Neben der Händlerakquise wird derzeit an der Internetseite des Bönener Wochenmarktes gefeilt und an Ideen gearbeitet, die ihn beleben sollen. „Normalerweise würde im Frühjahr ein Frühlingsfest mit verschiedenen Aktionen anstehen“, berichtet der Marktgilde-Prokurist. Ob das bei den steigenden Infektionszahlen stattfinden kann, ist jedoch unklar. „Wir wollen außerdem den nachhaltigen Handel vorantreiben und gemeinsam mit den Händlern dazu Aktionen starten.“ Unter anderem sollen die Kunden für ihren Einkauf Wochenmarkttaschen erhalten, sodass sie auf Plastiktüten und Einmalverpackungen verzichten können.

Gleichfalls aufgeschoben sind erst mal die „Schlemmertage“, die die Marktgilde gemeinsam mit einem Händler in Bönen für dieses Jahr angedacht hatte. „Vieles ist denkbar. Wir warten jetzt darauf, dass sich das auch alles umsetzen lässt“, gibt Martin Rosmiarek an.

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