Ordnungsamt korrigiert Aussage

In Bönen dürfen auch kleine Kinder nur mit einem Test zum Friseur

Haare am Boden eines Friseursalons
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Eine haarige Angelegenheit sind die derzeitigen Regeln für Friseure. Sie müssen sich genau informieren, was für die Arbeit mit ihren Kunden derzeit gilt.

Es ist zum Haare raufen, findet der Bönener Rolf Altwein. Der wollte mit seinem fünfjährigen Enkel zum Friseur, weil der Schopf zu lang geworden war. Das ist aber gar nicht so einfach. Dürfen Kinder ohne Test zum Haare schneiden oder dürfen sie nicht? Darauf gab es selbst vom Ordnungsamt unterschiedliche Antworten.

Bönen – Die Regelungen in der Hygieneschutzverordnung für Friseure sind eindeutig: Kunden dürfen nur mit einem negativen Test, der nicht älter als 24 Stunden sein darf, und FFP2-Maske zum Termin kommen. Aber was gilt eigentlich bei Kindern? Deren Haare wachsen schließlich auch und brauchen ab und zu mal einen Schnitt. Spätestens hier wird die Sache kompliziert und die Aussagen, was aktuell gilt, widersprechen sich teilweise – sogar im Rathaus. Im Zweifel gilt für Dienstleister und Kunden: Das Ordnungsamt hat das letzte Wort. Aber auch dort gibt es unterschiedliche Aussagen.

Der Fall: Der Bönener Rolf Altwein wollte mit seinem Enkel zum Friseur gehen, weil die Haare des Fünfjährigen dringend mal wieder etwas gekürzt werden sollten. Die Mutter des Kleinen hatte bei mehreren Bönener Friseuren angerufen, um einen Termin zu vereinbaren. Überall erhielt sie jedoch die gleiche Antwort: nur mit einem negativen Test. „Das haben wir nicht verstanden, denn eigentlich gilt die Testpflicht doch erst ab sechs Jahren“, argumentiert Altwein. Er rief beim Kreisgesundheitsamt an, dort habe man ihm aber keine Auskunft zu diesem Thema geben können.

Ein ratloser Kunde

Also wandte sich die Familie an das Bönener Ordnungsamt. „Dort bestätigte man uns, dass Kinder bis sechs Jahre keinen Test brauchen für einen Friseurbesuch“, berichtet Rolf Altwein. Erneut rief er beim Friseur an und konfrontierte die Inhaberin des Salons mit der Aussage des Ordnungsamtes. „Wenn das so ist“, willigte sie ein, „kann das Kind auch ohne Test zu uns kommen.“ Als Inhaberin ist sie bei Kontrollen durch das Ordnungsamt schließlich dafür verantwortlich, dass alles korrekt läuft.

Rolf Altwein und sein kleiner Enkel sind am Freitag zu ihrem Haarschneidetermin gegangen, der Großvater natürlich mit einem aktuellen negativen Testnachweis. Und der Enkel bekam endlich die Haare geschnitten. Damit hätte die haarige Geschichte ihr Happy End gefunden, wenn nicht doch alles ganz anders wäre...

Ein wankelmütiges Ordnungsamt

Denn, wie sich in der Zwischenzeit herausstellte, war der Haarschnitt bei dem Fünfjährigen ohne vorherigen Test eigentlich nicht erlaubt. Das Bönener Ordnungsamt vertritt nämlich die Auffassung, dass Kinder grundsätzlich, genau wie Erwachsene, getestet werden müssen, bevor sie eine körpernahe Dienstleistung in Anspruch nehmen. Zumindest, wenn man den Chef fragt: „Das Bundesinfektionsschutzgesetz kennt zwar die Ausnahmen – etwa für den Besuch von Zoos. Die können Kinder unter sechs Jahren ohne Tests und Maske besuchen“, erläutert der Fachbereichsleiter der Gemeinde Bönen, Jörg-Andreas Otte.

„Für den Besuch von Friseuren und anderen körpernahen Dienstleistungen nennt der Gesetzgeber diese Ausnahmen nicht. Da ist es für mich logisch, dass auch ein Kind einen Test braucht. Das ist meines Wissens auch in den Testzentren möglich. Das ist grundsätzlich ein Problem, dass wir als Verwaltung oft in der Zwickmühle sind, dass auf Landes- und Bundesebene unterschiedliche Auslegungen existieren.“

Die Entscheidung, wie es tatsächlich vor Ort gemacht wird, liegt letztlich beim jeweiligen Ordnungsamt. Das ist die Behörde, die dann auch kontrolliert, ob die aktuell gültigen Regeln eingehalten werden. „Bei unseren Besuchen sind wir aber nicht darauf aus, Bußgelder zu verhängen, sondern in erster Linie aufzuklären“, betont Otte. Ein Bußgeld sei nur dann das Mittel, wenn immer wieder Verstöße festgestellt würden, und Betriebe Auflagen grundsätzlich ignorieren würden.

Viele verunsicherte Friseure

Die Unsicherheit seiner Berufskollegen, wie sie sich denn nun korrekt verhalten und welche Regeln aktuell gerade gelten, bestätigt auch Björn Barthold, Obermeister der Friseur-Innung Unna, der selbst einen Salon in Fröndenberg betreibt. „Wir haben unsere Hygieneverordnung von der Berufsgenossenschaft und die aktuelle Hygieneschutzverordnung vom Land NRW. Zum Thema Kinder beim Friseur, Tests und Masken steht in beiden Verordnungen: ,Bitte kontaktieren sie das zuständige Ordnungsamt.’ Es gibt da keine klare Aussage. In letzter Instanz entscheidet aber immer das Ordnungsamt vor Ort. Ich rate meinen Kollegen deshalb, bei allen Fragen, die zuständige Behörde zu kontaktieren. Allerdings bekommt man auch da manchmal unterschiedliche Auskünfte.“

„Wir haben das Bundesgesetz bekommen, damit alles einheitlicher wird“, sagt Barthold. „Aber vieles ist nicht einheitlich“, stellt er fest, wenn er über die nahe Kreisgrenze blickt: „Im Märkischen Kreis sind zum Beispiel Selbsttests für den Friseurbesuch weiterhin erlaubt. Da gibt es weiterhin Riesenunterschiede von Kreis zu Kreis, was mich maßlos ärgert.“

Für ihn ist aber klar: „Wir dürften im Moment ein fünfjähriges Kind im Laden nicht bedienen, weil wir alle im Laden einen negativen Test haben und Maske tragen müssen.“ Er selbst bedient in seinem Laden Kinder erst ab sieben Jahren mit Test und Mundschutz.

Das sagt die Handwerkskammer

Die Handwerkskammer in Dortmund hingegen verweist bei Anfragen ihrer Mitglieder auf die aktuelle Coronaschutzverordnung NRW. „In Paragraf 4, Absatz 4, Satz 5 steht, dass Kinder bis zum Schuleintritt von der Testpflicht ausgenommen sind“, zitiert eine Sprecherin.

Und was sagt Rolf Altwein zu diesem bunten Strauß an Aussagen, ob Kinder nun ohne Test zum Friseur dürfen oder nicht? „Die Aussage des Ordnungsamtes ist für mich erst mal verbindlich. Ich verstehe das aber langsam alles nicht mehr. Ich wünschte, es gäbe bundesweit einheitliche Regelungen.“

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