Kein Grund für Hamsterkäufe

Ordnungsämter kontrollieren Maskenpflicht in Supermärkten: „Kunden sind extrem vorsichtig“

Rewe Supermarkt Maskenpflicht
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Die Maskenpflicht in Supermärkten gilt seit Monaten. Aber nicht alle Kunden tragen ihren Mund-Nasen-Schutz so, wie es gewünscht ist.

Ungehemmtes Feiern in den Metropolen, Großhochzeiten ohne Distanz: Disziplin- und Sorglosigkeit stehen den steigenden Covid19-Infektionen offensichtlich gegenüber. Wie sieht es tatsächlich im Alltag aus? WA-Reporter Markus Liesegang hat bei den Ordnungsämtern nachgefragt sowie eine Bestandsaufnahme in örtlichen Lebensmittelmärkten in Bönen und Bergkamen gemacht.

Bönen/Bergkamen - Während die Geschäftsinhaber oder Marktleiterinnen von Aldi bis Rewe ein durchaus positives Bild zeichnen, klingen die Erfahrungen der Ordnungsämter durchaus differenziert. „Wir werden definitiv darauf angesprochen, und zwar an allen Ecken und Enden“, sagt Christopher Haub, Sachbearbeiter der Gemeinde Bönen zur Frage fehlender Masken und zu geringen Abstands.

Vier Mitarbeiter setzt das Bönener Ordnungsamt momentan ein. Es könne aber – wie während des Lockdowns geschehen – mit internen Mitarbeitern aufgestockt werden. „Wir gehen in die Supermärkte, aber nur auf Anforderung von Kunden.“ Das geschieht wohl recht häufig. „Das Ordnungsamt ist regelmäßig im Laden“, beobachten Adam Karwoth vom gleichnamigen Rewe-Center als auch Ulla Finsterwalder im Edeka-Markt Milkner gegenüber. Allerdings sei der Besuch bisher ohne Konsequenzen geblieben. „Die haben nichts zu beanstanden“, sagt Finsterwalder.

Maskenpflicht im Supermarkt: Bei Uneinsichtigkeit droht Rausschmiss

„Wir kennen das Problem fehlender Masken nur vom Hörensagen, nicht von unserem Publikum“, erklärt Karwoth. Wenn jemand keine Maske trage, werde er angesprochen. „Ich persönlich hatte in der ganzen Zeit mit zwei Kunden Kontakt, die hatten aber beide ein Attest vorzuweisen. Wenn andere Kunden so etwas sehen, regen die sich natürlich auf.“ Bei Uneinsichtigkeit würde er durchaus vom Hausrecht Gebrauch machen. Geschehen sei das aber noch nicht.

Edeka-Marktleiterin Finsterwalder habe eine Kundin zu Beginn der Corona-Krise aus dem Laden weisen müssen, weil sie sich konsequent weigerte, eine Maske zu tragen. „Aber inzwischen ist die Lage ja ruhig, Maske tragen ist normal. Besagte Kundin trägt inzwischen auch eine. Jeder hat ja dazugelernt“, sagt sie. „Ich habe auch eine Mitarbeiterin, die keine Maske tragen darf. Sie will aber natürlich arbeiten und tut dies mit Plexiglasschild.“ Ihre Mitarbeiter hätten ansonsten nicht nur die Gesichter der Kunden im Blick, sie würden auch selber Abstand halten, das Einräumen der Regale unterbrechen, wenn jemand daran wolle. Im Sommer sei die Situation im Übrigen schlimmer gewesen, als Corona kein Thema mehr war.

Nicht nur an der Eistruhe mit Maske: Ulla Finsterwalder, Marktleiterin bei Edeka in Bönen, hat bisher nur eine Kundin erlebt, die keine Maske aufsetzen wollte. Foto: Liesegang

„Meine Kunden sind extrem vorsichtig“, meint Hidayet Ulba, „die kommen und kaufen das Nötigste und sind schon wieder weg.“ Der Geschäftsführer des SM-Market in der Fußgängerzone mit türkischen Lebensmitteln beklagte weniger die Einhaltung der notwendigen Schutzmaßnahmen als den fehlenden Umsatz und das „Quatschen“ miteinander.

„Nachlässigkeit hat nicht zugenommen“

Im weit größeren Star-Frischemarkt an der Hohen Straße in Bergkamen, ebenfalls mit großem Angebot an türkischen Lebensmitteln, ist es am Montagnachmittag zwar recht voll. Aber auch dort hält sich fast jeder an die Maskenpflicht und trägt diese auch korrekt über Mund und Nase. Auffällig deswegen ist nur ein älterer Mann. Dem sitzt das Textilstück unter dem Kinn. Er war an der Fleischtheke schlecht zu verstehen, hat seinen Mund befreit und schlicht vergessen, die Atemöffnungen wieder zu bedecken.

Kein Grund für Hamsterkäufe

Von „Hamsterkäufen“ ist in den vergangenen Tagen wieder häufiger die Rede. Noch sind die Regale nicht so leer wie kurz vor dem Lockdown im März. Bei Aldi im Hammer Westen sind Toilettenpapier und Mehl allerdings schon auf zwei Pakete limitiert. In der Rünther Filiale hängen die entsprechenden Schilder nicht, der Sanitärartikel ist am Montagnachmittag tatsächlich aus. „Die Warenverfügbarkeit in unseren Märkten ist sichergestellt“, heißt es aus der Konzernzentrale in Essen. Vereinzelt sei eine erhöhte Nachfrage im Bereich Papierwaren zu verzeichnen.

„Die aktuellen Nachfrageentwicklungen beobachten wir basierend auf unseren Erfahrungen der letzten Monate sehr genau“, erklärt Verena Lissek aus der Aldi-Pressestelle. „Unsere Kunden bitten wir weiterhin, bedarfsgerecht einzukaufen. Für Hamsterkäufe gibt es nach wie vor keinerlei Anlass.“ Offensichtliche Hamsterer sollen von den Filialmitarbeitern auf ihr Verhalten angesprochen werden.

„Ich habe noch keine Hamsterkäufe festgestellt“, meint Marktleiterin Ulla Finsterwalder. Im Edeka Milkner in Bönen ist zwar eine Lücke im Mehlangebot zu erkennen. Das läge aber am Wochenende. Einen Engpass gebe es nicht. Im Rewe am Roggenkamp in Bergkamen fehlte am Montagnachmittag keiner der im Frühjahr tatsächlich ausverkauften Artikel.

In der Rünther Kauflandfiliale ist die Würfelhefe ausverkauft. „Wir beobachten derzeit nur in einzelnen Filialen ein verändertes Einkaufsverhalten der Kunden“, sagt Kaufland-Pressesprecherin Alisa Götzinger. Alle Filialen würden täglich beliefert. Bei den Produzenten gebe es keine Engpässe. „Es gibt aus unserer Sicht keinen Grund, zusätzliche Vorräte anzulegen“, erklärt sie. Der Neckarsulmer Konzern plane derzeit auch keine Limitierung von einzelnen Waren.

„Ja, ja dieses Vergessen als Entschuldigung“, zeigt Dezernentin Christine Busch wenig Verständnis. Die oberste Chefin für das Ordnungsamt in Bergkamen lobt aber die Umsetzung der Corona- Schutzmaßnahmen in den örtlichen Geschäften. „Die Mitarbeiterinnen sind ja auch darauf bedacht, sich zu schützen.“ Überhaupt sei zunächst der Betreiber des Ladens verantwortlich. Wenn es Beschwerden von Kunden gebe, würde in der Regel der Geschäftsinhaber darauf hinweisen, den Beschwerdegrund zu beseitigen. „Wir haben hier unsere eigene Corona-Polizei“, sagt derweil Bärbel Rosier aus dem Büro des Rewe am Roggenkamp zum Thema. „Die Kassiererinnen weisen die Kunden sehr rigoros auf den Abstand hin.“ Allerdings seien die meisten sehr diszipliniert. „Wir machen regelmäßige Kontrollen“, sagt Busch. Die Situation sei aber nicht dramatischer geworden. „Die Nachlässigkeit hat nicht zugenommen, aber es ist in meinen Augen notwendig, das Thema Schutzmaßnahmen immer wieder zu erwähnen“, so die Dezernentin.

Kaufland und Aldi sehen keine Verschärfung der Situation. „Von Seiten des Ordnungsamtes bekommen die Märkte bei regelmäßigen Kontrollen ein positives Feedback auf die Schutzmaßnahmen“, erklärt Kaufland-Pressesprecherin Alisa Götzinger. Wie auch Aldi setzt der Einzelhandelskonzern auf Aufklärung der Kunden, will aber auch zum Hausrecht greifen, wenn sich jemand der Maske verweigern sollte.

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