Sportgerät im Hosentaschenformat

Der Bönener Patrick Peitz ist seit Jahren begeisterter Fingerboarder

Patrik Peitz ist Fingerboarder und gibt Kurse im Bönener Treffpunkt Go in
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Patrik Peitz ist schon in den 1990er Jahren vom Skateboard auf das Miniaturbrett umgestiegen.

Bönen – Ollie, Kickflip oder gar der 360 Flip: Das sind gängige Tricks beim Skateboardfahren. All das und mehr sei auch mit dem Fingerboard möglich, meint Patrick Peitz. Er hat im Treffpunkt Go in eine Rampe aufgebaut, versucht Ollie, Glide und abschließenden Flipflop. „Naja, der Vorführeffekt“, meint der pädagogische Mitarbeiter des Bönener Jugendzentrums nach einem Fehlversuch. Für den Beobachter sieht es trotzdem gekonnt aus. Zumal mir nicht mal ein simpler Ollie, der normale Sprung mit dem filigranen Miniskateboard, gelingen will.

ar nach Spielzeug aus, sind aber nicht für alle Kinder geeignet. Man braucht Geduld und viel Training“, erklärt Peitz. Es seien meist ältere Herren, ehemalige Skater wie er, die dieses Hobby an ihre Karriere in diversen Skateparks anschließen. Der heute 41-Jährige stand Anfang der 1990er Jahre erstmals auf dem Brett. In Kamen an der Gesamtschule und auf der Skateanlage an der Koppelteichhalle versuchte er die Tricks. „Über die Basics wie Ollie oder Kickflip bin ich aber nie hinausgekommen“, gibt er zu, „Treppen runterzuspringen oder mit dem Board über das Geländer zu rutschen – dafür fehlte mir der Mumm.“

Das endgültige Karriereende auf dem Skateboard kam für Peitz 2013. Nach längerer Pause besuchte er den Lippepark in Hamm-Herringen. „Die Kniescheibe sprang raus, das Innenband war auch geschädigt.“ Sein letztes großes Bord vermachte er dem Go in.

„Mit den Fingerboards bin ich aber schon viel früher angefangen, schon als Teenie“, erzählt der Bönener. „Es gab damals diese kleinen Skateboards als Schlüsselanhänger.“ Die platten Plastikteile ließen sich mit einem Feuerzeug in Form bringen, ein Stück Griptape vom großen Skateboard wurde aufs „Deck“ geklebt, Tricks ausprobiert. „Damit konnte man aber nur rutschen, gerollt sind die natürlich nicht“, sagt Peitz, „aber im Winter und bei Regen war das schon in Ordnung.“

Inoffizielle WM in Bayern

Groß wurde die Szene hierzulande Ende der 1990er Jahre. „Einige Leute haben gemerkt, dass man damit Geld verdienen kann“, erklärt der gelernte Erzieher. „Die Marktführer kommen aus Deutschland, in Berlin gibt es mit ASI Berlin den einzigen reinen Fingerboardshop der Welt“, erklärt er. „Fast Fingers im bayrischen Schwarzenbach ist die inoffizielle WM. Dorthin kommen Fingerboarder aus der ganzen Welt, es ist ein richtiges Event.“ Und ein Marketing-Coup eines der größten und angesagtesten Herstellers des Equipments, nach dem Produktionsort an der Saale „Black River“ genannt.

Wie auch bei Skateboard bietet der Markt den Fans alles an Ersatzteilen, Zubehör und Merchandising. Zu durchaus erstaunlichen Preisen. „Dieses Board kostet über 100 Euro“, sagt Peitz, „Rollen 30 Euro, Achsen 50, Deck 30.“

Mit dem Fingerboard lassen sich jede Menge tricks trainieren. Die Boards gibt es in verschiedenen Qualitäten

Die Qualität sei aber auch für den Laien zu erkennen. „Dieses, das ich mir beim Wiedereinstieg in das Hobby vor ein paar Jahren zum Ausprobieren mal gekauft habe, kostet 15 Euro. Man hört den Unterschied.“ Er schüttelt das Fingerboard. Die Rollen haben Spiel, beim Teuren rappelt hingegen nichts. „Aber zum Ausprobieren reicht das preiswerte Fingerboard durchaus. Man sollte nur darauf achten, dass das Deck aus Holz ist, wegen des Fahrgefühls“, gibt Peitz einen Tipp. Es sei schwierig, die Eltern zu überzeugen, 100 Euro auf den Tisch zu legen.

Schon über 100 Bretter gestaltet

Der Preis hat durchaus seine Berechtigung. Die kleinen Bretter sind inzwischen aufgebaut wie die großen. Es gibt Rollen verschiedener Härtegrade mit Kugellagern, Achsen mit Minischraubgewinde, Bretter aus Schichtholz mit hippen Designs. Geschätzt über 100 von den Brettern aus fünf Lagen Furnier aus Ahornholz hat Peitz gefertigt.

„Am Anfang habe ich mir eine Presse aus Kunststoffspachtel für Autos selbst gebaut“, erzählt der Tüftler, „dann habe ich welche aus dem 3D-Drucker in den USA bestellt, meine aktuelle und richtig gute von Black River kostete über 100 Euro.“ Eine Schleifschablone, um das Brett in die klassische Form zu bringen, besitzt der Bönener auch. Ein Tag würde es dauern, ein Fingerboard herzustellen. Das Deck beklebt er von unten mit einer eigenen Grafik, zum Beispiel Horatio Caine aus der populären CSI-Krimireihe. „Ich fand das witzig, weil ein Spruch der Skater lautet: ‘Skating is not a crime’ – Skaten ist kein Verbrechen. Skater sind oder waren früher als Rowdies verschrien.“

Peitz nimmt als Druckuntergrund Architekturpapier. „Das fasert nicht so.“ Das Transparentpapier überzieht er abschließend mit ein, zwei Lackschichten. Auf die Standfläche des Decks kommt so genanntes Riptape aus Neopren. „Das ist einfach fingerfreundlicher, das Griptape auf den Skateboards ist ja eher Schmirgelpapier“, erklärt der Bönener.

Peitz hat schon und hat es in Zukunft – sobald es das Pandemie-Geschehen zulässt – vor, im Go in wieder Kurse zum Thema Fingerboards anzubieten, wenn das Interesse bestünde. „Ich hab ja dazu auch ein richtiges Konzept ausgearbeitet“, erklärt er. Er kann sich auch vorstellen, den Besuchern der anderen Jugendzentren im Kreis dieses Angebot zu machen.

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