Hilfe bei Mathe, Deutsch und Co

Unterstützer gesucht, die Flüchtlingen bei ihrer Ausbildung unter die Arme greifen

Inge Reiners-Woch und Sewo Dialla
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Mit Unterstützung von Inge Reiners-Woch hat Sewo Dialla inzwischen seine Gesellenprüfung bestanden.

Die Sprache lernen und eine Ausbildung machen - das sind Voraussetzungen für eine gelungene Integration von Flüchtlingen. In Bönen zieht Inge Reiners-Woch vom Verein Zuflucht.Bönen eine durchaus positive Bilanz. Sie betreut seit Jahren ehrenamtlich Geflüchtete und begleitet sie auf dem schwierigen Weg durch die Berufsschule, damit am Ende ein Abschluss steht als Existenzgrundlage.

Bönen – „Ganz ohne Hilfe geht es in den meisten Fällen nicht“, ist ihre Erfahrung. „Deshalb wäre es wichtig, weitere Unterstützer zu finden, die junge Menschen begleiten auf dem Weg durch die Berufsschule.“

Inge Reiners-Woch weiß, wo die Probleme von Flüchtlingen bei ihrer Ausbildung liegen. „Oft klappt es in der praktischen Ausbildung im Lehrbetrieb ganz gut, eine Hürde ist aber für viele die Berufsschule“, sagt sie. „Was schon für deutsche Schüler oft eine Hürde ist – Fächer wie Deutsch, Mathe und Englisch – das ist noch viel schwieriger für Migranten“, weiß sie. „Viele haben in ihrer Heimat nur wenige Jahre überhaupt eine Schule besucht, weil sie sich manchmal über Jahre auf der Flucht befanden. Da klaffen große Wissenslücken etwa im Bereich Mathematik. Bei Textaufgaben fehlt oft einfach das sprachliche Verständnis.“

Ohne gute Noten in der Schule schafft es der beste Azubi nicht

Um da mithalten zu können, brauchen diese Schüler Unterstützung in Form von Nachhilfeunterricht, um den Stoff aufzuarbeiten. „Allein haben sie oft keine Chance. Denn auch der beste Azubi in der Praxis braucht einigermaßen gute Noten an der Berufsschule, um den Abschluss zu schaffen“, sagt sie.

Für Schüler mit Migrationshintergrund gibt es in Bönen Betreuungsangebote – etwa durch die Lernpaten der Bildungsinitiative Bönen in den Grundschulen oder das Nachhilfeangebot „Mathe Click“ von Zuflucht.Bönen im Go in. „Das Problem sind die Berufsschüler, die dringend Unterstützung brauchen.“

Dabei gebe es zahlreiche Beispiele für den Willen, sich zu integrieren und zu lernen, betont die Schulleiterin im Ruhestand. „Viele wollen Deutsch lernen und unbedingt einen Beruf erlernen, um nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein und später auch eine Familie gründen zu können.“ Für viele sei ein Beruf im Handwerk auch eine Perspektive, irgendwann in die Heimat zurückzukehren, wenn es die politischen Verhältnisse erlauben, um dort eine Existenz zu haben und ihr Land wieder aufzubauen.

Ein Beispiel für gelungene Integration ist auch Jwana Al Husseini, die demnächst ihr Studium in Dortmund aufnimmt und im Integrationsrat aktiv ist.

Ein Beispiel für gelungene Integration sei Jwana Al Husseini. „Sie kommt ursprünglich aus Syrien und hat ihr Abitur am MCG gemacht“, berichtet sie. „Sie beginnt jetzt, Chemische Biologie an der Uni Dortmund zu studieren.“ Die 20-Jährige engagiert sich mittlerweile auch im Integrationsbeirat der Gemeinde für die Belange ausländischer Mitbürger, wo sie kürzlich zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. „Ihr Bruder Abdul macht gerade eine Ausbildung zum Lebensmitteltechniker im zweiten Ausbildungsjahr am Märkischen Berufskolleg in Unna. Juan, ebenfalls aus Syrien, kam bereits mit Abitur nach Deutschland und macht in Hamm eine Ausbildung zum Zahntechniker.“

Gesellenprüfung bestanden

Viele Flüchtlinge, die inzwischen eine Ausbildung machen, sind 2016 und 2017 in die Gemeinde gekommen, so Reiners-Woch. Ihr Schützling Sewo Diallo, den sie seit ein paar Jahren betreut, sei ein weiteres gutes Beispiel. Der junge Mann aus Guinea machte zunächst bei ihr einen Deutschkurs und dann mit ihrer Unterstützung den Hauptschulabschluss. Anschließend fand er eine Lehrstelle in einer Glaserei, die er kürzlich erfolgreich mit bestandener Gesellenprüfung abschloss. Inge Reiners-Woch hat ihn begleitet auf dem Weg. „Wir haben vor dem Abschluss noch einmal richtig viel gelernt, vor allem in Mathe.“ Es hat sich gelohnt. Er hat die Prüfungen erfolgreich gemeistert.

Inge Reiners-Woch kümmert sich aber auch um Alpha aus Guinea, der in Lünen eine Bäckerlehre macht. Bei den technischen Anforderungen und Berechnungen, die Mamadou, der bei einer Straßen- und Tiefbaufirma in Bönen eine Lehre macht, aus der Berufsschule mitbringt, kann Inge Reiners-Woch dagegen nicht helfen. „Da stoße ich an meine Grenzen.“

„Es geht um ein paar Stunden Nachhilfe, keine Rundumbetreuung“

Bei Rita aus Armenien, die gerade eine Ausbildung zur Erzieherin macht, liest sie nur ihre schriftlichen Ausarbeitungen gegen. „Fachlich ist sie fit, da geht es nur um sprachliche Feinheiten.“ Nun wurde die Bitte an sie herangetragen, ob sie nicht auch Angela, ebenfalls aus Armenien, bei ihrer Ausbildung zur PTA unter die Arme greifen könnte. „Aber das schaffe ich zeitlich gar nicht“, bedauert sie.

Bei ihr klingt der Ruhestand ohnehin eher nach Vollzeitjob. Da wäre Unterstützung sehr willkommen, um die dringend benötigte Hilfe auf mehr Schultern zu verteilen. „Es geht um ein paar Stunden in der Woche, um den Unterrichtsstoff durchzusprechen und Fragen zu klären“, stellt Inge Reiners-Woch klar, „und keine Rundumbetreuung.“ Interessierte müssten auch nicht aus dem Lehrerberuf kommen.

Kontakt: Interessierte, die sich ehrenamtlich engagieren und einen Auszubildenden unterstützen möchten, können Kontakt mit dem Verein Zuflucht.Bönen aufnehmen und sich an den Vorsitzenden Wolfgang Werner wenden unter Telefon 50446 oder per E-Mail: kontakt@zufluchtboenen.de.

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