Offene Ganztagsschule in Bönen soll optimiert werden

Den Bedarf in den Vordergrund stellen

OGS der Hellwegschule in Bönen
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Die OGS-Plätze in Bönen sind begehrt. Ein neues Anmeldverfahren soll sich künftig daher mehr nach dem Bedarf richten.

Bönen – Wer bislang für sein Kind einen Betreuungsplatz in der Offenen Ganztagsschule in Bönen sichern wollte, musste schnell sein. Die Plätze wurden nach der Windhundmethode vergeben, also in der zeitlichen Reihenfolge der Anmeldung. Dies hat in einigen Fällen dazu geführt, dass Eltern, die aufgrund ihrer Berufstätigkeit nicht direkt zu Anmeldebeginn im Rathaus waren, leer ausgingen. Das soll sich ändern. Zudem sollen die Gruppen in der OGS kleiner werden, die Kosten für die Mittagsverpflegung hingegen steigen. Das Thema OGS steht am Mittwochabend auf der Agenda für die Mitglieder des Schulausschusses der Gemeinde.

Das Vergabeprinzip der Gemeinde für die begehrten OGS-Plätze steht schon länger in der Kritik. Nicht nur nach Ansicht der Christdemokraten sollte dabei vielmehr berücksichtigt werden, wer einen besonderen Bedarf an Betreuung hat. Darunter fallen laut Antrag der CDU etwa Kinder eines alleinerziehenden und gleichzeitig berufstätigen Elternteils, von Eltern, die beide im Beruf stehen, Erstklässler sowie Schüler, deren Geschwister bereits die OGS besuchen.

Außerdem sollte die Einrichtung einige Plätze für Mädchen und Jungen freihalten, die aus sozialen oder pädagogischen Gründen in der OGS gut aufgehoben sind. „Gerade Kinder, die zu Hause erschwerte Startbedingungen vorfinden, können von einer Betreuung profitieren“, heißt es in dem CDU-Antrag.

Die Verwaltung schlägt dazu vor, diese Plätze begrenzt bis zum 15. Oktober eines Schuljahres vorzuhalten. Nach diesem Stichtag muss die Gemeinde die endgültige Zahl der betreuten Schüler der Bezirksregierung nennen. Die berechnet daraus die Fördersumme, die das Land für die OGS bereitstellt.

Anmeldeformular kann in der Schule abgegeben werden

Die Verwaltung arbeitet nach eigenen Angaben momentan an einem neuen Anmeldeformular, das an alle Schüler und künftigen Erstklässler verteilt werden soll. Ausgefüllt könnte es dann direkt in den Grundschulen wieder abgegeben werden, die Zu- oder Absage verschickt nach wie vor die Gemeinde. Dafür soll das Anmeldeverfahren früher laufen, vom 17. Februar bis zum 5. März. Bisher war eine Anmeldung bis Mitte April möglich.

Auch die SPD-Fraktion sieht noch Optimierungsbedarf in Sachen Ganztagsschule. Ihr geht es in einem eigenen Antrag insbesondere um die Qualität der Betreuung, und dazu müssten vor allem die Gruppen kleiner werden. Wenn es nach den Sozialdemokraten geht, dürften maximal 20 Schüler, beziehungsweise zehn mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf, pro Gruppe beaufsichtigt werden. Ansonsten sei der Lärmpegel zu hoch und eine individuelle Förderung nur schwer möglich.

An der Hellwegschule bilden im Augenblick 30 Mädchen und Jungen eine Gruppe, nachdem aus akutem Betreuungsbedarf heraus zu Beginn des Schuljahres dort 150 statt wie in den Jahren zuvor 110 Kinder aufgenommen wurden. Um sie kümmern sich jetzt fünf pädagogische Fachkräfte sowie zehn Ergänzungskräfte. Die Gemeinde schlägt hierzu einen Kompromiss vor: Eine weitere Gruppe soll an der Hellwegschule eingerichtet und dafür eine zusätzliche Fach- sowie zwei Ergänzungskräfte eingestellt werden. Die Gruppengröße würde dadurch auf 25 Kinder schrumpfen, der Betreuungsschlüssel bei 1:25 liegen.

Kreisüblicher Betreuungsschlüssel für Bönen vorgesehen

„Nach unseren Informationen ist dieser Betreuungsschlüssel kreisüblich“, gibt die Bönener Verwaltung an. Sie hat sich mit dem OGS-Träger, der Awo-Tochter Bildung und Lernen, darauf geeinigt, die erforderlichen Mitarbeiter für die sechste Gruppe zu engagieren. OGS-Leiterin Jutta Schäfer geht nun davon aus, dass die Arbeitsverträge bis Januar unter Dach und Fach sind und nach den Weihnachtsferien die Gruppe starten kann.

An der Goetheschule werden hingegen 100 Kinder in vier Gruppen betreut, der vom Schulträger angestrebte Betreuungsschlüssel ist demnach schon gegeben.

Eine Absage erteilt die Verwaltung hingegen der Frage nach einer reinen Frühbetreuung vor Unterrichtsbeginn. Die sollte Eltern ermöglichen, ihren Nachwuchs bereits um 7 Uhr zur Schule zu bringen, sie aber dennoch direkt nach Schulende wieder abholen zu können. Bislang ist die Frühbetreuung nur möglich, wenn die Schüler auch nachmittags in der Einrichtung bleiben. „Durch die Öffnung der Frühbetreuung würde es zu mehr Anmeldungen kommen und somit mehr Personal benötigt. Die Erfahrungen des Trägers haben aber gezeigt, dass es nahezu unmöglich ist, für diese Stunden am Morgen Personal zu finden“, begründet die Gemeinde, warum sie dieses Angebot ausschließt.

Ein Punkt, über den die Mitglieder des Schulausschusses am Mittwoch aber noch beraten müssen, ist die Finanzierung der Verpflegung. Momentan zahlen die Familien pauschal 50 Euro pro Kind, 44 Euro für das Mittagessen und sechs Euro für Getränke, Obst, Gemüse und gelegentlich Kekse oder Süßigkeiten. Die tatsächlichen Kosten dafür lagen aber am Ende des Schuljahres 2018/2019 um rund 8320 Euro höher als der eingenommene Betrag. Verpflegt wurden 199 Kinder, von denen 193 regelmäßig am Mittagstisch saßen.

5 Euro mehr für die Verpflegung

Für 2020 wurde die Mittagsverpflegung durch einen Caterer nun neu ausgeschrieben, der Preis pro Mahlzeit von 2,80 auf 3,10 Euro angehoben. Im laufenden Schuljahr sind 246 Mädchen und Jungen für das Mittagessen angemeldet. Bedingt durch die Pandemie liegen der Verwaltung jedoch keine verlässlichen Zahlen für eine Kostenberechnung vor, heißt es in der Beschlussvorlage für den Ausschuss. Einen echten Regelbetrieb gab es in den vergangenen Monaten schließlich nicht. Die zuständigen Mitarbeiter rechnen daher mit den Zahlen aus dem Schuljahr 2018/2019 und kommen für das vergangene Schuljahr auf eine Differenz von knapp 19 570 Euro. Bis zum Ablauf des aktuellen Schuljahres könnte diese sogar auf mehr als 25 000 Euro anwachsen, befürchtet die Verwaltung.

Um diese Lücke zu schließen, schlägt der verantwortliche Fachbereich vor, den monatlichen Elternbeitrag ab Herbst 2021 für die Verpflegung um 5 auf 55 Euro anzuheben. Die Kosten für Snacks und Getränke wären darin enthalten.

Der Schulausschuss tagt am Mittwoch

Das Gremium tagt an diesem Mittwoch ab 18 Uhr öffentlich in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums. Neben der Ganztagsbetreuung stehen unter anderem ein Sachstandsbericht zur Digitalisierung, das Sofortausstattungsprogramm (Digitale Endgeräte für Schüler und Lehrer) sowie eine angedachte Erweiterung des Schülerverkehrs auf der Tagesordnung.

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