Nicht nur Knöllchen

Claudia Hoffmann ist Politesse und Kummerkastentante

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Heinz Eickhoff hat eine Frage zur Parksituation in der Von-Galen-Straße. 

Bönen - Wenn die Politesse Claudia Hoffmann auf ihrem weißen E-Bike ihre Runde durch Bönen macht, dann schreibt sie nicht nur Knöllchen, sondern ist für die Bürger auch Kummerkasten und Brücke zur Verwaltung. WA-Redakteurin Kira Presch hat sie begleitet. 

Seit zwölf Jahren macht Claudia Hoffmann bereits den Job bei der Gemeinde. „Ich mag es, draußen unterwegs zu sein und nicht nur am Schreibtisch zu sitzen“, sagt sie, als wir am Gemeindeteich starten. Wir haben Glück, denn das Wetter könnte nicht besser sein: strahlender Sonnenschein. Da macht es Spaß, durch die Gemeinde zu radeln. 

Aber sie und ihre Kollegin Monika Thiel, mit der sie sich den Ordnungsdienst teilt, sind natürlich auch bei Schietwetter unterwegs. „Auch dann muss ja kontrolliert werden“, sagt sie. Allerdings kommt bei Wind und Regen und in den weiter entfernten Ortsteilen wie Flierich und Lenningsen auch mal das Dienstauto zum Einsatz. „Aber einfacher ist es, mit dem Rad unterwegs zu sein.“ Also radeln wir los – durch die Körnerstraße zum Eichholzplatz.

Claudia Hoffmann klemmt das Knöllchen an das Fenster des Autos. 

Ich folge ihr unauffällig. Kaum sind wir unterwegs, da bremst Claudia Hoffmann vor mir ab. „Da parkt der Wagen einer Pflegestation auf einer nicht markierten Fläche an der Straße“, erklärt sie den plötzlichen Stopp. Sie zückt ihr Smartphone, macht ein Beweisfoto und tippt Daten ein: Fahrzeug, Kennzeichen, Datum, Uhrzeit und Ort sowie die Ordnungswidrigkeit.

Sekunden später spuckt ihr Bluetooth gesteuerter mobiler Drucker einen Papierstreifen aus. Den klemmt sie hinter den Scheibenwischer. „Ich habe mein Büro immer dabei“, erklärt sie. Gerade an der Körnerstraße treffe sie immer wieder Falschparker an. 

Kein Anspruch auf Parkplatz vor der Haustür

Dabei sei Bönen im Vergleich mit anderen Städten in Sachen Parkplatz wirklich problemlos. „Allerdings findet man nicht immer direkt vor der Haustür einen Platz, da muss man das Auto schon mal ein paar Meter weiter weg abstellen.“ Einen Anspruch auf einen Parkplatz vor der Tür gebe es halt nicht. Auch Pflegedienste müssten sich an die Verkehrsvorschriften halten, auch wenn die Mitarbeiter unter großem Zeitdruck stünden. 

Wo wir schon mal da sind, gehen wir gleich mal die Reihen auf dem Parkplatz am Eichholzplatz ab. Hier darf mit Parkscheibe zwei Stunden geparkt werden. Mit geübtem Blick geht Claudia Hoffmann durch die Reihen und „scannt“ die Windschutzscheiben nach Parkscheiben ab. Dann zeigt sie in einem Pkw auf eine kleine, digitale Parkscheibe, die die Zeit automatisch einstellt, wenn der Motor abgestellt wird. „Die sind erlaubt, aber für uns schlechter abzulesen als die normale blaue Parkscheibe.“ 

Digitale Parkscheiben sind für Politessen schlechter zu lesen, findet Claudia Hoffmann.

Wir radeln weiter in die Eichholzstraße. Überall grüßen Passanten die Bönener Politesse freundlich, obwohl sie keine Uniform trägt. „Wir sind nur gehalten, im Dienst dunkelblaue Kleidung zu tragen“, sagt Claudia Hoffmann. 

Politesse zeigt Verständnis

Die Menschen erkennen die Politesse dennoch. „Schauen Sie mal, da parkt schon wieder ein Lieferwagen außerhalb der gekennzeichneten Parkflächen“, spricht sie prompt ein Anwohner an. Sie geht gleich mal rüber zu dem Lieferwagen, da kommt der Fahrer, der für einen Paketdienst unterwegs ist, auch schon zurück. 

Er kann die Adresse auf dem Paket nicht finden. Da kann der Anwohner ihm gleich mal helfen. Das wäre also geklärt. Ein Ticket gibt es nicht. „Wenn die Fahrer auftauchen, bevor das Knöllchen geschrieben ist, dann können wir es bei einer mündlichen Verwarnung belassen“, sagt Claudia Hoffmann. Sie hat Verständnis für die Situation des Paketdienstfahrers. „Das werden immer mehr, die stehen unter Zeitdruck und wissen oft nicht, wo sie anhalten sollen.“ 

Wenige Meter weiter parkt ein Pkw vor einem Haus, wo er nicht soll. Als das Ticket an der Windschutzscheibe hängt, kommt die Halterin heraus. Zu spät. Ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern. Claudia Hoffmann erklärt, freundlich und ruhig, warum es ein Knöllchen gab. Die Reaktion ist ebenfalls gelassen. Ich habe erwartet, dass sie für die erwischten Autofahrer so etwas wie ein rotes Tuch ist und jede Menge Beleidigungen zu hören bekommt. Aber die meisten bleiben ruhig.

Trotz Knöllchen bleiben die meisten Fahrzeughalten Hoffmann gegenüber gelassen.

„Ich behandele jeden so, wie ich selber auch behandelt werden möchte, das funktioniert in der Regel auch“, sagt sie. Vielleicht hilft es auch, dass sie eine Frau ist. „Da wird wahrscheinlich weniger gemeckert.“ Einen richtigen Ausraster mit tätlichem Angriff habe sie aber in all ihren Berufsjahren noch nie erlebt. Im Gegenteil. 

Offenes Ohr für Probleme der Bürger

„Oft kommen die Bürger auf mich zu mit ihren Fragen und Problemen, geben Hinweise, wo wir uns mal kümmern sollten. Wir geben das dann auch an die Verwaltung weiter.“ So wie Heinz Eickhoff, den wir in der Von-Galen-Straße treffen, und der gleich mal eine Frage zur Parksituation hat. Sie nimmt sich Zeit für das Gespräch, das dann auch schnell auf andere Themen übergeht. 

An der Bahnhofstraße schieben wir unsere Räder an den parkenden Autos entlang. Als sie die Zeiteinstellung einer verrutschten Parkscheibe in einer Windschutzscheibe nicht sehen kann und nach ihrem Smartphone greift, hat die Wagenhalterin sie durch die Schaufensterscheibe ihres Ladens schon entdeckt und sprintet nach draußen. „Alles in Ordnung, ich hab die Scheibe korrekt eingestellt“, sagt sie und holt die blaue Scheibe zum Beweis aus dem Auto. Alles gut. 

Verschlechterte Parksituation wegen Baustelle

Doch etwas dramatisch wird es dann doch noch in der Adalbertstraße, als Claudia Hoffmann eine Verwarnung an ein Auto heftet, das im Halteverbot parkt. Eine Bewohnerin aus dem Hochhaus kommt angelaufen, als sie sieht, dass sie ein Ticket bekommen hat. „Wo sollen wir denn parken? Das Dach wird nach dem Sturm repariert, unsere Parkplätze sind gesperrt“, fragt sie, mehr verzweifelt als wütend. 

Claudia Hoffmann antwortet, dass sie etwas weiter weg einen Parkplatz suchen muss. „Mein Sohn ist gehbehindert, dem hat man ein Bein abgenommen. Da kann ich nicht weit weg parken!“ entgegnet die Frau mit Tränen in den Augen. Die Politesse versucht zu beschwichtigen: „Fragen sie bei der Verwaltung an, vielleicht kann das Halteverbot aufgehoben werden für die Zeit der Baustelle.“ 

Als wir weiter fahren zur Goetheschule sagt sie: „Es tut mir auch leid, aber wir machen das ja nicht willkürlich. Auf der anderen Seite beschweren sich Anwohner, wenn die Straßen zugeparkt werden und fordern uns auf, für Ordnung zu sorgen, damit beispielsweise der Kehrwagen durchkommt.“ 

Rücksichtsloses Verhalten ärgert Hoffmann

Das sind die weniger schönen Situationen in ihrem Job. In der Wolfgang-Fräger-Straße angekommen, sehen wir, wie ein Auto die Bushaltestelle blockiert. „Manchmal stehen hier mehrere Fahrzeuge mit wartenden Eltern. 

Das sei das, was sie am meisten ärgert: „Eltern, die es immer eilig haben und in der zweiten Reihe halten, um ihre Kinder nah an der Schule rauszulassen. Die gefährden andere Kinder, die die Straße überqueren wollen“, sagt sie. „Dabei gibt es hier wirklich ausreichend Parkflächen, ein paar Meter weiter etwa vor Bad & Sauna.“ Es ärgert die sonst so gelassene Politesse, dass sich dieses rücksichtslose Verhalten jeden Tag aufs Neue wiederholt. „Und deshalb kontrollieren wir auch jeden Tag an den Schulen."

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