Youtuber "ItsMarvin" auf Tour in Bönen

Neues Video im Netz aufgetaucht: Abenteuerspielplatz Woolworth-Ruine 

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Youtuber ItsMarvin erkundet mit seinen Freunden das ehemalige Woolworth-Lager.

Bönen – Die Woolworth-Ruine an der Edisonstraße ist in der Szene nach wie vor beliebt. Immer wieder kommen nicht nur leichtsinnige Jugendliche, Kriminelle und Sprayer in das Gebäude, sondern auch Hobbbyfotografen und Filmemacher.

Ein bekannter „Youtuber“, der als ItsMarvin erfolgreich seine Videos auf dem Internetkanal verbreitet, hat am 29. März aufschlussreiche Aufnahmen aus dem Gebäudekomplex veröffentlicht, zwei Wochen nach dem angeblichen Verkauf der Immobilie.

Bis Mittwochmittag wurde der Beitrag „Lost Places: Riesen Zentrallager aufgegeben!“ rund 110.000 Mal aufgerufen. Die Zuschauer können darin Marvin, seinen Freunden Daniel und Dominik sowie mindestens einem weiteren Begleiter 17 Minuten lang durch das Gebäude folgen, vom Hochregallager über die Brandmeldezentrale und Kantine bis in die Büroräume.

Marvin gibt den Betrachtern sogar Tipps, wie sie in die verlassene Gewerbeanlage gelangen können. „Da an der Wendeltreppe, da sind 100.000 Scheiben, da ist safe eine offen“, zeigt er den Weg. Ansonsten ginge es auf jeden Fall über die Treppe.

Im Lager erklärt er dann seinen Zuschauern im lockeren Plauderton wie Logistik funktioniert und welchen Weg die Ware bei Woolworth wohl vom Ein- bis zum Ausgang genommen hat. Gemeinsam klettern die „Filmemacher“ über die Regale: „Wir machen das einfach mal, weil wir geile Leute sind“, erklärt der „Youtuber, der gestern mehr als 370 000 Abonnenten hatte. 

Exkursion mit der Hochleistungstaschenlampe

Marvin bedauert, dass der Keller des Gebäudes komplett unter Wasser steht. „Dadurch kommst du nicht rein – es sei denn, du hast ein Schlauchboot.“ Die Eindringlinge begutachten die stehen gebliebenen Gabelstapler, den Aufzug und die Schaltanlage. Sie spielen „Sendung mit der Maus“ und erzählen den Zuschauern, wie eine Rohrpost funktioniert – die Anlage ist noch vorhanden. Im „Werbeblock“ preist Marvin seine Hochleistungstaschenlampe an. Die braucht er natürlich im früheren Logistikzentrum, schließlich gibt es dort schon lange weder Licht noch Strom. 

„Hallo!“ begrüßt die Gruppe die Rechenzentrale und wirft einen Blick ins völlig zerstörte Foyer. „Schicke Büros, richtig geil“, beurteilt der Lost-Places-Kenner die Räume. Er denke dabei an einen Loft. Sogar einen Blick von der Dachterrasse gönnen sich die Einbrecher, dann spazieren sie unbehelligt aus dem Gebäude.

Der Woolworth-Komplex ist seit mehreren Jahren verlassen.

Das Video ist ein voller Erfolg   zumindest für Marvin und alle, die ebenfalls gerne verlassene Orte besuchen. Seitdem der Film im Netz zu sehen ist, herrscht laut Beobachtern nämlich wieder ein reges Treiben auf dem Gelände im Bönener Industriegebiet – Polizeieinsätze inklusive. Die Objektschützer haben zuletzt am Samstag einen Hausfriedensbruch von drei Personen bei der Polizei angezeigt. 

Das Betreten des Gebäudes ist zwar verboten und aufgrund der frappierenden Schäden äußerst gefährlich, mit rechtlichen Konsequenzen müssen Marvin und seine Nachahmer wohl aber nicht rechnen. Der Polizei ist das Video bekannt, sie hat es der Staatsanwaltschaft gemeldet. „In erster Linie ist aber der Eigentümer verantwortlich“, heißt es von der Kreispolizeibehörde. Dieser müsste eine entsprechende Anzeige auf den Weg bringen. Doch, ob der ein Interesse daran hat, ist fraglich. Bis jetzt scheut er die Öffentlichkeit.

Der Eigentümer ist nicht bekannt

Knapp einen Monat nach dem angeblichen Verkauf der ehemaligen Woolworth-Immobilie an der Edisonstraße ist der neue Eigentümer immer noch nicht bekannt. Die Zeichen verdichten sich aber, dass das Objekt nicht wirklich verkauft, sondern lediglich innerhalb eines undurchsichtigen Firmengeflechtes und involvierten Kanzleien verschoben wurde.

Die Intown Property Management GmbH, die inzwischen Lianeo Real Estate heißt, hat in den vergangenen Monaten nämlich einige solcher „Problem-Immobilien“ abgestoßen. Dazu gehören das Ihme-Zentrum in Hannover, der der aus Brandschutzgründen geräumte Hannibal-Komplex in Dortmund und Wohnblöcke in Schwerin mit Hunderten Mietern. 

Der geräumte Hannibal-Komplex in Dortmund hat oder hatte die gleichen Eigentümer wie die Woolworth-Immobilie in Bönen.

Die Spur führt bei dem vermeintlichen Verkauf der Gewerbebrache in Bönen von Berlin, wo die Immobilienverwaltung von Intown ihren Sitz hatte, nach Zypern – wie bei vielen anderen Immobilien ebenfalls. Von dort geht es weiter nach Israel zu Amir Dayan, dem Hauptgesellschafter der Intown beziehungsweise Lianeo Real Estate. 

Dem milliardenschweren Dayan-Clan in Tel Aviv gehören nach Schätzungen von Branchenkennern allein in Deutschland etwa 200 Immobilien. Viele dieser Objekte sind heruntergekommen und dringend sanierungsbedürftig. Die Eigentümer haben aber bisher nur das Nötigste unternommen und Auflagen der jeweiligen Kommunen erfüllt. So ist es auch in Bönen. Dort wird das frühere, mittlerweile völlig baufällige Distributionszentrum der Kaufhauskette seit Jahren lediglich professionell überwacht. Wirklich etwas unternehmen gegen Eindringlinge können die Objektschützer allerdings kaum. Der Komplex ist riesig, unüberschaubar und teils einsturzgefährdet.

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