Mit dem Rad zur Arbeit

Änderungen im Tarifvertrag: Jobräder für Angestellte im Öffentlichen Dienst

Fahrrad Fahrradhändler Bernhard Lülf
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Bei Fahrradhändler Bernhard Lülf werden inzwischen bis zu 50 Prozent der Räder geleast. Nach dem neuen Tarifvertrag können auch Angestellte im Öffentlichen Dienst die Räder durch eine Entgeltumwandlung finanzieren.

Änderungen im Tarifvertrag im Öffentlichen Dienst geben Angestellten die Möglichkeit, einen Teil ihres Gehaltes für das Leasen eines Fahrrades zu verwenden. Sowohl im Bönener als auch im Bergkamener Rathaus wird nun daran gearbeitet, dass die Mitarbeiter von Gemeinde oder Stadt dieses Angebot in Zukunft wahrnehmen können. 

Bönen/Bergkamen – Für die Initiative Stadtradeln rühren Kommunen seit mehr als zehn Jahren die Werbetrommel – mit Erfolg. Nicht ganz so emsig waren sie in Sachen Jobrad. Die Möglichkeit, ein Dienstrad zu leasen, die Raten durch eine steuer- und sozialabgabensparende Entgeltumwandlung zu finanzieren, gibt es in weiten Teilen der Privatwirtschaft seit über zehn Jahren – im Öffentlichen Dienst bis zu den letzten Tarifverhandlungen im Spätherbst 2020 nicht. Die Ergänzung des geltenden Tarifvertrages um den Punkt Fahrradleasing gilt jetzt rückwirkend zum 1. März 2021. In Bönen sowie im benachbarten Bergkamen könnte das Angebot bald umgesetzt werden.

Bönens Bürgermeister Stephan Rotering begrüßt die tarifliche Möglichkeit. „Es ist ein tolles Angebot, auch wenn ich mich inhaltlich noch nicht damit befasst habe – da bin ich ehrlich“, sagt er. Der Bönener Verwaltungsausschuss werde sich auf einer der nächsten Sitzungen mit der Umsetzung befassen. „Ich sehe es als wichtig an. Zum einen natürlich aus Umweltaspekten. Dann aber auch als Soft Skill. Das Jobrad zum Beispiel in Kombination mit dem Jobticket. Es ist wichtig, gute Mitarbeiter zu bekommen und zu halten“, deutet Rotering ein Attraktivitätsplus durch das Fahrradleasing an. „Wir werden vor der Einführung aber auch die Nachfrage betrachten, ob überhaupt Interesse vorhanden ist.“

Bis zu 7000 Euro für ein Rad

Die Verwaltung der Nachbarstadt Bergkamen hat die Einführung des Fahrradleasings bereits beschlossen. Wann sie umgesetzt wird, sei noch nicht klar, meint Thomas Hartl, Leiter der zentralen Dienste der Stadtverwaltung. „Es ist auch eine Änderung der Arbeitsverträge der Interessenten nötig. Wir müssen die Geschichte noch mit dem Personalrat besprechen“, erklärt er. Auch bisher sei es übrigens möglich gewesen, dass Beschäftigte sich ein E-Bike über einen Gehaltsvorschuss finanzieren konnten, betont der Verwaltungsfachmann. Diese Möglichkeit hätten allerdings unter fünf Interessenten genutzt.

„Die Gewerkschaften haben diese Entgeltumwandlung bisher abgelehnt, wegen vielleicht 1,50 Euro Rentenminderung“, sagt Thomas Hartl provokant. Und er erntet gleich Widerspruch. „Immer stehen wir als Buhmann da“, entgegnet Verdi-Mann Christian Berger. „So ein Tarifvertrag wird mit vielen Mitspielern im Bund verhandelt, nicht alle haben eine ökologische Einstellung.“ Der Gewerkschaftssekretär verweist auf die Rückseite der Medaille, die Bedenken der Interessenvertretung. Durch die Entgeltumwandlung würden dem Staat schließlich Steuereinnahmen entgehen, den Sozialkassen Beiträge. Das Leasing eines schicken E-Bikes würde letztlich die Gemeinschaft finanzieren.

Regelmäßige Wartung nötig

Geleast wird ein Dienstrad für drei Jahre. Leasingfähig sind Räder ab 749 Euro. Nutzer müssen immer eine Vollkaskoversicherung abschließen, das Rad regelmäßig zur Inspektion bringen und warten lassen. Die Versicherung kann durch den Nutzer beim Händler auf eigene Kosten um einen Verschleißschutz erweitert werden. Bei der Wartung sind die Kunden nicht an den Händler gebunden. Die private Nutzung des Rades wird mit 0,25 Prozent im Monat pauschal besteuert. Nach Ablauf der Leasinglaufzeit kann der Nutzer das Rad für einen Restwert übernehmen oder es zurückgeben und ein neues ordern.

Die jetzt verankerte Regelung im Tarifvertrag benennt übrigens eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Auch ist sie nicht für alle gültig. Beamte sind naturgemäß außen vor, der Tarifvertrag gilt für Angestellte, die mehr als drei Jahre tätig sind, und nicht für Auszubildende oder geringfügig Beschäftigte.

Auswählen muss die Kommune als Vertragspartner den Leasinggeber. Da gibt es inzwischen unendlich viele, wie Hartl weiß. Ein offensichtlich lukratives Geschäft. Bis zu 7000 Euro können die Angestellten des Öffentlichen Dienstes investieren für ein Rad. Die örtlichen Fahrradhändler arbeiten mit den namhaftesten Leasinggesellschaften zusammen. „Aber für uns gibt es da durchaus Unterschiede“, sieht Händler Bernhard Lülf aus Bönen den erhöhten Umsatz – „bei uns sind inzwischen 40 bis 50 Prozent Leasingräder“ – nicht nur positiv. „Ein Jobbike kassiert zehn Prozent Provision. Da müssen wir dann erklären, warum es nicht auch noch Extras wie Taschen oben drauf gibt. Andererseits ist es schon eine feine Sache: Ich muss mit den Kunden nicht um den Preis feilschen.“ Bei Lülf gehen durchaus hochwertige Trekkingräder durch die Ladentür. „Das Dienstrad ermöglicht es unseren Kunden ja auch, sich ein Traumrad zu leisten.“

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