DFI erwirbt ehemaliges Woolworth-Gelände

Schandfleck Woolworth-Ruine: Investor will Gelände neues Leben einhauchen

Neuer Investor für Woolworth-Ruine.
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Bereits im Frühjahr will der neue Investor die Gebäude auf dem Woolworth-Komplex abreißen. Auf der Fläche soll eine neue Logistikimmobilie entstehen. 

Kommt nach etlichen Jahren des Heruntergammelns wieder Leben in die Woolworth-Ruine? Zumindest gibt es einen neuen Investor, der das Grundstück inklusive des verkommenen, ehemaligen Distributionscenters des Discounters erworben hat. Die Projektentwicklungsfirma verspricht, das Areal an der Edisonstraße zu revitalisieren.

Bönen – „Auf dem 106.000 Quadratmeter großen Grundstück soll eine neue Logistikimmobilie mit insgesamt 65.000 Quadratmetern modernster Hallenfläche entstehen“, schreibt die deutschlandweit tätige DFI 3. Grundbesitz GmbH mit Sitz in Düsseldorf. Schon im Frühjahr 2021 soll mit dem Rückbau des baufälligen Bestandsgebäudes begonnen werden und ein Jahr später rechnet der Projektentwickler mit der Fertigstellung. Mit dem dann möglichen Neubeginn würde sich das langwierige Kapitel rund um die Industriebrache, die in den vergangenen Jahren auch zwielichtige Gestalten und sogar Taucher angelockt hatte, schließen.

GemeindeBönen
LandkreisUnna
Einwohner18.586 (30. Juni 2010)

„Mit dem Erwerb des Grundstücks schaffen wir die Voraussetzungen dafür, diesen Standort wieder einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Innovative und nachhaltige Logistikflächen werden in dieser begehrten Logistik- und Wirtschaftsregion dringend gebraucht“, erklären Markus Engelmann und Andreas Fleischer, Geschäftsführer der DFI.

Woolworth-Ruine in Bönen - WFG: „Schandfleck wird revitalisiert“

„Für uns als Gemeinde sind das sehr gute Nachrichten. Wir sind sehr gespannt auf die Umsetzung des Projektes. Ein seriöser Projektentwickler hat nun das Heft des Handelns übernommen, den wir nach Kräften seitens der Gemeinde unterstützen werden“, kommentiert Bönens Bürgermeister Stephan Rotering den Kauf. In den vergangenen Jahren hatten bereits andere Investoren das Gelände gekauft, passiert war dann aber nichts.

„Wir als Wirtschaftsförderung Kreis Unna freuen uns, dass dieser Schandfleck nun nach Jahren des Stillstandes endlich revitalisiert wird und auf dem Areal wieder neue Arbeitsplätze entstehen“, sagt WFG-Chef Dr. Michael Dannebom, der den Investor beim Kauf der Flächen begleitete. „Wir freuen uns mit DFI den richtigen Abnehmer für dieses einzigartige Objekt gefunden zu haben und wünschen allen Beteiligten bei der Revitalisierung des Geländes viel Erfolg“, sagt David Landwehr, Head of Operations Germany der LRC Group, als Vertreter des Verkäufers.

Wie die DFI allerdings genau vorgehen will, nachdem der Handel bereits im Januar unter Dach und Fach gewesen sein soll, darüber hält sich das Unternehmen vorerst bedeckt. Auf Nachfrage gab der Projektentwickler weder Auskunft über den Kaufpreis, den eingeplanten Etat für die Entwicklung, noch wann es genau losgehen soll und was im Detail dort entstehen soll oder wie weit die Weitervermarktung vorangeschritten ist.

Abenteuerspielplatz Woolworth-Ruine in Bönen: Brandstiftung und Youtube-Videos

Die Zurückhaltung hat zum Teil auch mit der Vergangenheit des Woolworth-Areals zu tun, das nach der Insolvenz der Kaufhaus-Kette 2009 seit Juni 2010 leer steht. Die DFI spricht selbst von „einer besonderen Herausforderung“. Brandstiftung, Vandalismus und Kupferdiebstahl-Banden, die ohne Rücksicht auf Verluste die komplette Verkabelung herausgerissen und abtransportiert haben, haben den Komplex erheblich beschädigt. In Wänden gibt es sogar Einschusslöcher. Ein Wasserrohrbruch hat zusätzlich vor einigen Jahren die Kelleranlagen großflächig unter Wasser gesetzt. Das Areal war im Verlauf zum - allerdings hochgefährlichen - Abenteuerspielplatz geworden, der immer wieder Besucher anlockte, die ihre Aufnahmen auf youtube stellten.

Der Ruine will der Projektentwickler nun auf die Pelle rücken. „Mit unserem ganzheitlichen Konzept wollen wir den Standort Bönen stärken und uns insbesondere auf die Bedürfnisse der Anrainer fokussieren. Dies soll auch durch die Berücksichtigung der Verkehrssituation gelingen. Dabei besteht eines unserer zentralen Anliegen ein weiteres Mal in der Verbindung von Ökonomie und Ökologie“, heißt es in der Pressemitteilung.

Hervorragende Lage und gute Anbindung

Das Interesse der DFI hat das Gelände aufgrund seiner Lage hervorgerufen. Der Projektentwickler spricht mit Blick auf die Nähe zur A1 und A2 von einer „herausragenden Ost-West- sowie Nord-Süd-Verbindung“. Außerdem sei die Anbindung ans Schienennetz durch das nahegelegene KV-Terminal (Kombinierter Verkehr) gewährleistet, das die Gemeinde Bönen und die Stadt Unna unter dem Mantel des Logistikzentrums Ruhr-Ost zumindest noch bis 2028 finanzieren und die Spedition Denninghaus betreibt. Die Nähe zu den Wirtschaftsstandorten Dortmund, Düsseldorf und Duisburg und die Ansiedelung diverser Unternehmen aus den Bereichen Industrie und Logistik im Bönener Industrie- und Gewerbegebiet nennt der Käufer als weiteren Vorteil.

Die DF Industrial Partner AG

Die DF Industrial Partner AG wurde 2019 von Dr. Wolfgang Dietz und Andreas Fleischer gegründet, die auch die Vorstandsvorsitzenden sind. Für die deutschlandweite Projektentwicklung gibt es neben dem Hauptsitz in Düsseldorf weitere Standorte in Stuttgart, Hamburg. Auf seiner Homepage wirbt das Unternehmen mit „mehr als 30 Jahre ausgeprägter Erfahrung in der Projektentwicklung, einer hohen Kapitalstärke, zuverlässiger Partner“. Als Ziele bei der Entwicklung von Industrie- und Gewerbeflächen werden Nachhaltigkeit, modernes Design, Energieeffizienz und ein angenehmes Arbeitsumfeld genannt. In der näheren Umgebung realisiert DFI gegenwärtig zwei weitere Projekte in Lünen und Mülheim, wo jeweils umfangreiche Rückbauarbeiten auf ehemaligen Kraftwerksgeländen vorgenommen werden. In Lünen hat das Unternehmen 2019 eine 26,6 Hektar großen Fläche der Steag übernommen und plant zwei Jahre für den Rückbau ein.

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