Schranke des Schreckens

Sind die Tage des Bahnübergangs in Bönen gezählt?

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Noch viele Jahre werden die Autos vor der Schranke warten müssen, doch die Verwaltung glaubt nun, vor einem wichtigen Schritt zu stehen, dass der Übergang überhaupt irgendwann beseitigt wird.

Kommt neue Bewegung in die ewige Diskussion um die Beseitigung des Bahnübergangs an der Bahnhofstraße? Zumindest sieht die Verwaltung eine "konkrete Chance". Die Kosten für die Gemeinde sind durch eine Gesetzesänderung beträchtlich gesunken, doch sie muss für einen Pkw-Tunnel in Vorleistung gehen - und dauern wird es auch noch.

Bönen - Die Spötter traten schnell auf den Plan: Kurz nachdem Bürgermeister Stephan Rotering auf Facebook ziemlich euphorisch den „Startschuss für die Beseitigung des Bahnübergangs“ an der Bahnhofsstraße verkündete, meinte User Sven Markert: „Ich bin ja mal gespannt, was zuerst eintrifft: Schalke 04 wird Meister vs. Bönen bekommt einen Tunnel.“ Lob erhielt Rotering für seinen Post auch, denn wenn ein Thema die Bönener bewegt, dann die Schranke in der Ortsmitte. Und das vermutlich schon so lange, wie die Königsblauen vergeblich dem Meistertitel hinterherjagen – 1958 durften sie übrigens letztmals jubeln.

Kommune muss nicht mehr ein Drittel der Kosten tragen

Die Verwaltung sieht nun allerdings eine Gelegenheit gekommen, einen entscheidenden Schritt zur Beseitigung des Übergangs vorzunehmen und ihn durch einen Pkw-Tunnel zu ersetzen. Der Weg könnte frei werden, durch eine Novellierung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes. Denn seit der neuen Verordnung aus dem März muss die Kommune nicht mehr ein Drittel der Kosten tragen, da dieser Anteil nun vom Land und von der Bahn übernommen wird. 

Bei einer Summe von grob geschätzten zehn bis zwölf Millionen Euro für die Tunnellösung eine riesige Erleichterung für die klamme Bönener Kasse.

Gemeinde muss vorweggehen

Die Verwaltung habe „ein sehr gutes Gespräch“, so Rotering, mit der Deutschen Bahn geführt. Der Staatskonzern ist seit Jahren darauf aus, Übergänge an Straßen zu reduzieren. Zudem stehen kostenintensive Änderungen zum Beispiel in der Signaltechnik und am Stellwerk an. Damit das Projekt aber tatsächlich auf die Schiene kommt, muss die Gemeinde mit der Planung, aber auch finanziell in Vorleistung gehen. 

Weil der Bahn Ressourcen fehlen, um solche Projekte neben den vielen anderen Baustellen anzugehen. Daher muss die Gemeinde ein Ingenieurbüro beauftragen und das Projekt bis zur Genehmigungsplanung (Stufe 4) vorantreiben.

Kein Wahlkampfthema

„Der Vorteil ist, dass wir das Thema anschieben können“, sagt Rotering, der betont, dass er das von vielen Bönener herbeigesehnte Verschwinden des Bahnübergangs nicht wegen des anstehenden Wahlkampfs auf die Agenda gesetzt hat. „Ich kann nicht sagen, das wird definitiv was, aber soweit wie jetzt waren wir noch nie dran“, findet der Bürgermeister. Auch die Verwaltung sieht „hier erstmals eine konkrete Chance, den BÜ tatsächlich zu beseitigen“, heißt es in einer Beschlussvorlage, da Gemeinde und Bahn ein „ernsthaftes Interesse“ an einer Umsetzung zeigen.

200 000 Euro Vorleistung

„Auf Basis der Fortschreibung der Kostenermittlung aus den bereits vorhandenen Planungen des Büros Stapelmann & Bramey“ von vor einigen Jahren rechnet das Team Planen und Bauen in der Beschlussfassung mit etwa 200.000 Euro, die die Gemeinde vorfinanzieren muss. Abzüglich der Förderung blieben davon Kosten in Höhe von rund 50 000 Euro am Ende aus Bönener Sicht übrig „Das ist es auch wert“, findet Rotering, der den Tunnel als weiteren Wegpunkt nach dem bereits in die Wege geleiteten Ausbau zu einem barrierefreien Bahnhof sieht.

Ausschuss soll für Ausarbeitung der Planungsvereinbarung stimmen

Als erster Schritt muss nun eine Planungsvereinbarung, die der Verwaltung als Entwurf seit dem 6. Mai vorliegt, weiter konkretisiert werden, um sie später mit der Bahn zum Abschluss zu bringen. Der Beschluss dazu soll auf der Ausschusssitzung des Fachbereichs Planen, Bauen, Umwelt am kommenden Donnerstag erfolgen. Schon im März war die Verwaltung vom Ausschuss beauftragt worden, die Planungen voranzutreiben. „Ich gehe von einer breiten Zustimmung aus“, sagt Rotering optimistisch gestimmt. Seiner Meinung sollte es „mit Volldampf losgehen“.

Verfahren wird lange dauern

Bis allerdings tatsächlich das erste Auto unter der Bahnlinie hindurchfährt, werden die Bönener noch viele Stunden vor der geschlossenen Schranke stehen. Bis zur endgültigen Umsetzung werde das Verfahren wohl sieben bis zehn Jahre in Anspruch nehmen, heißt es in der Vorlage. Bis zur Fertigstellung hat also auch der FC Schalke 04 noch etwas Zeit mit dem Gewinn der Meisterschale.

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