Neubau eines Pflegezentrums in Bönen ist zur unendlichen Geschichte geworden

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Seit mehr als einem Jahr hat sich auf der Baustelle nichts mehr getan.

Bönen – Der Geduldsfaden ist gerissen: Die ersten Mieter verlassen demnächst die Servicewohnungen an der Heinrich-Wieschhoff-Straße. Sie sind vor drei Jahren dort eingezogen und warten seitdem darauf, dass das Außengelände gestaltet, Mängel beseitigt und das Pflegezentrum nebenan eröffnet wird. Eine Voraussetzung, warum sie bisher die für Bönen relativ hohe Miete akzeptiert haben, war das Versprechen, bei Bedarf Hilfeleistungen aus dem Pflegezentrum zu bekommen. Daran, dass das jemals fertiggestellt wird, glauben die Bewohner nicht mehr.

Auch den Blick von der Terrasse oder vom Balkon auf herumliegendes Dämmmaterial, Drainagerohre, Schutt und eine zugewucherte Baugrube haben die Mieter satt. Seit mehr als einem Jahr hat sich auf der Baustelle nichts getan – zumindest nichts, was das Projekt voranbringt. Nachts schleichen sich nämlich durchaus Menschen heran, die ihren Sperrmüll in den auf der Baustelle aufgestellten Containern entsorgen. 

Dierk Mohring hat die Hoffnung hingegen nicht ganz aufgegeben. „Die Conreal hat einen neuen Käufer gefunden. In sechs Wochen sollen die Arbeiten wieder aufgenommen werden“, berichtet er. In den kommenden Tagen will sich der Betreiber mehrer Senioreneinrichtungen in der Region mit den Verantwortlichen und dem Bauunternehmer treffen. „Das Objekt soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden“, sagt Mohring. 

Er hatte das Projekt auf dem circa 7500 Quadratmeter großen Grundstück vor acht Jahren angestoßen und will das Pflegezentrum künftig auch betreiben. Dafür die veranschlagten rund 10 Millionen Euro aufzubringen, gelang ihm aber nicht. Dafür ist die Conreal Estate als Investor eingesprungen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben auf Entwicklung, Planung und Umsetzung von Sozialimmobilien spezialisiert. 

Generalunternehmer und Investor trennen sich im Streit

Zumindest in Bönen klappte das Konzept der Hamburger aber nicht. Nach einem eh schon holprigen Start herrscht immer wieder Stillstand auf der Baustelle, Projektleiter und Bauunternehmer wechseln. Der zunächst beauftragte Generalunternehmer aus Halle war nach zwei Jahren raus aus dem Projekt. „Er hat uns betrogen und geschädigt“, behauptet Hans-Jürgen Zimmermann, Geschäftsführer der Conreal. Er spricht von einem Schaden im sechsstelligen Bereich, die Staatsanwaltschaft würde ermitteln. 

Doch auch bei der Conreal lief nicht alles rund. Die Finanzdecke des Investors wurde dünn, und so versuchte er, das Projekt abzustoßen. Die Aviarent Invest AG aus Frankfurt sollte den Komplex übernehmen, einigte sich aber schließlich mit dem Verkäufer darauf, lediglich die drei Häuser mit den 27 Servicewohnungen zu kaufen. Verwaltet werden diese nach wie vor von Dierk Mohring, beziehungsweise seiner Vital Wohnen Holdig. 

Der laut Zimmermann bereits vorbereitete Kaufvertrag zwischen Conreal und Aviarent platzte. Die Conreal steckt mittlerweile in einem Insolvenzverfahren. „Das ist aber erledigt“, sagt Hans-Jürgen Zimmermann. Das Verfahren beim Amtsgericht Celle sei aufgrund einer unberechtigten Steuerforderung eingeleitet worden. „Mit Bönen hatte das nichts zu tun“, betont er. Die Conreal hat für das Vorhaben in der Gemeinde eine Tochtergesellschaft gegründet, und die will das unfertige Objekt demnächst verkaufen. Den Käufer möchte Zimmermann noch nicht nennen.

 „Die Kaufverträge liegen einseitig unterschreiben beim Notar“, gibt der Investor an. Er geht davon aus, dass im zweiten Quartal 2020 endlich eröffnet werden kann. Darauf wollen nicht mehr alle Mieter in den Nachbarhäusern warten. Zwei haben bereits gekündigt. Andere suchen nach einem neuen Zuhause – ohne Blick auf eine verwahrloste Bauruine. Und nicht nur die Anwohner, sondern auch andere Bönener fordern, dass die Gemeindeverwaltung etwas gegen den „Schandfleck“ am Ortseingang unternimmt. Der sind aber die Hände gebunden. Das Grundstück, die Häuser und die Bauruine sind nun mal in Privatbesitz. „Das Gelände ist mit einem Zaun abgesperrt, das Betreten verboten“, erklärte Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte etwa kürzlich den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses. Nur wenn von der Baustelle eine Gefahr für Mensch und Umwelt ausgehen würde, könnte eine Ordnungsbehörde handeln.

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