Neuanfang am Kletterpoth: Nikolos Sotsos eröffnet Restaurant „Rhodos“

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Soi und Nikolos Sotsos haben umdekoriert: Die Gaststätte hat nun eine mediterrane Note erhalten. Das „Rhodos im Haus Kreutz“ öffnet am Donnerstag seine Türen.

BÖNEN - Sein Bruder holte ihn 1981 nach Deutschland. Von ihm lernte Nikolos Sotsos ein Restaurant zu führen und zu lieben. Mehr als 32 Jahre war der gebürtige Grieche Gastronom in Essen, schenkte seinem „Rhodos“ seine ganze Kraft und sein Herzblut. Eine Gerölllawine machte dem ein Ende. Sieben Monate lang bangte der 59-Jährige um seine Existenz, jetzt wagt er in Bönen einen Neuanfang.

Ende April verabschiedeten sich Sandra und Sascha Peifer aus Bönen. Nachdem das Paar vor rund zwei Jahren ihr Restaurant Middendorf in der Traditionsgaststätte Haus Kreutz eröffnet hatte, nahm der engagierte Koch das Angebot an, in die Gastronomie einer Brauerei in Oelde einzusteigen. Die Gastwirtschaft am Mergelbergwald gaben die Peifers auf.

Für Nikolos Sotsos war das der Start in ein neues Leben. Zum 1. Mai übernahm er den Betrieb, zog mit seiner Familie in die Wohnung über der Gaststätte und begann sofort mit den Renovierungsarbeiten. Vieles, was derzeit am Kletterpoth einen neuen Platz findet, hat der Wirt aus seinem Essener Restaurant mitgebracht. 32 Jahre „und sechs Monate“ lebte Nikolos Sotsos und seine Familie im Stadtteil Byfang fast ausschließlich für das Restaurant. Sein Bruder hatte das „Rhodos“ 1981 in Essen eröffnet, kurze Zeit später verließ Nikolos Sotsos seine Heimatstadt Thessaloniki, um ihn dort zu helfen. Fünf Jahre später übernahm der dreifache Vater den Betrieb, sein Bruder ließ sich mit einem neuen Restaurant im Sauerland nieder.

95 Prozent Stammkunden in Essen

Im Laufe der Zeit machte sich das Rhodos einen Namen. „95 Prozent der Gäste waren Stammkunden“, erzählt der Gastwirt. Viele reisten nicht nur aus der Nachbarschaft, sondern auch aus den umliegenden Städten wie Wuppertal oder Ratingen an, um im Rhodos zu essen. „Die meisten nenne ich beim Vornamen, viele kannte ich schon als Kinder. Jetzt sind sie mit ihren Kindern gekommen.“ Mehr als 30 Kegelvereine besuchten regelmäßig die Gaststätte und nutzten die dortigen Bahnen. Die Wehmut ist dem Griechen anzumerken. Der Abschied fällt Nikolos Sotsos sichtbar schwer. Auch für seine Frau und seinen jüngsten Sohn ist der Schritt nicht leicht. Der 18-Jährige Alexandros wurde immerhin in Essen geboren, geht dort zur Schule, spielt Fußball und hat Freunde. Doch eine andere Möglichkeit, als einen Neuanfang zu wagen, hat er nicht. In der Nacht vom 4. auf den 5. November vergangenen Jahres lösten sich plötzlich rund 1000 Kubikmeter Steine von einer Steilwand neben der Gaststätte. Das Geröll begrub mehrere Gebrauchtwagen eines dort ansässigen Händlers unter sich. Das Gebäude, in dem sich Sotsos Restaurant befand, wurde beschädigt.

Zunächst hatte Familie Sotsos noch Hoffnung, ihren Betrieb in wenigen Wochen wieder vollständig nutzen zu können. Doch daraus wurde nichts. „Die Stadt Essen hat die Kegelbahn und den Saal gesperrt. Mit den paar Tischen, die mir noch bleiben, kann ich aber nicht überleben“, erzählt Nikolos Sotsos. Sein zweitältester Sohn, der bei ihm im Restaurant gearbeitet hat, hat inzwischen in Düsseldorf einen neuen Job gefunden, er selbst will es nun in der Gemeinde schaffen.

Hilfe bekommt er dabei von seiner Ehefrau Soi, die seit Jahrzehnten in der Küche Regie führt. Rund 120 Gerichte kann sie für die Gäste zubereiten. Vieles ist typisch griechisch, es gibt aber auch internationale Menüs. Drei neue Mitarbeiter hat der Gastronom eingestellt und auch sein jüngster Sohn will mit anfassen.

Natürlich darf im Haus Kreutz weiter gekegelt werden. „Wir bieten auch Kindergeburtstage und Feiern auf der Bahn an“, erzählt der neue Wirt am Kletterpoth. Er hofft, dass ihm die 22 aktiven Vereine weiterhin die Treue halten. Das neue „Rhodos im Haus Kreutz“ öffnet morgen, Donnerstag, um 17 Uhr seine Türen. Dann kann dort täglich von 11.30 bis 14.30, sowie von 17 bis 24 Uhr gespeist werden. Montag ist – abgesehen von Feiertagen – Ruhetag. - fla

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