Eichenprozessionsspinner: So will Straßen.nrw die Plage beseitigen

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Mit einer Spezialvorrichtung am Unimog versprüht Straßen.NRW-Mitarbeiter Tim Kroll die Nematoden-Brühe an der Kamener Straße. Dort sitzen die Larven des Eichenprozessionsspinners in den hochgewachsenen Bäumen.

Bönen – Juckender, brennender Hautausschlag, im schlimmsten Fall sogar Atemnot: Wer mit den giftigen Brennhaaren der Eichenprozessionsspinnerraupe in Kontakt kommt, muss mit allergischen Reaktionen rechnen. In der Gemeinde haben sich die Nachtfalter seit dem vergangenen Jahr ausgebreitet und immer mehr Bäume befallen. Um die Raupen in Schach zu halten, lassen sich die Experten einiges einfallen. Vorrang haben dabei natürliche Mittel, denn Pestizide töten auch alle anderen Insekten. Der Landesbetrieb Straßen.NRW setzt jetzt etwa auf Fadenwürmer.

Wortwörtlich in einer Nacht- und Nebelaktion ging es dem Schmetterlingsnachwuchs am späten Montagabend an der Kamener Straße in Bramey an den Kragen. Schon bei Einbruch der Dämmerung sperrten Ingo Mehringskötter und Maurice Gutsche von der Straßenmeisterei Unna in Bönen den Bereich zwischen der Dorfstraße und dem Breddeweg für den Verkehr ab. Dort bilden stattliche Eichen eine Allee, dessen Kronen der Schmetterlingsnachwuchs mächtig bevölkert.

Vater und Sohn mit Spezialauftrag

Gegen 22 Uhr erreichten dann Andreas und Tim Kroll den Einsatzort. Das Vater-Sohn-Gespann ist ebenfalls beim Landesbetrieb beschäftigt, eigentlich aber in Selm-Bork eingesetzt. Doch seit rund einer Woche haben die Beiden einen Spezialauftrage: den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner (EPS). Sie fahren den Unimog von Straßen.NRW, der mit einem Spezialgerät und einem 2000-Liter-Tank ausgestattet wurde. Das von einem Landmaschinenhersteller in Stadtlohn entwickelte Gerät besteht hauptsächlich aus einem Hochdruckgebläse mit Sprühkopf, der an einem Ausleger befestigt ist.

Der Tank ist mit einer lebenden Fracht befüllt, mit Millionen von winzigen Fadenwürmern. Die Nematoden schwimmen in einer klebrigen Flüssigkeit. Und diese brachte Tim Kroll am Montagabend mithilfe der Technik auf Blätter der Eichen an der Kamener Straße auf. Dazu wurden die Bäume bis in die Kronen hinein „eingenebelt“, pro Eiche mit etwa zehn Liter Nematoden-Brühe.

Prozessionsspinner trifft auf Nematoden

Etwa 17 Meter hoch reicht der Ausleger des Unimogs und des Gebläseschlauches. Dort oben fühlen sich die Schmetterlingsraupen besonders wohl. Sie sind nachtaktiv und kriechen in der Dunkelheit an den Stämmen der Eichen hinauf, um sich an den Blättern sattzufressen. Unterwegs trafen sie in dieser Nacht nun auf die Nematoden. Die kommen normalerweise eher im Erdreich vor, haben also eigentlich nichts mit den Larven zu tun. Forscher haben jedoch herausgefunden, dass die Vierzeller in die Raupen eindringen können, um sich in deren Körpern zu vermehren. Im „Gepäck“ haben sie ein Bakterium, das ein Gift produziert. Und das ist tödlich für die haarigen Raupen.

Absaugen brachte nicht den erhofften Erfolg

Damit die Behandlung nachhaltig wirkt, muss sie nach 14 Tagen noch einmal wiederholt werden, um weitere Nachkömmlinge zu erwischen. „Straßen.NRW ist sehr bemüht, den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen, allerdings mit möglichst natürlichen Mitteln“, betonte Andreas Kroll. Im vergangenen Jahr wurden die Nester deshalb überwiegend abgesaugt oder verklebt, mit nur mäßigem Erfolg. In diesem Jahr hat sich die Population offensichtlich noch einmal deutlich vergrößert. Der Einsatz von Nematoden soll nun hoffentlich mehr Erfolg bringen. Für Menschen und andere Tiere ist diese Methode auf jeden Fall unschädlich. Zumal die Nützlinge extrem UV-empfindlich sind und so nur wenige Stunden in der Dunkelheit überleben. Tageslicht lässt sie sterben – und das ist auch der Grund, warum die Landesbetriebsmitarbeiter nachts unterwegs sind.

System in der Testphase

„Das ist jetzt eine Testphase. Wenn es funktioniert, werden wir mehr Maschinen anschaffen“, wusste Kroll. Er und sein Sohn Tim werden in den kommenden Tagen noch einige Nachtschichten einlegen. Überall im Gebiet der Straßenmeisterei – es reicht von Selm über Werne bis nach Hamm und Unna – sind Eichen an den Landes- und Bundesstraßen von den EPS-Abkömmlingen befallen.

Mithilfe der Bürger ist wichtig

„Wir sind da auf die Mithilfe der Bewohner angewiesen, die uns auf Nester hinweisen“, erklärte Ingo Mehringskötter. Er war froh, über die professionelle Hilfe von den Kollegen aus Bork. „Wir müssen in diesem Jahr auf jeden Fall zur Baumpflege hier in die Eichen. Dann dürfen keine Raupen mehr drin sein.“ Wie unangenehm der Kontakt damit sein kann, hat er im Sommer am eigenen Leib erfahren, beim Rasenmähen im T-Shirt. „Der Mäher hat die ganzen Raupenhaare hochgewirbelt, die auf dem Boden lagen. Ich hatte überall Ausschlag, und der hat echt fies gejuckt“, erzählte Mehringskötter.

Für die Straßen, Plätze und Wege innerhalb Bönens ist die Gemeinde zuständig. Auch deren Mitarbeiter setzten im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner auf die Natur. So wurden in den vergangenen Wochen an einigen Stellen im Ort, an denen im Vorjahr Nester gesichtet wurden, Nistkästen aufgehängt. Die sollen im Frühjahr insbesondere Kohlmeisen anlocken, für die die anfangs noch unbehaarten Larven ein Leckerbissen sind. Zudem sollen EPS-Fallen an den Eichen angebracht werden, die die Raupen in dichten Auffangbeuteln sammeln.

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