Hof soll erweitert werden

Nachbarschaftsstreit in Bönen: Ärger um Ställe für 12.000 Puten

Putenmastbetrieb Putenstall Pute
+
Platz für fast 15.000 Puten ist in den drei bereits bestehenden Ställen auf dem Hof von Dr. Alexandra Engels. Neue Ställe für mehr als 12 000 Tiere sollen errichtet werden.

Die Erweiterung eines Putenmastbetriebes in Lenningsen sorgt bei Anwohnern für Ärger. Auf dem Hofgelände sollen neue Ställe für bis zu 12.000 Puten entstehen. Ein Nachbar geht juristisch gegen die Erweiterung vor.

Bönen/Unna – „Wenn das kommt, dann können wir hier nicht bleiben, dann müssen wir verkaufen, dann kommt natürlich ein immenser Verlust auf uns zu.“ Werner Ryba steht am Rand des Ackers, der gerade für den Bau dreier gewaltiger Ställe vorbereitet wird. 100 Meter soll jeder der Bauten lang sein, sieben Meter hoch. Hölzerne Markierungen, kaum einen Steinwurf von Rybas Haus und Grundstück entfernt, lassen die gewaltigen Dimensionen bereits erahnen. Die Tierärztin Dr. Alexandra Engels lässt hier, Auf dem Hachenei im südlichen Lenningsen, an der Grenze zwischen Bönen und Unna, Mastställe für insgesamt rund 12 000 Puten errichten.

Ganz in der Nähe befinden sich drei weitere Ställe des Engelschen Betriebes, in denen bereits fast 15 000 Puten gezüchtet werden. Ebenfalls in Sichtweite stehen weitere Ställe für die Putenaufzucht sowie eine große Biogasanlage.

Baustopp schon in der kommenden Woche?

Mit der Ware Putenfleisch lässt sich eine Menge Geld verdienen. Allein China importierte im vergangenen Jahr für 1,8 Milliarden Euro Geflügelfleisch. Deutschland, als weltweit zweitgrößter Importeur, kaufte 2019 Geflügelfleisch für 1,6 Milliarden auf dem Weltmarkt ein. Doch regt sich vor allem hierzulande zunehmend Widerstand gegen die Massentierhaltung, in der das Tierwohl vielfach mit Füßen getreten wird.

Werner Ryba kämpft mit seiner Anwältin Julia Kimmina gegen die neuen Ställe.

Auch Werner Ryba und seine Unnaer Anwältin Julia Kimmina können nicht verstehen, dass „ausgerechnet eine Tierärztin“ hier „um des reinen Profits willen“ im großen Stil Tiere züchtet. Ryba will das Bauvorhaben mit juristischer Hilfe verhindern. Die Anwältin hat die Baugenehmigung, die die Stadt Unna erteilt hatte, im Eilverfahren bereits angegriffen, „vielleicht schon in der kommenden Woche“ soll, so Kimmina, ein Baustopp erwirkt werden. Und dieser könne sich locker ein, zwei Jahre hinziehen. „Solche Verfahren dauern in der Regel sehr lange“, sagt die Juristin.

Werner Ryba persönlich geht es allerdings nur bedingt um das Wohl des Geflügels. Seit 40 Jahren lebt er hier, seine Frau Monika bereits seit 45 Jahren. Die beiden fürchten nicht nur die Zerstörung ihrer ländlichen Idylle, sondern auch eine erhebliche Wertminderung ihres Grundes, den später einmal ihre gemeinsame Tochter erben soll.

Zehn Meter hohe Sicht- und Lärmschutzwand

Damit die Rybas nicht permanent auf die Ställe gucken müssen, sollen neben ihrem Grundstück ein Sicht- und Lärmschutzwall in einer Höhe von bis zu zehn Metern aufgeschüttet werden. „Schrecklich“, sagt der Rentner, „der ist ja mindestens so hoch wie mein Haus.“ Und ob der begrünte Wall Schutz vor dem zu erwartenden Lärm, dem Dreck, dem Feinstaub und dem Gestank der Tiere bietet, daran hat Werner Ryba seine Zweifel.

Um ihrem Widerstand Nachdruck zu verleihen, hat der Lenningser die lokale Presse eingeschaltet. In der „Aktuellen Stunde“ des WDR soll außerdem heute Abend ein entsprechender Beitrag ausgestrahlt werden.

Auf dem Hofgelände an der Straße „Auf dem Hachenei“ befindet sich neben den Putenställen auch eine Biogasanlage.

Seit 2014 leitet Dr. Alexandra Engels gemeinsam mit ihrem Ehemann Ulrich Spielhoff den Betrieb in Lenningsen, den sie nach dem Tod ihres Vaters übernommen hatte. Gleichzeitig unterhält die Tierärztin ihre eigene Praxis und betreut als Expertin für Geflügel- und Schweinehaltung zahlreiche Betriebe in Deutschland. Hinzu kommt noch ein Schweinemastbetrieb in Bergkamen, der von Ulrich Spielhoff geleitet wird. Die Biogasanlage des Betriebes, die mit Mais, Schweinegülle und Mist aus dem Putenstall befeuert wird, liefert vier Millionen Kilowatt Strom- und Wärmeenergie. Das reicht, um die Gebäude auf dem Hof und noch drei Nachbarhäuser zu beheizen. Der Strom wird ins allgemeine Netz eingespeist.

Zum Konflikt der beiden Parteien war es gekommen, als die Tierärztin dem Ehepaar Ryba ihre Erweiterungspläne präsentierte. „Zunächst sagte sie, sie plane etwas, um ihren Kindern einen zukunftsfähigen Betrieb zu hinterlassen“, sagt Werner Ryba. „Als sie uns dann die Zeichnungen gezeigt hat und uns die Dimensionen klar wurden, ist meine Frau an die Decke gegangen.“

Dr. Alexandra Engels war am Donnerstag für eine persönliche Stellungnahme nicht erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare