Nachbarin will Nutzung des Hausmeisterhauses der Ermelingschule als Jugendhilfeeinrichtung verhindern

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Um diese Immobilie geht es: Das ehemalige Hausmeisterhaus der Ermelingschule (rechts) soll in eine Jugendhilfeeinrichtung umgewandelt werden. Die direkte Nachbarin wehrt sich gegen die Entscheidung der Gemeinde und will notfalls dagegen klagen.

Bönen – Das Gelände der Ermelingschule soll demnächst zu neuem Leben erwachen mit einem Dorfgemeinschaftshaus und dem neuen Sportplatz. Zugleich hat die Politik auch Planungen für das ehemalige Hausmeisterhaus neben dem Schulgebäude. Das mittlerweile unbewohnte Gebäude soll künftig als Jugendhilfeeinrichtung einer betreuten Wohngruppe als neues Zuhause dienen.

Noch ist das Projekt in der Planungsphase, aber die einzige Anwohnerin im Haus nebenan wehrt sich gegen die Pläne, weil das Hausmeisterhaus direkt an ihr Grundstück grenzt. Sie fürchtet nicht nur eine Wertminderung ihrer Immobilie, sondern langfristig eine Beeinträchtigung ihrer Wohnqualität. 

Mehr zufällig habe sie jetzt von der Planung erfahren, das Nachbarhaus in eine Jugendhilfeeinrichtung umzuwandeln, berichtet Sabine Lehmann, die das Nachbarhaus – das ehemalige Lehrerhaus – vor 25 Jahren von der Gemeinde kaufte. „Ich habe mir die Beschlussvorlage zur Ermelingschule, die in der letzten Ratssitzung einstimmig von allen Ratsmitgliedern verabschiedet wurde, im Ratsinformationssystem der Gemeinde im Internet angesehen.“ 

Ratsmitglieder hatten Projekt bei Abstimmung nicht auf dem Schirm

Zuerst habe sie die beiden Sätze glatt überlesen, beim zweiten Lesen fiel es ihr ins Auge: „Des Weiteren soll in dem Bungalow auf dem Flurstück 637 eine Jugendhilfeeinrichtung errichtet werden. Dazu soll der Bungalow erweitert werden.“ Erst dann habe sie realisiert, dass es sich um ihr Nachbarhaus handelt, das in eine Jugendhilfeeinrichtung umgewandelt werden soll. 

Selbst zwei Ratsmitglieder, die für die Beschlussvorlage gestimmt haben, hätten im Gespräch mit ihr eingeräumt, die Umwandlung des Hauses als Jugendhilfeeinrichtung nicht auf dem Schirm gehabt zu haben, berichtet die Anwohnerin. Möglicherweise haben nicht nur sie diesen Teil der Vorlage vor der Abstimmung überlesen. 

„Ich habe viele Jahre im Sozialamt gearbeitet, und weiß, dass es sich um Jugendliche aus prekären Familienverhältnissen handelt, die in den Wohngruppen ein neues Zuhause finden sollen.“ Da seien Probleme vorprogrammiert, fürchtet sie – zumal sie allein in ihrem Haus wohnt. Zudem bedeute eine solche Einrichtung direkt neben ihrem Haus auch eine Wertminderung der Immobilie, ist sie sich sicher.

Das ehemalige Hausmeisterhaus soll künftig eine Wohngemeinschaft für Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen beherbergen. Dazu müsste das Gebäude zunächst erweitert und saniert werden.

„Ich hätte kein Problem damit, wenn zwischen den Häusern mehr Abstand wäre“, betont Sabine Lehmann. Auch die Errichtung des Dorfgemeinschaftshauses begrüße sie ausdrücklich, genauso wie den neuen Sportplatz. „Aber ich habe bereits 2015/16 die Beeinträchtigungen erlebt als nebenan in der Ermelingschule Flüchtlinge unterbracht waren.“ 

Es gebe zahlreiche Anfragen von Familien, die Interesse zeigen, das Hausmeisterhaus zu mieten oder zu kaufen. „Ich habe die Interessenten immer an die Gemeinde weiter verwiesen.“  Außerdem frage sie sich, warum Bönen noch eine weitere Wohngruppe unterbringen muss, wo bereits im Umkreis Jugendhilfeeinrichtungen an der Sinnerstraße, an der Disselstraße und auf dem Hof Hachenei bestehen. 

Gemeinwohl gegen das Interesse einer einzelnen Anwohnerin

Genau um die WG auf Hof Hachenei gehe es, bestätigt der zuständige Fachbereichsleiter, Robert Eisler. Die Räume der Jugendhilfeeinrichtung entsprächen nicht mehr den Vorschriften. Deshalb hätten die Sozialpädagogischen Partnerschaften Spiekermann in Unna nach einer Alternative in der Gemeinde angefragt. Der private Träger würde gerne vor Ort bleiben, weil die Kinder und Jugendlichen teilweise in Bönen zur Schule gehen und hier Kontakte haben. „Die Kombination WG und Sportplatz in unmittelbarer Nähe ist aus unserer Sicht eine gute Kombination“, erläutert der Fachbereichsleiter. Hier stehe Gemeinwohl gegen die Interessen einer einzelnen Anwohnerin. 

Für das Dorfgemeinschaftshaus gibt es bereits einen positiven Bescheid auf die Bauvoranfrage, damit die Fördergelder beantragt werden konnten. Derzeit sei das Projekt aber noch in der Planungsphase. „Für den Sportplatz und die Nutzung des Hauses an der Ermelingstraße 3 müssen wir erst mal die baurechtlichen Voraussetzungen schaffen und den Bebauungsplan ändern“, so Eisler. 

Ob es zur Klage kommt, ist noch ungewiss

Im Zuge der Planungsarbeiten werde es auch eine Bürgeranhörung geben. Dazu will Sabine Lehmann durch einen Anwalt ihre Argumente vorbringen lassen, weil das ein komplexes Thema sei. Ob sie letztendlich ihr Recht notfalls auch mit einer Klage durchsetzen will, wenn die Gemeinde bei ihren Planungen bleibt, kann Sabine Lehmann noch nicht sagen. „Das werde ich mit meinem Anwalt abwägen.“ Auf alle Fälle will sie ihre zivilrechtlichen Ansprüche gegenüber dem Grundstückseigentümer geltend machen. 

Wie weit eine Klage den Zeitplan für das Gesamtprojekt rund um die Ermelingschule verzögern könnte, kann Eisler nicht abschätzen. Möglicherweise könne aber das Verfahren um das ehemalige Hausmeisterhaus vom Dorfgemeinschaftshaus und Sportplatz abgetrennt werden. „Denn die Ehrenamtler warten schon darauf, dass es an der Ermelingstraße weitergeht“, so Eisler. „Wir hoffen aber, dass es ohne Gericht geht und wir das Problem in Gesprächen klären können.“

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