Abschied vom Rat

Nach vier Jahren außerhalb der SPD-Fraktion in den politischen Ruhestand

Christiane Geiger-Caen, Wolfgang Menges  und Ulrich Reiners
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Christiane Geiger-Caen, Wolfgang Menges (links) und Ulrich Reiners verabschieden sich aus dem Rat.

Demokratie heißt, seine Meinung sagen zu können. Und Politik zu machen, bedeutet nicht, grundsätzlich das Handeln seiner Fraktion oder Partei gutzuheißen. Und so haben Christiane Geiger-Caen, Ulrich Reiners und Wolfgang Menges 2016 die Konsequenzen gezogen und nach dem Streit um den damaligen Vorsitzenden Klaus Herbst die SPD-Fraktion verlassen. Seitdem sitzen sie ebenso wie Herbst als fraktionslose Mitglieder im Gemeinderat. Wenn sich das Gremium im November neu konstituiert, werden die Vier jedoch nicht mehr dabei sein.

Bönen – Die Möglichkeit, über eine Unterstützerliste weiterhin im Rat mitzuarbeiten, haben sie nicht in Betracht gezogen. Und auch einer anderen Partei oder Wählergemeinschaft beizutreten, kam nicht infrage. „Dafür bin ich zu sehr Sozialdemokratin“, sagt Christiane Geiger-Caen. Vor 33 Jahren kam sie zur SPD, im Rat arbeitet sie seit 2003 mit. Ihr Parteibuch hat sie, wie die anderen drei ehemaligen Ratsherren, vor vier Jahren abgegeben.

Geiger-Caen: „Mit 70 muss Schluss sein“

Für die Bönenerin kein leichter Schritt, sie war immerhin nicht nur jahrelang ehrenamtlich kommunalpolitisch aktiv, sondern zudem Mitarbeitern im Landtagsbüro von Klaus Matthiesen, dann im Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Rolf Stöckel und schließlich von Peer Steinbrück. „Doch bevor wir rausgeschmissen wurden, haben wir lieber die Parteibücher abgegeben“, erklärt Hans-Ulrich Reiners. Die SPD akzeptiert keine fraktionslosen Mitglieder.

Christiane Geiger-Caen möchte jetzt lieber ihre Rente genießen und mit ihrem Mann ein paar schöne Jahre verbringen. „Ich möchte nicht irgendwann im Rat sitzen und nur noch die Hälfte mitbekommen. Deshalb habe ich immer gesagt, mit 70 Jahren muss Schluss sein“, so die 69-Jährige.

Reiners: „Wenn ich hier schon lebe, dann möchte ich auch mitreden können“

Bei Ulrich Reiners waren es eher die Mitglieder, die ihn davon abhielten, sich einer anderen Partei in Bönen anzuschließen, wie er sagt. Er war von 1979 bis 2016 Mitglied der SPD, ab 1984 Ratsmitglied. „Ich bin aus Münster nach Bönen gezogen, und damals begann gerade die Diskussion um die Schließung der Zeche“, erzählt der frühere Amtsrichter. Ein für die Gemeinde so immens bedeutendes Thema beschäftigte auch den heute 73-Jährigen. „Ich dachte, wenn ich hier schon dauerhaft lebe, dann möchte ich auch mitreden können.“ Reiners war in den vergangenen Jahrzehnten Mitglied verschiedener Fachausschüsse, zuletzt im Haupt- und Finanz- sowie im Schulausschuss.

Menges: Erst spät ins politische Amt

Wolfgang Menges kam erst später ins politische Amt. Der 70-Jährige war als Werksleiter eines namhaften Automobilzulieferers beruflich stark eingespannt und oft unterwegs. Viel Zeit für ein politisches Amt blieb ihm da nicht. 1998 trat er dann aber der Bönener SPD bei, geworben vom früheren Gemeindedirektor Alfred Schmiedel, mit dem er Schach spielte. Vor fünf Jahren zog der Ingenieur erstmals in den Gemeinderat ein, als es beruflich für ihn ruhiger wurde.

Dass sie die Fraktion verlassen haben, haben die Drei nie bereut. „Die persönlichen Beziehungen, die wir zu einigen Mitglieder hatten, sind geblieben. Natürlich gab es erst Irritationen, aber die haben sich inzwischen gelegt“, sagt Reiners. Und mit denjenigen, die sie zu ihrem Austritt bewegt hätten, hatten sie ohnehin persönlich wenig Kontakt. „Die Vorgehensweise, wie mit Klaus Herbst umgegangen wurde, konnte ich als Sozialdemokratin nicht mittragen. Das hatte nichts mit der Sympathie zu Klaus Herbst zu tun, sondern mit dem Prozess an sich“, erklärt Christiane Geiger-Caen.

Zunächst über eine eigene Fraktion nachgedacht

Gemeinsam mit Herbst haben die Drei anfangs drüber nachgedacht, eine eigene Fraktion zu gründen. „Doch da war uns der Aufwand zu groß“, sagt Ulrich Reiners. „Und solange unsere Anträge akzeptiert wurden, war das auch nicht notwendig.“ Ihre Arbeit als Parteilose hat sich gut entwickelt, stellen sie fest. „Intern haben wir uns die ,Stadtmusikanten 2.0’ genannt. Das waren ja die ausgedienten Tiere“, erzählt Wolfgang Menges und lacht dabei.

Vor jeder Sitzung haben sie sich getroffen und diskutiert – wie die anderen Fraktionen auch. „Und dabei haben wir uns manches Mal konstruktiv gestritten“, fügt Christiane Geiger-Caen hinzu. „Wir haben ja nicht bewusst gegen die SPD gestimmt, sondern in der Regel für deren Anträge“, berichtet Menges. Aber manchmal seien sie damit eben nicht einverstanden gewesen und konnten nun ganz ohne Fraktionszwang frei agieren.

„Wegweisende Entscheidungen mussten in den vergangenen fünf Jahren aber auch nicht getroffen werden“, stellt Ulrich Reiners fest und erinnert an frühere Themen wie den Strukturwandel, die Schaffung des Inlogparcs in den 1980er und 1990er Jahren oder des Autobahnanschlusses 1995. Selbst, wenn jetzt mit der Ratsarbeit Schluss ist, will er sich aber weiter einmischen, wenn es in der Gemeinde Missstände gibt. „Sie werden weiter von mir hören“, ist Reiners sich sicher.

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