Alle wollen jetzt noch in die Sonne

Große Nachfrage in Bönener Reisebüro nach Lockerungen für touristische Ziele

Bad im Gardasee
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Davon träumen jetzt viele Bönener: Im Sommer in die beliebten Ziele rund um das Mittelmeer zu fliegen und im warmen Meerwasser zu planschen. Die Lockerungen im Reiseverkehr treiben jetzt viele Kunden in die Reisebüros.

Die Entscheidung der Bundesregierung, die generelle Reisewarnung für touristische Reisen in Corona-Risikogebiete zum 1. Juli aufzuheben, kommt gerade noch rechtzeitig zum Ferienbeginn und beschert den Reisebüros einen großen Andrang. „Viele Menschen wollen die neuen Lockerungen jetzt nutzen und kurzfristig noch in die Sonne fliegen“, sagt Angelika Preuß, Leiterin des Bönener DER-Reisebüros in der Fußgängerzone. „Wir haben sehr viele Anfragen.“

Bönen – Einerseits freut sich die Reisekauffrau sehr über die neuen Lockerungen nach eineinhalb Jahren, in denen Reisen kaum möglich waren oder gebuchte Reisen wieder storniert werden mussten. Es gab kaum Umsätze, und sie und ihre Mitarbeiterinnen mussten in Kurzarbeit – und sind es noch. Jetzt wollen die Kunden die neue Freiheit nutzen und raus aus den vier Wänden, die sie seit Monaten selten verlassen konnten. Entsprechend hoch sind die Anfragen.

Weiterhin Vorsichtsmaßnahmen beachten

Andererseits bleibe die Sorge, dass die Menschen jetzt vergessen, dass das Virus ja noch in der Welt ist. „Vorsicht ist auch weiterhin geboten, damit wir nicht in die nächste Welle steuern. In unserem Reisebüro gelten deshalb auch weiterhin die bekannten Regeln wie Abstand, Maske und Desinfektion.“

Damit sie ihre Kunden in Ruhe beraten kann, bittet Angelika Preuß um einen kurzen Anruf, um einen Termin zu vereinbaren. Neben dem Urlaubsziel, Flug und Unterkunft geht es auch darum, welche Vorschriften im Zielgebiet gelten.

Seit die Reisewarnungen für viele Länder aufgehoben wurden, hat Angelica Preuß im Reisebüro in der Fußgängerzone wieder alle Hände voll zu tun.

Denn das Reisen ist nicht so einfach wie vor Corona. Viele Länder haben Vorgaben zur Einreise, die beachtet werden müssen. Mitunter gelten in einem Land regional unterschiedliche Regelungen. „Beispielsweise sind in Portugal die Einreisevorschriften für die Azoren anders als für Madeira und wieder anders für das Festland“, erläutert Angelika Preuß. „Gerade ist die Algarveküste wieder für den Tourismus freigegeben worden.“

Das alles im Blick zu behalten, sei für den Kunden schwierig. Wer individuell bucht, der ist selbst verantwortlich, dass er auf dem neuesten Stand ist und die aktuell geltenden Einreisebestimmungen erfüllt. Sonst geht es schlimmstenfalls mit dem Flieger wieder zurück nach Hause, bevor der Urlaub überhaupt begonnen hat. „Wir sind zwar nicht dazu verpflichtet, aber wir übernehmen das für unsere Kunden, denn Regularien ändern sich immer wieder von Tag zu Tag“, sagt die Reisefachfrau. „Deshalb haben wir bei DER eine eigene Abteilung, die sich inzwischen nur um die Aktualisierungen in den einzelnen Ländern kümmert.“

Mehr Reisefreiheit

Die Bundesregierung hebt zum 1. Juli die generelle Reisewarnung für touristische Reisen in Corona-Risikogebiete auf. Voraussetzung dafür ist, dass die Inzidenz dort unter 200 liegt.

Dies betrifft nach aktuellem Stand fast 100 Länder weltweit. Derzeit gilt die Corona-Reisewarnung für alle Weltregionen, in denen die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen 50 übersteigt. Von Juli an greift sie erst ab einer Inzidenz von 200 und darüber hinaus auch für Gebiete, in denen sich gefährliche Virusvarianten stark verbreitet haben. Dies sind gegenwärtig etwa 40 der insgesamt der weltweit rund 200 Länder.

Da geht es beispielsweise darum, ob der Reisende einen PCR-Test bei der Einreise braucht und wie alt der maximal sein darf oder ob eine Einreisekarte ausgefüllt werden muss. „Oft kommen die Formulare per Mail erst kurz vor der Abreise. Kunden, die nicht mit dem Internet vertraut sind oder kein Smartphone und keinen Drucker haben, haben dann ein Problem“, sagt die Expertin.

„Für die Einreise nach Griechenland zum Beispiel muss im Internet ein Formular ausgefüllt werden, dann erhält man oft in der Nacht vor Abflug einen QR-Code, den man auf seinem Smartphone speichert oder ausdrucken muss. Da helfen wir unseren Kunden, damit sie am Ende alles Nötige zusammen haben.“ So hätten oft auch die Fluggesellschaften eigene Vorgaben, unabhängig von den Vorschriften der Länder. Das alles sei zu beachten.

Mehr Arbeit pro Buchung

Das bedeutet allerdings auch, dass Angelika Preuß und ihre Kolleginnen viel mehr Arbeit mit einer Reisebuchung haben als vor der Pandemie. Mit der Servicepauschale sei dieser Mehraufwand kaum abgedeckt. „Im Grunde betreuen wir den Kunden zweimal: einmal bei der Buchung der Reise, und dann noch einmal kurz vor Reiseantritt. Ich kann immer nur mit aktuellem Stand beraten. Ich weiß natürlich nicht, was gilt im September. Bis dahin kann sich viel ändern. Kurz vor Abreise schauen wir immer noch mal in die Buchungen unserer Kunden, ob es Änderungen gibt.“

Gibt es überhaupt ausreichend Angebote für die wieder geweckte Reiselust? „Hotelbetten sind ausreichend vorhanden. Wir haben aber tatsächlich nicht so viele Flüge wie sonst“, sagt Angelika Preuß. „Einige Airlines gibt es nicht mehr, andere sind noch nicht so weit, wieder den normalen Flugbetrieb aufzunehmen. Die Piloten müssen oft erst wieder die vorgeschriebenen Flugstunden absolvieren.“

Flugangebot noch eingeschränkt

Deshalb, ist sich die Reisexpertin sicher, wird es in diesem Jahr keine Last-Minute-Angebote geben. „Die Nachfrage ist groß, jeder will jetzt endlich mal wieder in Urlaub, das Angebot – gerade bei Flügen – ist noch nicht wieder so groß. Viele, die nicht damit gerechnet hatten, dass Flugreisen ins Ausland im Sommer wieder möglich sein würden, hatten schließlich Ferien an Nord- und Ostsee gebucht. Da dürfte inzwischen fast alles ausgebucht sein“, vermutet Preuß.

Spanien und Türkei besonders gefragt

Die bekannten Reiseziele rund ums Mittelmeer seien in diesem Sommer besonders stark nachgefragt. Spanien mit Balearen und Kanaren, Griechenland und vor allem die Türkei stehen ganz oben auf der Wunschliste der Bönener. Auch Ägypten rückt wieder in den Fokus der Reisewilligen.

Aber auch Fernreiseziele wie Thailand, Bali und Mauritius seien durchaus gefragt. „Da müssen wir schauen, wenn es erst im Herbst losgehen soll, wie dann die Reisebedingungen sind. „In Mauritius muss der Gast aktuell zum Beispiel die ersten fünf Tage im Hotel in Quarantäne verbringen.“ Gut zu wissen. USA und Kanada seien für Reisen noch nicht wirklich auf der Landkarte zurück.

„Wer sicher gehen will, bucht seine Reise mit einem Flex-Paket, das viele Veranstalter anbieten“, empfiehlt die Expertin. „Damit kann man mit einem geringen Mehrkostenaufwand bis 14 Tage vor Reiseantritt ohne Angabe von Gründen stornieren.“ In Zeiten, wo sich die Reisebedingungen von einem auf den anderen Tag wieder ändern können, eine gute Taktik.

Nach dieser Ausnahmezeit müssen wir es fast wieder neu lernen: Wie geht eigentlich Urlaub? Angelika Preuß will es nach eineinhalb Jahren Abstinenz jetzt auch selbst in ihrem Urlaub auf Kreta testen.

Bleibt zu hoffen, dass bei aller Freude auf ein bisschen mehr Freiheit und Urlaub jetzt nicht alle vergessen, dass auch weiterhin Sicherheitsmaßnahmen gelten, damit nicht in ein paar Wochen wieder die Schotten dicht gemacht werden.

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