Zahlreiche Rechnungen ins Rathaus geflattert

Sechsstellige Forderungen: Nach GWA-Brand kann es für Bönen teuer werden

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Über 1000 Rettungskräfte waren beim Großbrand in der GWA-Recyclinganlage in Bönen im Sommer 2018 im Einsatz. Für beschädigte Ausrüstungen wie den Totalschaden am Teleskopmast der Bergkamer Feuerwehr muss die Gemeinde, zumindest anteilig, die Kosten erstatten.

Bönen/Bergkamen – Beim Großbrand der Bönener GWA-Recyclinganlage Ende Juni  unterstützten zahlreiche andere Feuerwehren die Bönener Kollegen im Kampf gegen die verheerenden Flammen. Die Amtshilfe ist zwar kostenlos, dennoch flatterten der Bönener Verwaltung als Träger der Freiwilligen Feuerwehr zahlreiche Rechnungen ins Haus – etwa für Schäden am Equipment.

„Das werden wir jetzt genau prüfen“, so Bürgermeister Stephan Rotering. Denn immerhin kommt bei den Forderungen absehbar eine größere, sechsstellige Summe zusammen. Absender des letzten Schreibens, das am 23. Dezember bei der Bönener Verwaltung einging, war der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer. 

Er fragt an, ob er mit einer Beteiligung an den Kosten für den Teleskopmast der Bergkamener Wehr rechnen kann, der bei dem Großbrand zerstört wurde. 

Der soll nun durch einen neuen ersetzt werden. Kostenpunkt: rund 536.000 Euro. Die Feuerwehr Bergkamen bekommt im Januar wieder ein eigenes Fahrzeug mit Teleskopmast. 

Nach Auskunft des Bergkamener Bürgermeisters Roland Schäfer beschloss der Stadtrat am 13. Dezember einstimmig, dass ein Ersatz für den zerstörten Teleskopmast gekauft werden soll, nachdem die Feuerwehr für ein halbes Jahr ein Ersatzfahrzeug mit Drehleiter gemietet hatte. 

Hier finden Sie alles zum GWA-Brand in Bönen

Auch diese Kosten macht Bergkamen gegenüber der Bönener Verwaltung geltend. Insgesamt bewege sich die Rechnung, die die Bergkamener Verwaltung gegenüber der Gemeinde aufstellt, im fünfstelligen Bereich, so Rotering.

Erstattungen für beschädigtes Material 

Das Spezialfahrzeug der Bergkamener Wehr war zwar versichert beim Gemeindeversicherungsverband (GVV). Der zahlt allerdings mit der Versicherungssumme in Höhe von 244 000 Euro gerade mal knapp die Hälfte der für die Neuanschaffung benötigten Summe von mehr als einer halben Million Euro.

„Das Schreiben der Bergkamener Verwaltung ging kurz vor den Weihnachtsferien ein“, erläutert Bürgermeister Rotering. „Wir müssen das jetzt erst genau prüfen, bevor wir irgendwelche Zusagen machen können.“ 

Summe im mittleren sechsstelligen Bereich

Neben den Schadensersatzforderungen der Bergkamener sind in der Vergangenheit auch Rechnungen der anderen beteiligten Wehren zur Kostenerstattung etwa von Material eingegangen, das nach dem Einsatz beim GWA-Brand ersetzt werden musste. 

Diese bewegen sich nach Auskunft Roterings nach einer ersten Überschlagsrechnung im mittleren sechsstelligen Bereich. 

GWA-Großbrand in Bönen: Feuerwehrdrohne im Einsatz

Großbrand in GWA-Anlage in Bönen - Der Sonntag in Bildern

Am Dienstag wurde in der Fachbereichsleiterkonferenz darüber beraten, so der Bürgermeister. „Dass wir uns an den Kosten beteiligen werden, steht außer Frage“, sagt Rotering. „Schließlich sind wir froh, dass wir so viel Hilfe von allen bekommen haben. Wir werden schauen, dass wir eine zufriedenstellende Lösung für alle finden.“ 

Luftbilder vom verheerenden Brand in Bönen

Der GWA-Brand sei ein ganz besonderes Ereignis gewesen – auch in finanzieller Hinsicht. Ein Einsatz mit insgesamt über tausend beteiligten Rettungskräften sei ziemlich einmalig und kein Standardfall. „Das kommt glücklicherweise sehr selten vor.“ Geregelt wird die Kostenbeteiligung im einzelnen im Gesetz über Brandschutz, Hilfeleistung und Katastrophenschutz (BHKG). 

GWA-Anlage in Bönen steht in Flammen

„Das ist ein sehr umfangreiches Werk, das wir jetzt durcharbeiten müssen. Wenn die einzelnen Forderungen berechtigt sind, dann kommen wir selbstverständlich für die Kosten in voller Höhe auf.“ 

Zudem sei aber auch noch zu prüfen, wie weit die GWA zur Kostenerstattung herangezogen werden kann. „Wir haben die GWA bereits dahingehend kontaktiert“, so Rotering. 

In Bergkamen ist die Feuerwehr nach einem halben Jahr bald wieder für alle Einsätze gerüstet mit dem Zuwachs ihres Fuhrparks. Eine gute halbe Million wird in ein Gebrauchtfahrzeug der Firma Rosenbauer investiert, das 2016 zugelassen wurde und erst 500 Betriebsstunden und 21.000 Kilometer „auf dem Buckel“ hat.

In Dienst gestellt werden soll der neue Teleskopmast noch in diesem Monat. Zuerst müssen noch Veränderungen an Innenausbau, technischer Ausrüstung und Beschriftung des Fahrzeugs vorgenommen werden. Bis dahin wird weiter die Ersatzdrehleiter genutzt.

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