Nach Großeinsatz bei TST: "Zusammenarbeit lief reibungslos"

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Das gesamte TST-Gelände ist wie eine Badewanne angelegt, sodass Gefahrenstoffe nicht in Kanalisation oder Grundwasser gelangen.

Bönen – Als am 17. Juni um 21.42 Uhr bei der Logistik-Firma Trans Service Team (TST) im Bönener Industriegebiet ABC-Alarm ausgelöst wurde, trat ein, was viele Bürger bei der Ansiedlung des Unternehmens befürchtet hatten: Ein Störfall im Lager, wo zahlreiche Gefahrenstoffe gelagert werden. "Es war eine ernste Lage, aber jederzeit beherrschbar", sagt der Bönener Feuerwehrchef Stefan Eickelberg.

Sechseinhalb Stunden dauerte der Großeinsatz in dem Verteilzentrum für Klebstoffprodukte des Henkelkonzerns, an dem rund 150 Einsatzkräfte beteiligt waren. Jetzt werden die Erfahrungen aller Beteiligten ausgewertet und Schlüsse daraus gezogen. Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen und den einzelnen Einsatzkräften habe reibungslos funktioniert, so Einsatzleiter Stefan Eickelberg von der Bönener Feuerwehr. Ein Gabelstaplerfahrer hatte am 17. Juni im Lager versehentlich Container mit Säuren und Laugen aus dem Regal gerissen, die sich glücklicherweise neutralisiert haben, und dabei auch die Sprinkleranlage ausgelöst. 

Die Meldung ging direkt an die Leitstelle, die die Bönener Feuerwehr alarmierte. Vor Ort stellten die Bönener Feuerwehrleute fest, dass es sich nicht um einen Brand handelte, sondern um auslaufende, ätzende Chemikalien. Um 22 Uhr wurde deshalb ABC-Alarm ausgelöst und Verstärkung angefordert durch den ABC-Zug des Kreises Unna sowie weitere Feuerwehr-Einheiten „Zu keiner Zeit ging von unserem Lager eine Gefahr für Mensch und Umwelt aus, fasst Reinhard Pfeiffer, Sprecher des Unternehmens, zusammen. 

In Schutzanzügen mussten die Rettungskräfte nach Auslösung des ABC-Alarms am 17. Juni auf dem TST-Gelände arbeiten.

Der Schutz von Mensch und Umwelt stehe an erster Stelle, deshalb musste das Gebäude bereits in der Konzeption alle Anforderungen des Bundes-Immissionsschutz-Gesetzes (BimSchG) erfüllen und die Vorgaben des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW berücksichtigen. Technisch und bauseitig entspreche das Logistikzentrum höchsten und modernsten Sicherheitsstandards. Die Schutzkonzepte seien so ausgelegt, dass bereits bei der kleinsten Abweichung vom Regelbetrieb automatisierte Mechanismen zum Schutz des Lagers, seiner Mitarbeiter und des gesamten Umfeldes greifen. 

Im Ernstfall die Schotten dicht machen

„Zur sofortigen lokalen Eingrenzung ist die gesamte Anlage in 15 einzelne Hallenmodule – so genannte Kompartments – unterteilt, deren Wände und Tore feuerbeständig sind“, erläutert Reinhard Pfeiffer. „Der gesamte Unterboden ist als flüssigkeitsdichte Wanne ausgebildet, so dass weder gelagerte Materialien, noch Löschwasser in den Boden einsickern können.“ Sobald die Anlage einen möglichen Brand meldet, würden die betroffenen Bereiche über eine sogenannte Regalsprinkleranlage mit Löschwasser besprinklert und die Kanalisation automatisch geschlossen. 

Teil des Sicherheitskonzeptes seien jährliche Überprüfungen der Sicherheitsstandards durch unabhängige Gutachter, die kontinuierliche Wartung der Anlage, regelmäßige Mitarbeiterschulungen und ein EDV-gestütztes Lagersystem zur Erfassung und Steuerung der gelagerten Stoffe. „In Bönen werden keinerlei chemische Prozesse durchgeführt. Stoffe werden ausschließlich in geschlossenen Gebinden gelagert, kommissioniert und versandt. Es findet keine chemische Umwandlung oder das Öffnen der Gebinde statt“, betont der TST-Sprecher. 

Menschliche Komponente nicht eingeplant

„Dennoch kam es zum Störfall, weil hier etwas passiert ist, womit man nicht gerechnet hat – die menschliche Komponente“, sagt Kreisbrandmeister Thomas Heckmann, der das Geschehen vor Ort begleitete als Beobachter der unteren Katastrophenschutzbehörde. Dass ein Gabelstaplerfahrer durch eine Unachtsamkeit eine Katastrophe auslösen könnte, das war so nicht einkalkuliert, bei allen Sicherheitsvorkehrungen, die das Unternehmen getroffen hat. 

Als Konsequenz aus dem Unfall bei TST plant der Kreisbrandmeister für die Zukunft zusammen mit den zuständigen Feuerwehren regelmäßige Begehungen bei TST und sieben weiteren Betrieben im Kreisgebiet, die der oberen Klasse der Gefahrenabwehr unterliegen. Zudem soll geprüft werden, wie weit die Verständigung innerhalb der Katastrophenschutzbehörde verbessert werden kann. 

Die Mechanismen funktionieren

Der Bönener Feuerwehrchef Stefan Eickelberg lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Unternehmen: „Das Gefahrenpotenzial ist bei TST sicherlich ein anderes als bei anderen Gebäuden in der Gemeinde. Wir haben deshalb schon im Vorfeld entsprechende Vorkehrungen sowohl baulicher Art als auch unsere Ausrüstung betreffend mit der Firma Hand in Hand erarbeitet und umgesetzt. Denn allen ist bewusst, dass ein Gefährdungspotenzial von dem Unternehmen ausgeht.“ 

Bei aller Dramatik – schließlich handelte es sich ja nicht um eine Übung – habe der Einsatz aber gezeigt, dass alle Mechanismen funktionieren. „Der Einsatz lief reibungslos, sowohl mit den anderen Einsatzkräften, als auch im Zusammenspiel mit TST. Es war eine ernste Lage, aber jederzeit beherrschbar.“ 

Einsatz wird Unternehmen teilweise in Rechnung gestellt

Da TST keine eigene Werksfeuerwehr vorhalten muss, sondern von der freiwilligen Feuerwehr Bönen betreut wird – und in diesem Fall von weiteren Einheiten des Kreises – steht dem Unternehmen für den Großeinsatz in Kürze allerdings eine Rechnung ins Haus, bestätigt die zuständige Sachbearbeiterin der Gemeinde, Nadine Wilmes. 

Der Einsatz selbst werde dem Unternehmen nicht in Rechnung gestellt, aber alle nötigen Ersatzbeschaffungen für Material wie Filter und Masken oder Beschädigungen beispielsweise an Schutzanzügen oder Fahrzeugen für alle beteiligten Einheiten.

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