Nach fast zwei Jahren Pause: Das plant der Bönener Integrationsrat

+
Senay Oturak und Ruth Tietz hielten eine Zeit lang regelmäßig Bürgersprechstunde im Bahnhofsgebäude ab.

Bönen - Fast zwei Jahre lang hat der gewählte Bönener  Integrationsrat nicht getagt. An diesem Donnerstag ist wieder eine Sitzung geplant. Im Interview berichtet der Vorsitzende Senay Oturak über seine Pläne und eine mögliche Partnerschaft mit einer türkischen Stadt.

Die Gemeinde ist seit vielen Jahren Heimat für Menschen aus vielen Nationen, Kulturen und Religionen. Um das Zusammenleben zu erleichtern und Menschen mit Migrationshintergrund am sozialen und politischen Leben teilhaben zu lassen, wurde der Integrationsbeirat (ITB) eingerichtet – ein beratendes Organ auf freiwilliger Basis. 

In den vergangenen Monaten ist es allerdings ruhig geworden um den Beirat. Zuletzt tagte der ITB im April 2018. Jetzt kündigte der Vorsitzende Senay Oturak nach fast zwei Jahren Pause eine Sitzung am Donnerstag, 27. Februar, um 18 Uhr im Ratssaal an. WA-Redakteurin Kira Presch sprach mit ihm über den Integrationsbeirat.

Der letzte Integrationsrat fand am 26. April 2018 statt. Was sind die Gründe für diese lange Pause von fast zwei Jahren? 

Ich war lange krank. Ich hatte eine schwere Schulterverletzung und musste operiert werden. Nach der Reha musste ich meinen Beruf als Filialleiter bei einem Lebensmitteldiscount aufgeben und eine Umschulung zum Busfahrer machen. Dadurch fiel ich viele Monate aus.

Wäre die Fortführung der Arbeit durch eine Vertretung möglich gewesen? 

Grundsätzlich ja, durch meine Stellvertreterin Ruth Tietz. Aber da sie selbst seit langem erkrankt ist, hat niemand die Arbeit weitergeführt. Ob man in der Zwischenzeit die Verantwortung auf ein anderes Mitglied hätte übertragen können, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Was hat der ITB seit seiner Wahl 2014 bis jetzt erreicht? 

Wir hatten eine regelmäßige Bürgersprechstunde im Bahnhofsgebäude eingeführt, die aber zur Zeit nicht mehr stattfindet. Wir haben zusammen mit Ditib Kinderfeste an der Goethe- und Hellwegschule veranstaltet und in der Aula ein internationales Frühstück veranstaltet. Wir haben Vorschläge für die Gestaltung des islamischen Grabfeldes auf dem Friedhof in Altenbögge gemacht. Und wir haben Gäste in den Beirat eingeladen wie den Islamforscher Dr. Mohammad Heidari.

Wo sehen Sie Defizite? 

Wir können ja keine Entscheidungen treffen. Der Integrationsbeirat hat nur beratende Funktion.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den anderen gewählten Mitgliedern? Findet ein Austausch außerhalb der Sitzungen statt? 

Die Zusammenarbeit ist gut. Wir kennen uns ja alle und treffen und sprechen uns auch außerhalb Beirates.

"Wir sind auf einem guten Weg"

Wie viel Resonanz bekommen Sie aus der Bevölkerung? 

Viele Bürger kommen mit Fragen und Problemen zu mir als Person, nicht weil ich der Vorsitzende des Integrationsrates bin.

Wie beurteilen Sie die Situation in der Gemeinde? Findet Integration angemessen statt? 

Ich finde, wir sind auf einem guten Weg. Wenn ich in große Städte gucke, was da passiert, dann haben wir hier noch ein gutes Zusammenleben. In der türkischen Community der Gemeinde sehen viele ihre Zukunft in Deutschland und nicht in der Türkei. Vor ein paar Jahren gab es aber noch mehr Austausch mit den Nachbarn und mehr Kontakte zur Verwaltung. Ich habe aber die Hoffnung, dass wir wieder mehr zusammenrücken. Gerade in Zeiten, wo die Rechten immer lauter werden.

An der von den Ratsfraktionen über die sozialen Netzwerke und WA.de initiierten Mahnwache für die Opfer von Hanau am Freitag haben Sie als Vorsitzender des ITB nicht teilgenommen. Was waren die Gründe? 

Das war zu kurzfristig. Mir hat keiner was gesagt. Viele wussten gar nicht, dass eine Mahnwache stattfindet. So was Wichtiges muss geplant werden. Ich werde mich jetzt darum kümmern, dass wir eine Veranstaltung zu dem Thema rechte Gewalt in der MCG-Aula oder im Turm machen können, zu dem dann alle eingeladen sind, auch Vertreter der Kirchen und Moscheen. Vor allem sollten die Jungen angesprochen werden, die Älteren wissen um die Gräueltaten der Nazis.

Partnerstadt in der Türkei?

Welche Themen stehen am Donnerstag in der nächsten Sitzung auf der Agenda? 

Wir stellen den Bürgerbus vor, den ich ab März auch regelmäßig fahren werde. Außerdem wird der Integrationsbeauftragte der Gemeinde, Khaled Abdulaal, zu Gast sein und über seine Arbeit berichten. Und wir werden eine Schweigeminute für die Opfer in Hanau einlegen. Bürger sind in der Sitzung übrigens willkommen.

Sie haben auch das Thema türkische Städtepartnerschaft erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Zuletzt hatten Politik und Verwaltung signalisiert, dass das derzeit kein Thema sei. Warum der erneute Vorstoß?

Das ist nicht meine Idee. Da bin ich das Sprachrohr der türkischen Community, die sich eine Partnerschaft wünscht. Der Vorschlag wäre, einen kulturellen Austausch mit der Stadt Zonguldak zu machen, die ebenfalls in einer Bergbauregion liegt. Etwa 80 Prozent der Türken, die in Bönen leben, kommen aus dieser Region.

Ein Themenschwerpunkt in der Sitzung am Donnerstag ist laut Tagesordnung die Zukunft des ITB. Wie soll die aussehen?

Vor allem bunter. Obwohl in Bönen Menschen aus vielen Nationen leben, sitzen im Integrationsrat neben den Vertretern der Ratsfraktionen nur türkische Vertreter. Und die sind mit einer Wahlbeteiligung von gerade mal zehn Prozent gewählt worden. Wer einen Integrationsrat will, der sollte auch wählen gehen. Bei der Kommunalwahl im September stehen auch Wahlen zum Integrationsbeirat an. Ich würde aber nur noch einmal kandidieren, wenn der Beirat keine rein türkische Veranstaltung mehr wird, sondern multikulti wie die Gemeinde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare