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Nach Corona kehren Einbrecher zurück: Polizei wirbt für gute Nachbarschaft zum Schutz vor Kriminellen

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Von: Bernd Kröger

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Augenzwinkernde Abschreckung: Mit Schildern ähnlich der Wachhund-Warnung am Gartentor, wirbt die Polizei in Nachbarschaften um Aufmerksamkeit füreinander. Pressesprecher Bernd Pentrop (links) und Präventionsberater Manuel Schockenhoff appellieren, auf diesem Wege Einbrechern die Gelegenheit zu vermiesen.
Augenzwinkernde Abschreckung: Mit Schildern ähnlich der Wachhund-Warnung am Gartentor, wirbt die Polizei in Nachbarschaften um Aufmerksamkeit füreinander. Pressesprecher Bernd Pentrop (links) und Präventionsberater Manuel Schockenhoff appellieren, auf diesem Wege Einbrechern die Gelegenheit zu vermiesen. © Kröger

Wo Nachbarn hinsehen, haben es Einbrecher schwer. Darum appelliert die Polizei, bewährte Tugenden zu pflegen. Aufmerksamkeit fürs Umfeld schreckt Täter ab.

Bönen – Corona hat so vieles zum Erliegen gebracht, aber das war nicht in jedem Fall schlecht. Die Zahl der Wohnungseinbrüche beispielsweise ist massiv gesunken, während die Menschen nicht so recht vor die Tür konnten oder wollten. Nun dürfen sie wieder raus wie ehedem und Kriminelle wittern aufs Neue ihre Chance.

Jüngste Fälle in Bönen und Bergkamen nimmt die Polizei zum Anlass, um für eine wirksame Schutzmaßnahme zu werben, die nicht mehr kostet als etwas Aufmerksamkeit: gute Nachbarschaft.

„Wir hatten zuletzt eine gewisse Häufung. Die ist nicht besorgniserregend, aber wir haben uns entschlossen, die Leute einmal wachzurütteln“, erläutert Manuel Schockenhoff von der Abteilung Kriminalprävention/Opferschutz. Ungewöhnlich an den Vorfällen sei, „dass sie in Siedlungen vorgekommen sind, in denen wir eher selten damit zu tun haben.“

Unbekannte einfach mal ansprechen

Eigenheim-Quartiere eben, in denen man sich meist kennt und hinschaut, weit weniger anonym als große Mehrfamilienhäuser oder ganze Straßen mit Geschosswohnungsbau. Mit Bernd Pentrop, Pressesprecher der Polizei, appelliert der Fachmann in Sachen Vorbeugung: „Gute Nachbarschaft ist die erste Präventionsmaßnahme. Es ist gut, wenn die Leute aufeinander aufpassen. Täter suchen die Anonymität. Sie wollen nicht angesprochen werden. Einfach mal zu fragen: ‘Kann ich Ihnen helfen?’, wenn einem jemand auf der Straße komisch vorkommt, das hilft schon.“

Kostenlose Beratung & Vorsorgetipps

Zum Schutz vor Einbrechern bietet die Polizei ein ganzes Paket von Informationen und eine kostenlose Beratung in Sicherheitsfragen an, auch Termine vor Ort. Anfragen unter der Rufnummer 02303/921-4912 oder per E-Mail an Kriminalpraevention@polizei.nrw.de.

Einen Überblick bietet die Broschüre „Sicher wohnen“. Sie ist in der Beratungsstelle erhältlich und im Internet unter www.polizei-beratung.de. Hilfen und Empfehlungen zu technischen Sicherungen finden Interessierte unter www.k-einbruch.de.

Die Polizei empfiehlt, bei Neu- und Umbauten den Einbau zertifizierter Bauelemente mit Einbruchhemmnis durch Fachbetriebe, deren Expertise das LKA geprüft hat.

Wer sich ein Bild machen will, wo Einbrecher zuletzt aktiv waren, findet online über die Behördenseite unna.polizei.nrw im Einbruchradar eine Karte mit den Tatorten der Vorwoche. Über die laufende Auswertung erhalten die Wachen mittels künstlicher Intelligenz übrigens Schwerpunktprognosen für die strategische Planung der Streifen.

Eigene Vorsorge ist wichtig, generell gilt: Abschließen beim Verlassen der Wohnung, keine Fenster auf Kipp lassen. Den Wohnungsschlüssel nicht irgendwo verstecken, die Täter kommen doch dahinter. Tags heruntergelassen Rollläden sind kein Schutz, sondern eine Einladung. Überhaupt: Hinweise auf Abwesenheit vermeiden, Zeitschaltuhren für Licht oder Rollläden, TV mal eingeschaltet lassen. Dunkle Ecken und „Verstecke“ im Garten vermeiden, Bewegungsmelder fürs Außenlicht, keinen freien Durchblick bis ins Wohnzimmer. Und: Gute Nachbarschaft pflegen, Briefkasten leeren, im Haus mal gucken lassen.

Oder gleich die Polizei rufen: „Die Leute sollten sich da auf ihr Bauchgefühl verlassen und nicht lange nach der Rufnummer der Wache suchen. Einfach den Notruf 110 wählen“, betont Bernd Pentrop. „Wenn da jemand Hilfe braucht, ist es unsere Aufgabe, da raus zu fahren.“

Nach Corona ändert sich die Lage

Für mehr Sensibilität gegenüber Ungekannten, die eventuell Örtlichkeiten auskundschaften oder sogar schon „Schmiere stehen“ könnten, werben die Polizisten auch, weil die Menschen bei der Rückkehr zur Normalität nach Corona ihre Antennen für das Umfeld nach Einschätzung der Ermittler teils eingefahren haben und auf sich fokussiert sind.

Anzahl der Einbrüche eher niedrig

Deshalb der „Weckruf“, auch wenn die Fallzahlen der Unnaer Behörde vergleichsweise gering seien. Insgesamt 283 erwiesene Einbrüche gab es 2021, bis November ‘22 (die Jahresauswertung steht noch aus) 253 Einbruchsanzeigen. Für Bergkamen waren es 61 Fälle in ‘21 und 56 Anzeigen, in Bönen 14 Fälle und 13 Anzeigen im Vorjahr.

„Nach Corona haben wir größere Sprünge erwartet“, so Schockenhoff. „Dazu muss man wissen, dass Einbruch ein Saisondelikt in der dunklen Jahreszeit ist, da kann man die Uhr nach stellen. Mit der Zeitumstellung im Oktober geht es sofort los. In der Woche darauf haben wir gleich was auf dem Tisch.“

Kritische Zeit: Früher Abend, Wochenende

„Kernarbeitszeit“ der Kriminellen: „Zwischen 16.30 und 20 Uhr, häufig freitags und samstags, wenn die Leute unterwegs sind, schlagen die Täter zu“, weiß Schockenhoff aus Auswertungen. Oder zwischen 8.30 und 12 Uhr, wenn viele zur Arbeit sind. Oft vergewisserten sich die Einbrecher sogar, indem sie einfach mal klingeln.

Vorfälle tief in der Nacht, auch „Zufallsbekanntschaften“ von Kriminellen und aufgeschreckten Bewohnern, „kommen zwar vor, sind aber eher selten.“

Alles was Zeit kostet, hält Täter auf

In 42 Prozent der Fälle bleibe es beim Versuch, ins Haus zu gelangen. Die Schutzmaßnahmen, technische wie verhaltensbedingte, bauen darauf, die Widrigkeiten beim Einbruch zu erhöhen. „Die durchschnittliche Einbruchsdauer beträgt 20 Minuten“, so der Berater. Wichtig ist daher, den Zeitwiderstand zu erhöhen. Das leisten etwa Sicherungen an Fenstern und Türen, an denen sich die Täter in 70 Prozent der Fälle auf der Rückseite der Gebäude zu schaffen machen, aber auch Licht, Sicht und Anwesenheitssimulationen. Kann der Nachbar mitbekommen, dass da wer ums Haus schleicht? Sind die Bewohner wahrscheinlich zuhause?

Wenn es dann doch passiert, ist Manuel Schockenhoff auch zu Stelle, wenn der Einbruch Spuren auf der Seele hinterlassen hat. „Schlimmer als der materielle Verlust ist oft die Verletzung der Intimsphäre, wenn alles durchwühlt wurde.“

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