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Nach Corona-Isolation herrscht in den Altenheimen wieder mehr Normalität

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Von: Kira Presch

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Senioren im Garten der Seniorenresidenz Bönen-Königsborn
Die Bewohner der Seniorenresidenz Bönen-Königsborn nutzen inzwischen den Garten der Einrichtung, hier bei einer Pflanzaktion, und nehmen wieder an gemeinsamen Aktivitäten teil. © Jansen/Jornitz

Die Bilder haben sich eingeprägt: Vereinsamte Menschen in Altenheimen, die zum Schutz vor dem Corona-Virus keinen Besuch empfangen dürfen. Das ist glücklicherweise vorbei. Auch in den Bönener Senioren-Einrichtungen gibt es wieder gemeinsame Aktivitäten und Feste. Aber: Ohne Test geht auch weiterhin nichts.

Bönen – Masken zu tragen ist bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr Pflicht, Tests werden kaum noch gemacht, es gibt nur wenig Einschränkungen im Alltag. Es herrscht eine trügerische Sicherheit – „draußen“. „Drinnen“ in den Seniorenheimen sieht das etwas anders aus – hier wird nach wie vor getestet und gescreent, um Infektionen zu vermeiden, das Personal unterliegt der Impfpflicht. Denn Corona ist nicht vorbei, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Zum Tag der Pflege haben wir einen Blick in die beiden Bönener Seniorenzentren geworfen.

Die Bilder haben wir noch im Kopf: Hermetisch von der Außenwelt abgeriegelte Altenheime, um die Bewohner vor dem tödlichen Virus zu schützen. Kein Besuch darf rein, die Bewohner hinter den Fenstern vereinsamen, trotz aller Bemühungen der Mitarbeiter, denn die Umarmung von Familienangehörigen fehlt einfach in dieser schwierigen Zeit.

Keine Corona-Todesfälle in Bönen

Und heute? Auch im Awo-Seniorenzentrum an der Eichholzstraße und in der Seniorenresidenz Bönen-Königsborn an der Heinrich-Wieschhoff-Straße ist man zur Normalität zurückgekehrt, berichten die Leiter der beiden Einrichtungen.

84 Bewohner leben aktuell im Awo-Heim, 41 sind bislang sukzessive in die von der Alloheim betriebene Seniorenresidenz eingezogen, die mitten in der Pandemie nach langer Bauzeit endlich eröffnen konnte. Verschont blieben beide Häuser glücklicherweise von Todesfällen durch Covid 19, mit denen andere Einrichtungen zeitweise in die Schlagzeilen gerieten. Aber trotz aller Vorsichtsmaßnahmen haben beide Einrichtungen im April noch eine Reihe von Infektionsfällen registriert: sechs Infizierte in einer Wohneinheit im Awo-Heim, 15 Infizierte in der Seniorenresidenz Bönen-Königsborn.

Sicherheitsmaßnahmen sind Routine

„Das lässt sich gar nicht hundertprozentig vermeiden“, sagt Krystian Thomann, Leiter der Alloheim-Residenz am Ortseingang Altenbögge. „Die Bewohner können sich ja frei bewegen, gehen einkaufen und Kaffee trinken, haben auch außerhalb Kontakte und erhalten Besuch.“

Ralf Degenhardt-Ruhoff und Christian Prögler (rechts) vor dem Awo-Seniorenzentrum
Die Terrasse ist wieder frei, der Tisch fürs Klönen beim Kaffee bereitet. Leiter Ralf Degenhardt-Ruhoff und Pflegedienstleiter Christian Prögler (rechts) freut es, dass im Awo-Seniorenheim etwas Normalität zurückkehrt. © Presch Kira

„Bei uns gilt deshalb weiter höchste Vorsicht“, sagt auch Ralf Degenhardt-Ruhoff, Leiter der Awo-Einrichtung, „das heißt, die Einlasskontrolle lässt Besucher ohne aktuellen Testnachweis oder Test vor Ort nicht rein.“ Es herrscht Maskenpflicht im Haus, und Mitarbeiter werden täglich getestet. „Es gibt ein tägliches Screening bei den Bewohnern, und sobald Symptome auftreten, wird getestet“, sagt Degenhardt-Ruhoff. Das sei inzwischen ein Stück Alltag geworden und gehöre zur Routine. Das bedeute aber auch einen riesigen zusätzlichen Aufwand für alle Mitarbeiter.

Keine Personaleinbrüche seit der Impfpflicht

„Wir sind stolz darauf, was unsere Mitarbeiter in der Coronazeit zusätzlich leisten. Wichtig ist, dass alle Hand in Hand arbeiten und die Hygieneregeln einhalten.“ Und auch die gute Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden und den Ärzten vor Ort lobt Degenhardt-Ruhoff ausdrücklich.

Bönener Altenheime nutzen den Tag der Pflege, um für den Pflegeberuf zu werben

Sie gilt als die Pionierin der modernen Pflege und verschrieb ihr Leben ganz der Pflege von Senioren und Kranken: Die britische Krankenschwester Florence Nightingale wäre am 12. Mai 202 Jahre alt geworden. Ihr zu Ehren findet jährlich an ihrem Geburtstag der „Tag der Pflege“ statt.

Den nehmen beide Bönener Seniorenzentren zum Anlass, für den Pflegeberuf zu werben. Denn der Bedarf an Pflegekräften wird mit Blick auf die demografische Entwicklung stetig steigen. „Was passiert, wenn nichts passiert? Dann haben wir bald keine Auszubildenden mehr an den Pflegeschulen, und unseren Seniorenzentren bricht der Nachwuchs weg“, sagt Ralf Degenhardt-Ruhoff, Leiter des Awo-Seniorenzentrums Bönen. Die Awo ist Träger von 60 Seniorenzentren im Bezirk Westliches Westfalen und auf qualifizierte Pflegekräfte angewiesen. Der massive Personalmangel spitze sich weiter zu.

Den Vorurteilen gegenüber dem Pflegeberuf als schlecht bezahlt, bei dem man „den ganzen Tag nur Bettpfannen ausleert“, wollen beide Bönener Einrichtungsleiter vermehrte Aufklärung entgegensetzen. „Ein Job in der Pflegebranche ist etwas ganz Besonderes für alle, die Freude am Umgang mit Menschen haben. Es ist eine Arbeit, für die neben fachlicher Kompetenz viel Einfühlungsvermögen und Verantwortungsgefühl nötig ist“, wirbt Krystian Thomann, Leiter der Seniorenresidenz Bönen-Königsborn, die zu Alloheim gehört, einem bundesweit arbeitenden privaten Betreiber von Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtungen. „Florence Nightingale war die Erste, die erkannte, dass es in der Pflege nicht nur um die medizinische Versorgung geht. Pflege erfordert Sorgfalt und Hingabe. Es ist mehr als nur ein Job. Wir brauchen mehr Herzensmenschen in diesem Beruf.“

Die Impfpflicht für Mitarbeiter in der Pflege seit dem 15. März habe in beiden Häusern keine Personalprobleme verursacht. „Bei uns sind alle Mitarbeiter geimpft“, so Thomann. Im Awo-Seniorenzentrum hat die Gesundheitsbehörde einen ungeimpften Mitarbeiter aus dem Job genommen. Das Gesetz gilt zunächst bis zum 31. Oktober.

„Wie die Situation im Herbst ist, das bleibt abzuwarten“, so Degenhardt-Ruhoff. Das hänge davon ab, ob es neue Virus-Varianten gibt, ob die Impfstoffe angepasst werden können.

Endlich wieder gemeinsame Aktivitäten

Bis jetzt wurden im Awo-Seniorenzentrum alle Aktivitäten und Angebote jeweils getrennt in den Wohneinheiten angeboten, um eine Ausbreitung des Virus bei möglichen Infektionen zu vermeiden. Jetzt sollen aber auch wieder Veranstaltungen für alle gemeinsam stattfinden. So wird am heutigen Tag der Pflege, der Geburtstag von Florence Nightingale, der „Mutter“ aller Schwestern und Pfleger, in beiden Häusern gefeiert. Und längst genießen die Bewohner wieder den Aufenthalt an den Tischen draußen im Café der Einrichtung. „Inzwischen finden auch wieder musikalische Nachmittage statt“, so Degenhardt-Ruhoff.

Krystian Thomann vor der Seniorenresidenz Alloheim
Wirbt für den Pflegeberuf: Krystian Thomann, Leiter der Seniorenresidenz Bönen-Königsborn. © Robert Szkudlarek

Offizielle Eröffnung findet verspätet statt

Auch in der Seniorenresidenz Bönen-Königsborn werden wieder zahlreiche Aktivitäten angeboten. „Wir nutzen unseren Garten und bieten Vorträge, oder kreative Beschäftigung an“, berichtet Krystian Thomann. „Neulich hatten wir zum Beispiel einen Kaninchenzuchtverein zu Gast, der seine Tiere mitgebracht hat. Wir würden uns über mehr Kontakte zu hiesigen Vereinen freuen, die uns besuchen. Unsere Türen sind offen für alle, die Aktivitäten für unsere Bewohner anbieten möchten.“

Das nächste große Fest, das nun endlich am 31. Mai in der Seniorenresidenz an der Heinrich-Wieschhoff-Straße gefeiert werden soll, ist die offizielle Eröffnung, die wegen der Pandemie verschoben werden musste.

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