Corona-Maßnahmen

Nach Corona-Gipfel in Berlin: Bürgermeister appelliert an die Verantwortung des Einzelnen

Maske zwischen Laubblättern
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Mit einer Ausweitung der Maskenpflicht auf Plätzen und Straßen ist in Bönen wohl nicht zu rechnen.

Bis in den späten Abend tagten die Ministerpräsidenten der Länder und die Bundeskanzlerin am Mittwoch in Berlin, um angesichts der immer noch hohen Fallzahlen an Neuinfektionen über die Corona-Maßnahmen zu beschließen. Viele Regelungen aus dem November wurden verlängert, einige auch verschärft. Für Bürgermeister Stephan Rotering eine richtige Entscheidung. „Es wundert mich nicht. In ganz Deutschland und im Kreis Unna steigen die Zahlen zwar nicht mehr so stark, aber es gibt eine Seitwärtsbewegung und einen immer noch hohen Inzidenzwert.“

Appell an die Bönener Bürger

Für Rotering ist „ein roter Faden“ im Maßnahmenkatalog zu erkennen, der darin besteht, die Kontakte einzuschränken, um damit Infektionskriterien zu unterbrechen. Dabei ist ihm bewusst, dass auch jetzt nur etwas mehr als ein Prozent der Bevölkerung an Covid-19 erkrankt seien. „Doch darum geht es nicht.“ Vielmehr könnten Gesundheitsämter und Krankenhäuser überlastet werden. „Und das will, glaube ich, keiner.“

Für ihn ist es mit der Festlegung der Maßnahmen aber nicht getan. „Man kann Vorgaben machen, aber entscheidend ist, wie verhalten sich Leute“, sagt er. „Ich kann nur an alle Bürger und Bürgerinnen appellieren, nicht erforderliche Kontakte einzuschränken. Wir müssen alle dazu beitragen, dass die Zahlen rasch runtergehen, damit wieder Lockerungen möglich sind.“ Ab Dezember sollen private Zusammenkünfte auf fünf Personen aus zwei Haushalten beschränkt werden. Rotering hält dies und die anderen Beschränkungen für leistbar und rät zum Blick über den Tellerrand, was in anderen Ländern von den Bürgern zur Eindämmung der Pandemie verlangt wird.

Warten auf die Regelungen vom Land

Die in Berlin getroffen Regelungen, die ab dem 1. Dezember gelten werden, sofern sie nicht bereits seit Anfang November in Kraft sind, müssen nun noch in Düsseldorf ausgearbeitet werden. Dann können der Kreis Unna und die Bönener Verwaltung an die Umsetzung gehen. „Herr Laschet hat zuletzt ausdrücklich betont, dass Alleingänge von Kreisen nicht so gerne gesehen sind“, sagt Kreissprecher Max Rolke.

Mit so einer Aussage fühlt sich die Kreisverwaltung durchaus angesprochen, schließlich war sie Anfang Oktober mit eigenen Maßnahmen vorgeprescht, als der Inzidenzwert über 50 geklettert war. „Wir halten es nach wie vor für richtig“, betont Rolke. Uwe Hasche, der Gesundheitsdezernent, habe jüngst erklärt, dass dadurch viele Quarantänen besonders im Sport vermieden werden konnten.

Mehr Maßnahmen bei Inzidenzwert 200

Auf die Städte und Gemeinden im Kreis könnten dabei stärkere Einschränkungen als bislang zukommen. So haben es die Länderchefs bei einem Sieben-Tage-Inzidenzwert über 200 beschlossen, ohne dabei bislang ins Detail zu gehen, was das zu bedeuten hat. Im Kreis pendelt der Wert zwischen 190 und 210. Montag lag er bei 209, Dienstag bei 197, Mittwoch bei 207, Donnerstag bei 203. „Wir hoffen, dass die Zahlen bei uns sinken, sodass wir gar nicht in die Bredouille kommen“, sagt Rolke. Der Kreis werde abwarten, was das Land festlegt, und dann individuelle Maßnahmen, die aus Kreissicht sinnvoll erscheinen, um die Zahlen zu reduzieren, ergreifen. Klar sei aber, dass man angesichts der schwankenden Zahlen nicht ständig pendeln könne, sondern die Regelungen stets für bestimmte Zeiträume gelten werden.

„Wir müssen irgendwann von den Werten runterkommen“, meint auch Rotering. Dass dazu bei hohen Fallzahlen auch regionale Unterschiede gemacht werden, begrüßt der Bürgermeister. „Auf unterschiedliche Dinge muss man unterschiedlich reagieren“, sagt er. Auf der anderen Seite ist er aber ein Freund eines gemeinsamen Vorgehens im Kreis. „Wenn die Kommunen unterschiedliche Vorgaben machen, kann das keiner verstehen. Ein einheitliches Handeln ist wichtig.“

Maskenpflicht und Feuerwerk

Im Grunde gilt das ebenso bei der beschlossenen Ausweitung der Maskenpflicht auch für belebte Plätze und Straßen sowie ein Verbot von Feuerwerk an Silvester an ähnlichen Orten. Diese Themen will der Bürgermeister zunächst intern besprechen. Auf Bönen bezogen sieht er aber eher keinen Handlungsbedarf. Lieber nimmt er die Menschen in die Verantwortung. Rolke verweist auf bereits getroffene Regelungen zum Beispiel in Lünen, Schwerte und Werne. Wann immer eine Stadt oder Gemeinde den Wunsch habe, eine Sonderregelung auszusprechen, solle sie auf den Kreis zukommen, er schreibe das dann in die allgemeine Corona-Schutzverordnung. „Wir sagen, ‘ihr kennt euch am besten aus’“, so Rolke. Bis Silvester sei zudem noch etwas Zeit.

Weihnachten als Perspektive

Rotering befürwortet, dass auf dem Gipfel in Berlin über eine mögliche Lockerung an Weihnachten gesprochen wurde. „Weihnachten gehört zu unserer Kultur“, sagt er und sieht darin eine wichtige Perspektive für die Menschen, zumal dann die Kitas und Schulen zu hätten und die Menschen mehr zuhause seien. „Viele Familien sind natürlich größer, daher ist das eine Beschränkung.“ Der Bürgermeister möchte auch die Bürger mit ins Boot nehmen, die mit den christlichen Feiertagen nicht so viel am Hut haben. Es gehe schließlich für alle darum, die Zahlen zu senken. „Die Moral muss hoch bleiben.“

Individuelle Lösungen für Schulen

Bei den Schulen soll bei einem hohen Inzidenzwert ab der achte Klasse Wechselunterricht möglich sein. Außerdem sollen durch zu einem erheblichen Teil vom Bund finanzierten zusätzliche angemietete Fahrzeuge mehr Platz in den Bussen für die Kinder und Jugendlichen geschafft werden. Laut Rotering muss hier individuell hingeschaut werden, je nach Bedarf der einzelnen Schule, um dann bezüglich der Fahrer und Infrastruktur eine Lösung mit der VKU angestrebt zu werden. „Ich bin zuversichtlich, dass unsere Schulleitungen das hinbekommen werden, sofern es keine Landesregelungen gibt“, sagt der Bürgermeister. Der Kreis verweist auf die Zuständigkeit der Bezirksregierung und der Schulträger in diesen Punkten.

Sorgen um Kultur und Gastronomie

Mitgefühl zeigt der Bürgermeister für diejenigen, die von den Verlängerungen der Maßnahmen weiter betroffen sind, allen voran die Gastronomie und die kulturellen Einrichtungen, aber auch die Vereine. „Ich hoffe, dass es alle gut durch die Zeit schaffen und mache mir Sorgen, dass es nicht alle überstehen.“ Auch hier kommt er zu seinem Credo, dass alle mitanpacken müssen, die hohen Infektionszahlen zu senken. Bis Impfstoffe für Entspannung sorgten, sei noch einige Zeit zu überbrücken.

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