Prozess vor dem Landgericht

Mutmaßliche Vergewaltigung in Bönen: Angeklagter arbeitet sich durch Chatprotokolle

Schatten Frau
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Ein 38-Jähriger soll eine Frau in Bönen vergewaltigt haben.

Der mutmaßliche Vergewaltiger einer Frau aus Bönen hat in der Untersuchungshaft eine neue Aufgabe gefunden. Jeden Tag liest er stundenlang alte Chatprotokolle – auf der Suche nach einem Beweis für seine Unschuld. Unterdessen wundern sich die Richter am Landgericht Dortmund.

Bönen/Dortmund - Der 38-jährige Angeklagte aus Velbert hatte bereits Mitte Mai beantragt, den kompletten Kurznachrichten- und Mailverkehr zwischen ihm und dem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer aus Bönen auswerten zu dürfen. Zu diesem Zweck solle die Polizei die bei ihm sichergestellten Computer und Telefone durchforsten und alle Dateien auf eine CD brennen. Ende Juni war es dann so weit. Der Angeklagte bekam den Datenträger ins Gefängnis geliefert, wo er nun täglich sechs Stunden Zeit hat, die alten Nachrichten zu lesen. „Er meint, er sei auch schon fündig geworden“, sagte Verteidiger Michael Liedtke am Donnerstag im Prozess.

Mutmaßliches Opfer soll gedroht haben

Der Velberter bestreitet, seine Geliebte aus Bönen im August 2020 zweimal vergewaltigt zu haben. Alles, was damals auf der Couch der Frau passiert sei, habe einvernehmlich stattgefunden, sagt der Mann. „Sie hat mir immer gedroht, mir eine Vergewaltigung anzuhängen, wenn ich sie verlassen sollte.“

Genau nach einer solchen Drohung dürfte der Angeklagte nun in der Masse der alten Kurznachrichten und Mails suchen. Seine Ex-Geliebte erzählte dagegen eine ganz andere Geschichte. Danach habe sie die Beziehung schon Monate vor den Übergriffen beendet. Der 38-Jährige habe sie aber dennoch immer wieder in Bönen besucht und schließlich mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

Weitere Frauen belasten Angeklagten

Tatsache ist, dass der Velberter im Sommer 2020 mit mindestens vier Frauen gleichzeitig Beziehungen führte und dass diese Frauen nichts voneinander wussten. Die Richter wundern sich nun aber über Folgendes: Zwei Frauen sagen aus, dass der Angeklagte auch sie für den Fall einer Trennung bedroht habe. In beiden Fällen soll er angekündigt haben, ihnen die Bandidos oder einen arabischen Clan auf den Hals zu hetzen und sie zu vergewaltigen.

„Die Ähnlichkeiten zwischen den Aussagen sind schon auffällig“, bemerkte die Vorsitzende Richterin Britta Graja am Donnerstag. Die Antwort des Velberters ließ nicht lange auf sich warten: „Vielleicht haben sie sich ja mal auf einen Kaffee getroffen und ihre Aussagen abgesprochen.“ Noch bis Mitte Juli will der 38-Jährige weiter seine alten Chat-Nachrichten durchforsten. Dann könnte sogar schon plädiert werden.

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