Musikkarussell im Präsenzunterricht

Endlich können Kinder wieder ohne einen Bildschirm ihr Instrument lernen

Musikschüler und Lehrer am Klavier mit Trennwand
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Mit Spuckschutzwänden und viel Abstand ist jetzt wieder Unterricht in den Räumen der Bönener Musikschule möglich.

Bönen – Sie dürfen wieder mit ihrem Lehrer in einem Raum üben – live, ohne Bildschirm. Die Schüler des Musikkarussells genießen gerade diese Lockerung nach Monaten, in denen nur Online-Unterricht möglich war. Wie lange es dauern wird? Wer weiß.

„Dabei waren die Lehrer der Bönener Musikschule sehr engagiert und kreativ, um ihre Schüler auch weiter unterrichten zu können“, erzählt Anne Suermann, die pädagogische Leiterin. „Es ist enorm, wie viele Schüler unter diesen schwierigen Bedingungen durchgehalten und uns die Treue gehalten haben und wie viele Eltern das getragen haben“, sagt Anne Suermann voller Bewunderung und Dankbarkeit.

Seit vergangener Woche findet wieder spürbar mehr Präsenzunterricht unter dem Dach der Musikschule am Kirchplatz in Bönen statt. „Der Start war erst etwas zögerlich, Lehrer und Schüler mussten sich erst langsam wieder mit der Situation vertraut machen, dass Präsenzunterricht nach langer Zeit wieder möglich ist“, berichtet Anne Suermann, die selbst ebenfalls unterrichtet.

Fast ausschließlich Einzelunterricht

Während die Musikgruppen – angefangen beim Orchester über den Chor, Folkensemble und die musikalische Früherziehung – seit einem Jahr nicht mehr zusammen musizieren können, sind kleine Gruppen bis zu fünf Personen grundsätzlich erlaubt. „Aber in der Regel findet derzeit nur Einzelunterricht statt“, so Suermann. Dazu gibt es neben den üblichen Regeln wie Maske tragen und Abstand halten auch durchsichtige Spuckschutzwände, um Lehrer und Schüler sicher zu trennen.

Mittlerweile machen viele Schüler von dem Angebot Gebrauch und kehren zum Präsenzunterricht zurück. „Es ist eben etwas ganz anderes, ob man gemeinsam in einem Raum musiziert oder ob man nur über einen kleinen Bildschirm verbunden ist“, sagt Anne Suermann auch aus eigener Erfahrung. „Es geht ja nicht nur um den Klang eines Stückes, es geht auch um die Körperhaltung, die Haltung der Finger – das kann der Lehrer auf dem kleinen Bildschirm nur ansatzweise beurteilen.“

Lehrer mit kreativen Ideen

Schwierig werde es etwa bei denen, die ein Saiteninstrument erlernen wie Geige oder Gitarre. „Wer niemanden zu Hause hat, der das Instrument stimmen kann, der spielt irgendwann auf einem ziemlich verstimmten Instrument.“ Es sei schon hilfreich, wenn der Schüler hört, wie es richtig klingt. „Deshalb habe ich neulich eine Mutter per Videokonferenz eine Stunde lang instruiert, was sie tun muss, damit das Instrument ihres Kindes wieder so klingt, wie es soll“, erzählt Anne Suermann. Not macht eben erfinderisch.

Flötenunterricht online - lange war nur der Kontakt über Laptop oder Tablet möglich.

Das gelte vor allem für das Musikschulkollegium. „Die Lehrer sind unglaublich engagiert und kreativ, um ihre Schützlinge auch weiter in der Pandemie betreuen zu können. Die Lehrer haben immer wieder Stundenpläne umgemodelt und angepasst, und mit allem unterrichtet was sie hatten, ob Handy, Laptop oder Tablet, Skype, Zoom-Konferenz oder Facetim. „Dazu schickten die Pädagogen Noten zu ihren Schülern und kleine Video-Tutorials. Die haben sich echt was einfallen lassen.“

Tücken des Online-Unterrichts

Wenn es das Internet hergab. „Manchmal hatten Schüler und Lehrer gerade alles aufgebaut und wollten loslegen, dann brach die Verbindung zusammen“, erzählt Anne Suermann von den Tücken des Online-Unterrichts. Ein weiteres Problem sei, dass viele Familien jetzt alle Termine online machen mussten. Da konkurrierte der Musikunterricht mit den Hausaufgaben und dem Homeoffice der Eltern. Schließlich gibt es nicht in jeder Familie für jedes Mitglied ein Endgerät. Und wenn die Tochter die Geige auspackt, während die Geschwister drumherum toben, ist der Erfolg vielleicht auch nicht so groß wie in einer konzentrierten Unterrichtsstunde im Musikkarussell. Aber auch hier gilt: besser als nichts.

Keine Impfung für Musikschullehrer

Um so glücklicher seien viele Schüler, dass sie nach so langer Zeit endlich wieder mit ihrem Lehrer richtig üben konnten. Bleibt trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Restrisiko. „Unsere Lehrer werden nur geimpft, wenn sie auch an einer Schule unterrichten“, so Suermann.

Herzlich willkommen in der Musikschule: Schüler und Lehrer freuen sich über den Live-Unterricht. Wie lange der Unterricht noch vor Ort stattfinden darf, ist ungewiss.

Wie lange der Präsenzunterricht an der Bönener Musikschule weiter möglich sein wird, das kann aktuell niemand abschätzen. „Wenn ich die Inzidenzzahlen sehe, dann gehe ich davon aus, dass uns ein weiterer Lockdown passieren könnte und wir wieder schließen müssen – alles andere wäre blauäugig“, sagt Anne Suermann auch ganz offen. „Wir müssen da flexibel sein.“

Den Kindern Motivation geben

Warum hat das Musikkarussell dennoch jetzt wieder seine Türen geöffnet, wenn die Möglichkeit für Präsenzunterricht möglicherweise begrenzt ist? „Es war uns wichtig, diesen Aufwand zu betreiben, weil wir sehen, wie die Kinder aufblühen, wenn sie nicht nur alleine vor einem Bildschirm spielen, sondern auch einmal mit dem Klavier oder der Gitarre vom Lehrer begleitet werden. Das musikalische Miteinander, das ist das, was unser Herz berührt“, weiß Anne Suermann. Das gibt den Schülern Aufwind und Motivation, durchzuhalten – auch wenn wir noch mal zum Online-Unterricht zurückkehren müssten.“

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