Musikförderunterricht am MCG wird ausgesetzt: Förderverein kündigt Instrumentallehrern

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Abschlusskonzerte, wie hier das der Streicherklasse 2014, fänden am MCG nicht mehr statt, kritisieren Eltern, die einen Abbau des Musikförderprogramms beklagen.

Bönen – Der Musikförderunterricht am Marie-Curie-Gymnasium scheint am Ende zu sein. Das Förderprogramm, das 2008 am Bönener Gymnasium eingeführt wurde, und seitdem mit Erfolg in den fünften bis siebten Klassen in Kooperation mit Förderverein und Instrumentallehrern des Musikkarussells durchgeführt wurde, soll vorerst beendet werden.

Der Förderverein hat jetzt gegenüber dem WA eingeräumt, dass die Verträge aller vier Instrumentallehrer zum 30. Juni gekündigt werden, weil es keine Planungsgrundlage mehr gebe. Viele betroffene Eltern sind unzufrieden mit der derzeitigen Situation und bemängeln, dass es vonseiten der Schulleitung keine konkreten Informationen gibt. 

Noch im Oktober 2019, als die Anmeldungen für die neue Jahrgangsstufe fünf des MCG stattfanden, hatte Schulleiter Dr. Peter Petrak verkündet, dass die Schule ihr Musikprofil weiter ausbauen wolle. „Die Umstellung auf ‘G9’ bedeutet, dass dieser Profilschwerpunkt eine stabile Grundlage bekommt“, so Petrak damals. 

Das Förderprogramm starte im zweiten Halbjahr – also ab Februar. Bis dahin sollten die Fünftklässler in Schnupperstunden die Gelegenheit haben sich zu entscheiden, ob sie beim Basis-Musikunterricht mit Blockflötenunterricht bleiben, oder ob sie in die Bläser- oder die Streicherklasse wechseln, um dort ein Instrument zu erlernen. Das habe aber bis heute nicht stattgefunden, bemängeln Eltern. 

Am 22. Januar verkündete Schulleiter Petrak bei einem Elterninformationsabend für die fünften Klassen plötzlich, ab 1. Februar könnten sich die Eltern für folgende Schwerpunkte entscheiden: Streicherklasse, Englisch oder Kunst. Konkrete Konzepte für die neuen Angebote habe es, so die verblüfften Eltern, allerdings nicht gegeben. Dieses Angebot gebe es in dieser Form nicht mehr, so Dr. Peter Petrak jetzt gegenüber dem WA. 

Eltern kritisieren mangelnde  Information durch die Schulleitung

Viele Eltern, die namentlich nicht genannt werden wollen, weil sie bei offen geäußerter Kritik Nachteile für ihre Kinder fürchten, kritisieren inzwischen, dass es keine Informationen von der Schulleitung gebe, wie es mit dem Förderprogramm weitergeht. 

Das besondere Musikprofil der Schule sei ein Grund, warum sie ihre Kinder am MCG angemeldet haben. Seit den Sommerferien 2019 laufe der Förderunterricht nur noch auf Sparflamme mit einem statt wie bisher zwei Lehrern. Die Qualität leide erheblich darunter, weil die einzelnen Lehrer in dieser Zeit auch Instrumente stimmen müssen, während der Unterricht nicht weitergeführt werden könne. 

Bei Eltern und Kindern habe sich da viel Frust aufgebaut – nicht zuletzt, weil Orchesterproben und gemeinsame Konzerte nicht mehr stattfänden, berichtet eine Mutter. „Wir haben das Gefühl, das Programm, das so lange gut funktioniert hat, wird vor die Wand gefahren.“ 

Schulleiter Dr. Peter Petrak

„Es muss getrennt werden zwischen dem lehrplangemäßen zweistündigen Musikunterricht in den Jahrgängen fünf und sechs für alle Schüler und dem Instrumentalunterricht für die Schüler, deren Eltern darauf Wert legen“ so Schulleiter Dr. Peter Petrak.

„Dieser Instrumentalunterricht wird durch den Förderverein des MCG organisiert. Die Räume und die Instrumente werden von der Kommune bereit gestellt. Der Förderverein organisiert den Instrumentalunterricht, bezahlt die Instrumentallehrer außerhalb des Unterrichtsangebotes der Schule. Ich begrüße das als Schulleiter und unterstütze das auch. Weitere Unterrichtsstunden können von Seiten der Schule nicht zur Verfügung gestellt werden. Das ist ausschließlich Sache des Fördervereins und gegebenenfalls der Kommune.“

Der Schulträger – die Gemeinde Bönen – sei nicht zuständig für die Umsetzung des Instrumentalunterrichts, so hingegen der Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte. „Wir begleiten das wohlwollend, sind aber an den Planungen nicht beteiligt.“ „Wir sind gerade dabei, uns angesichts des Wechsels von G8 auf G9 konzeptionell neu aufzustellen und ein neues Profil zu erstellen“, so Schulleiter Petrak.

Kein Musikförderunterricht für die fünften Klassen

„In den sechsten Klassen haben wir eine Instrumentalklasse Bläser – das läuft ganz normal weiter. Für die fünften Klassen wird es in diesem Schuljahr keinen Musikförderunterricht geben. Wir müssen aufgrund des Wechsels zu G9 bei der Bezirksregierung in Arnsberg eine neue Planung hinterlegen.“ Die Profilbildungsphase soll bis Ende des Schuljahres abgeschlossen sein. Dann soll ein neues Konzept vorgestellt werden. Petrak geht davon aus, dass das Musikförderprogramm grundsätzlich weiter laufen könne. 

Ein weiteres Problem sei, dass sich personelle Veränderungen ergeben hätten, was zu punktuellem Lehrermangel im Fach Musik geführt habe. „Die Vorgabe ist, dass der Musikförderunterricht nicht allein von den Instrumentallehrern durchgeführt wird, sondern immer auch ein Musiklehrer des MCG anwesend sein muss. Wir müssen abwägen, wie wir Lehrer einsetzen, die sowohl Musik als auch andere Fächer unterrichten.“ 

Eine Bläserklasse wird es für die fünften Klassen am MCG voraussichtlich nicht mehr geben.

Laut Auskunft der Bezirksregierung Arnsberg liegt die Lehrerversorgung am Bönener Gymnasium derzeit bei 105 Prozent. Die Bezirksregierung spricht zwar von einem leichten Lehrerüberhang, aber fachspezifischen Engpässen im Fach Musik. 

Weil keine eindeutige Kommunikation mit der Schule stattfinde, hat der Förderverein jetzt erst mal die Reißleine gezogen, um Kündigungsfristen in den Verträgen mit den Instrumentallehrern einzuhalten. Ob das Musikförderprogramm im kommenden Schuljahr im gewohnten Umfang oder überhaupt noch weiter geführt wird, ist demnach ungewiss.

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