Mülltrennung: Zu viel Wertvolles landet immer noch im Restmüll

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Immer häufiger landet der falsche Müll in der schwarzen Tonne.

Bönen – In unseren Mülltonnen findet sich weniger Restmüll als noch vor 35 Jahren – das ist die gute Nachricht einer Studie – zumindest, was das Jahr 2019 betrifft. Die schlechte Nachricht: Wir packen immer mehr Bioabfall und Wertstoffe in den Hausmüll. Und seit Corona produzieren wir alle wieder mehr Hausmüll.

„Zu viel Wertvolles landet am Ende in der Müllverbrennungsanlage, das anderweitig verwendet werden könnte“, bestätigt Andreas Hellmich, Sprecher der Kreisentsorgungsgesellschaft GWA, das Phänomen auch in Bönener Tonnen. 

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie verändern sich diese Ergebnisse allerdings auffallend: Wir produzieren wieder mehr Müll, weil wir mittlerweile immer mehr ins Haus liefern lassen. „Schlecht sortierter Müll kostet den Bürger am Ende bares Geld, denn die Rohstoffe, die hier verloren gehen, würden – korrekt sortiert – an anderer Stelle recycelt und verkauft werden können“, betont GWA-Sprecher Andreas Hellmich. 

In Corona-Zeiten produzieren wir mehr Müll 

In den vergangenen Monaten seit Ausbruch der Corona-Pandemie beobachtet die GWA aber eine deutliche Abkehr von den Ergebnissen der Studie. Die Menschen produzieren wieder mehr Restmüll und mehr Verpackungsmüll. „Die Menschen bleiben zu Hause, kaufen im Internet und lassen sich die Waren ins Haus liefern. Das sorgt für mehr Restmüll bei der Müllabfuhr, aber auch für größere Mengen Papier, Pappe, Kartonagen“, weiß der GWA-Sprecher. 

Die Wertstoffhöfe haben in den vergangenen Monaten viel mehr Anlieferungen bekommen, weil viele die Zeit zu Hause genutzt hätten, um Garagen und Dachböden zu entrümpeln. Weil auch Bauprojekte in Haus und Garten jetzt verstärkt durchgeführt wurden, werden mehr Sperrmüll, Bauschutt und Holz als sonst angeliefert. 

Sorge macht dem Sprecher der GWA aber die Mülltrennung. „Umweltfreundliches und effizientes Recycling von Wertstoffen ist ein wichtiger Weg, um unsere Umwelt zu schonen und wertvolle Ressourcen zu schützen. Die richtige Trennung und Entsorgung hilft darüber hinaus auch, die Gebühren zu stabilisieren“, sagt Andreas Hellmich. 

Was so alles im Restmüll landet, hat die GWA in dier Grafik aufgelistet.

Eigentlich ist Mülltrennung kein neues Thema, und wird seit Jahren praktiziert. Daher dürften in der Restmülltonne eigentlich viele Dinge nicht mehr zu finden sein. In der Praxis sieht es jedoch anders aus und es landen immer noch viele Abfälle in der Restmülltonne, die dort nicht hingehören. Sie werden in der Müllverbrennungsanlage verbrannt und damit nicht mehr verwertbar. Das ergab vor kurzem eine Analyse der GWA, bei der Proben aus 55 000 Tonnen Hausmüll untersucht wurden.

Mit mindestens 25 Prozent bis zu einem Drittel machen Küchen und Gartenabfälle den größten Teil der Abfälle aus, die nicht in die Restmülltonne gehören – aber dennoch immer wieder dort landen. Über die Biotonne wären also mindestens ein Viertel der Abfälle kompostierbar. 

Der Kotelettknochen gehört nicht in den Restmüll

„Die Entsorgung über den Restmüll ist nicht nur nicht erlaubt und ökologisch nicht akzeptabel, sondern auch aus Kostengründen abzulehnen“, sagt der Leiter der Abfallberatung der GWA. Denn die Entsorgung in der Müllverbrennungsanlage kostet rund 100 Euro pro Tonne mehr als die Verwertung in der Vergärungsanlage. Bei rund 13600 Tonnen Bioabfall im Restmüll kostet das den Gebührenzahler rund 1,4 Millionen Euro jährlich zusätzlich, rechnet Hellmich vor.

„Um Bioabfall und Restmüll vorschriftsmäßig trennen zu können, müssen Bürger entweder eine Biotonne beantragen oder nachweisen, dass sie in der Lage sind, auf ihrem Grundstück den Bioabfall zu kompostieren, ohne dass eine Beeinträchtigung etwa durch störende Gerüche oder Ungeziefer entsteht“, erläutert der zuständige Sachbearbeiter bei der Gemeinde, Maximilian Drexler. Nur mit diesem Nachweis können sie sich vom Benutzungszwang befreien lassen. 

Alle Stoffe, die so der Kompostierung zugeführt werden, müssen organischen (pflanzlichen oder tierischen) Ursprungs sein. Die Entsorgung organischer Stoffe darf nicht über die Restmülltonne erfolgen. In der Gemeinde ist das Verhältnis der Anzahl der Biotonnen zu den angemeldeten Restmüllgefäßen grob gerechnet ein Drittel zu zwei Dritteln. 

Ein Drittel der gebührenpflichtigen Gefäße sind Biotonnen

„Insgesamt sind aktuell 9107 gebührenpflichtige Müllgefäße angemeldet – Biomüll- und Restmüllgefäße“, so Drexler. Davon sind 1335 Biotonnen mit 120 Litern Fassungsvermögen und 1410 Biomüllgefäße à 60 Liter – 2745 Biomüllgefäße sind also insgesamt angemeldet in der Gemeinde. Rein rechnerisch wären 6362 Bönener Haushalte ohne Biomülltonne. 

„Das lässt sich so einfach aber nicht umrechnen“, erläutert Drexler, „denn wir haben viele Häuser mit mehreren Haushalten, die sich eine Biotonne teilen.“ Dennoch räumt er ein, dass bei der Versorgung mit Biotonnen und bei der Müllsortierung in Bönen noch Luft nach oben sei. Den zweitgrößten Posten mit rund acht Prozent Anteil bilden fehlsortierte Folien, Kunststoffe oder Verbundstoffe. Das macht rund 4000 Tonnen aus, die über die Wertstofftonne kostenlos entsorgt werden können. So belasten sie den Gebührenhaushalt mit rund 800 000 Euro pro Jahr“, weiß GWA-Sprecher Hellmich. 

Mehr Aufklärung gegen falsche Würfe

Auch Papierabfall gehört nicht in die Restmülltonne – weiß eigentlich jeder. Aber es landen immer noch drei Prozent im Hausmüll, die nicht recycelt werden können. Kreisweit wird Papier im Wert von rund 100000 Euro pro Jahr gemeinsam mit dem Restmüll verbrannt. „Papier ist viel zu schade für den Restmüll“, sagt Andreas Hellmich „Der Abfall kann nämlich noch Vergütung bringen und damit Gebühren stabilisieren und darüber hinaus natürlich die Umwelt schonen.“ 

Auch Metalle, rund 450 Tonnen Elektrogeräte, Holz, Lacke, Lösemittel und Spraydosen sowie Batterien findet die GWA in der Restmülltonne. „Da ist auch weiterhin Aufklärungsarbeit sehr wichtig“, so Maximilian Drexler. Denn die Zahlen, die die GWA kreisweit ermittelt hat, entsprechen leider auch dem Sortierverhalten in Bönen.

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