Bönener Firmen bereiten sich auf neue Verordnung vor

Mitarbeitertests belasten die Kassen der Unternehmen zusätzlich

zwei Mitarbeiterinnen am Tresen bei Friseur Schulte
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Im Salon „Schulte – Susanne und Team“ wartet man noch auf die Tests, die zurzeit nicht lieferbar sind.

Bönen – Es wird nicht ganz billig, wenn Unternehmen ab Montag ihren Mitarbeitern Selbsttests zur Verfügung stellen müssen. Die neue Verordnung gilt zunächst bis Ende Juni. Auch Bönener Arbeitgeber ordern derzeit Testmaterial und hoffen, dass sie es rechtzeitig erhalten.

Bisher war die Testung der Mitarbeiter in den Unternehmen freiwillig, ab kommender Woche sind Firmen nach der aktuellen Arbeitsschutzverordnung, die am Dienstag beschlossen wurde, verpflichtet, auf ihre Kosten Angestellten Selbst- oder Schnelltests zur Verfügung zu stellen, die nicht dauerhaft im Homeoffice arbeiten können. Wie wird die neue Verordnung, die für die Unternehmen auch eine zusätzliche finanzielle Belastung bedeutet, in Bönener Unternehmen umgesetzt? Wir haben nachgefragt.

Verwaltung

Auch die Gemeindeverwaltung Bönen muss als Arbeitgeber ab Montag allen Mitarbeitern Tests zur Verfügung stellen, die nicht von zu Hause aus arbeiten können. Derzeit zählt die Gemeinde Bönen 120 Beschäftige insgesamt, die in der Verwaltung, im Bauhof, in der Bücherei, als Hausmeister und Schulsekretärinnen arbeiten. Nach Auskunft von Verwaltungschef Stephan Rotering sind darunter 67 Verwaltungsmitarbeiter, von denen 42 die Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten – also 63 Prozent, die teilweise im Wechsel im Homeoffice arbeiten.

„Bisher haben wir keine Tests angeboten. Wir schaffen jetzt sogenannte Selbsttests an. Ich hoffe, dass wir nicht lange warten müssen und die Tests in ausreichender Menge vorhanden sind. Für uns als Arbeitgeber ist die Bereitstellung jetzt verpflichtend, mindestens einmal pro Woche einen Test zur Verfügung zu stellen, was grundsätzlich auch vernünftig ist, um das Infektionsgeschehen zu reduzieren“, so Rotering. „Für die Mitarbeiter ist der Test freiwillig. Wir können niemanden verpflichten, den Test zu machen und haben auch keine Möglichkeit, das Ergebnis zu sehen.“

Die Selbsttests können zu Hause durchgeführt werden, sodass im Fall eines positiven Ergebnisses der Betroffene direkt zu Hause bleibt und einen Termin für einen PCR-Test vereinbart und sich im schlechtesten Fall direkt in Quarantäne begibt.

Rotering geht davon aus, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Testmöglichkeit wahrnehmen und Verantwortung übernehmen.

„Wir überlegen, die Frequenz für die sensibleren Bereiche, in denen die Mitarbeiter mehr Bürgerkontakt haben – wie beispielsweise im Ordnungsamt, im Bürgerservice und am Empfang im Rathaus – zu erhöhen und dort mehr Tests durchführen.“

Der Bürgermeister kündigt überdies an, dass die Gemeinde auch vor den kommenden Ausschuss- und Ratssitzungen für Ratsmitglieder und Mitarbeiter der Verwaltung Selbsttests zur Verfügung stellen will, um das Infektionsrisiko zu minimieren. „Aber egal, wie viel wir testen, die Lösung liegt darin, möglichst viele Menschen rasch zu impfen. Impfstoff ist aber nach wie vor knapp.“ Die Teststrategien seien Überbrückungsvehikel, um das Infektionsgeschehen frühzeitig zu erkennen und Infektionsketten zu vermeiden.

Friseur

Besonders engen Kontakt zu ihren Kunden haben bekanntlich Friseure. Sie dürfen wieder öffnen und Haare schneiden, auch ohne dass Kunden einen negativen Testnachweis erbringen müssen. Ab Montag müssen allerdings Anbieter von körpernahen Dienstleistungen ihren Mitarbeitern mindestens zweimal wöchentlich kostenlose Selbsttests zur Verfügung stellen, damit diese sich regelmäßig testen können.

„Die Tests sind bestellt, aber noch nicht lieferbar“, berichtet Ute Kaminski, Inhaberin des Friseursalons „Schulte – Susanne und Team“ in der Fußgängerzone. In der Bönener Filiale sind drei Mitarbeiterinnen beschäftigt, zudem führt sie fünf Salons in Hamm. Jetzt, wo alle Unternehmen Testmaterial ordern müssen, komme es zu Engpässen, ist ihre Erfahrung.

„Der Beleg als Nachweis für die Bestellung reicht aber erst mal, bis die Tests eintreffen, falls kontrolliert wird“, sagt Ute Kaminski. Sie geht davon aus, dass alle Mitarbeiter die Tests auch nutzen werden.

Dachdecker

Frank Hellmich, Inhaber der Dachbaufirma Hellmich, hat die Tests für sich und seine sechs Mitarbeiter als Innungsmitglied bei der Kreishandwerkerschaft Hellweg, die für die Bezirke Unna und Soest zuständig ist, gekauft. „Dort beziehen wir auch FFP2-Masken und Desinfektionsmittel zu moderaten Preisen und profitieren von den zentralen Sammelbestellungen.“ So müsse sich nicht jeder Handwerksbetrieb einzeln darum kümmern. Bis Juni gilt die neue Verordnung vorerst, bis dahin werden in seinem Handwerksbetrieb mindestens 50 Tests je 6 Euro fällig, überschlägt Hellmich. Das macht 300 Euro.

Aber, sagt Hellmich: „Jeder, der als positiv durch die Tests rausgefiltert wird, der steckt niemanden weiter an. Insofern finde ich die Tests durchaus positiv. Alles, was die Pandemie eindämmt, ist gut. Wenn man sieht, dass die Zahl von einer Million Corona-Toten in der EU inzwischen überschritten ist, dann ist das eine erschreckende Zahl.“

Eine Teillieferung der Tests hat er bereits erhalten – und die wird auch gleich genutzt: „Am Donnerstag sind wir auf einem Seminar und müssen uns testen.“

Rewe-Geschäftsführer Adam Karwoth hält sowohl für Mitarbeiter als auch für Kunden Selbsttests bereit.

Einzelhandel

Adam Karwoth, Inhaber von Rewe Karwoth, stellt die Selbsttests seinen 70 Mitarbeitern seit etwa drei Wochen zur Verfügung. „Wir erhalten ein Kontingent von der Rewe-Zentrale für unsere Mitarbeiter, aber auch Kunden können die Selbsttests kaufen.“ Allerdings erhält er die Tests nicht kostenlos von der Firmenzentrale, er muss sie als Partner der Rewe bezahlen. Bei 70 Mitarbeitern komme da schon eine Summe zusammen.

„Es gibt keine Testpflicht, aber jeder, der das tun möchte, hat die Möglichkeit“, sagt Karwoth unter Hinweis auf die Tatsache, dass seine Mitarbeiter im Lebensmittelhandel besonders viele Kundenkontakte haben. Einkaufen muss schließlich jeder. „Es sind nicht alle Mitarbeiter, die das Angebot bisher nutzen, aber einige.“ Die Tests sollen zu Hause gemacht werden. Bei einem positiven Ergebnis würde der Angestellte seine Kollegen nicht gefährden..

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