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Mit der Gastronomie ist es vorbei: Haus Kreutz wird umgebaut

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Von: Markus Liesegang

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Das Foto aus dem Gemeindearchiv zeigt noch den alten Krämerladen neben der Gaststätte.
Das Foto aus dem Gemeindearchiv zeigt noch den alten Krämerladen neben der Gaststätte. © Gemeindearchiv

Nächstes Kapitel in der langen Geschichte einer Gaststätte: Das Haus Kreutz in Bönen wird zu einem Wohnhaus umgebaut. Zuletzt empfing ein Grieche dort seine Gäste.

Bönen – 54 Jahre bestand die Gaststätte Haus Kreutz am Kletterpoth 91. Zuletzt wurden dort Gyrosteller und Moussaka serviert. Das Leuchtschild des griechischen Restaurants Rhodos hängt längst nicht mehr, das des Hauses Kreutz über der Eingangstür immer noch. Die Gaststätte mit dem beliebten Biergarten im Schatten der riesigen Rotbuche wird zum Wohnhaus. In das ziehen Elsbeth Kreutz und Enkelsohn Christian Solny mit seiner Familie ein. Im Mehrfamilienhaus wohnen bleibt Kreutz' Schwiegersohn Rainer Solny.

Ebenerdiges Wohnen

„Er zieht in meine Wohnung unten, das erste Obergeschoss und das Dachgeschoss werden vermietet“, erklärt Elsbeth Kreutz. Die 88-Jährige freut sich auf ihr neues, ebenerdiges Heim in ihrer ehemaligen Gaststätte. Bis sie dort einziehen kann, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen. „Ich denke, Ende des Jahres kann Oma hier einziehen“, setzt Christian Solny einen Termin für die 100 Quadratmeter große Wohnung. Die Baugenehmigung sei endlich da. „Das ging recht flott. Sehr lange gedauert hat hingegen die Bauvoranfrage mit Nutzungsänderung“, ergänzt Ehefrau Lea.

Elsbeth Kreutz zieht mit ihrem Enkelsohn Christian Solny, dessen Ehefrau Lea und den Kindern Mailin und Lennard in die Räume der ehemaligen Gaststätte.
Elsbeth Kreutz zieht mit ihrem Enkelsohn Christian Solny, dessen Ehefrau Lea und den Kindern Mailin und Lennard in die Räume der ehemaligen Gaststätte. © Markus Liesegang

Die 33-jährige Tochter von Unnas Stadtführer Wolfgang Patzkowsky wohnt mit Mann und den Kindern Mailin (4) und dem acht Monate alten Lennard momentan etwas beengt nebenan.

Im neuen Heim wird jeder ein Zimmer bekommen. „Und ich brauch ein Büro“, ergänzt die Lehrerin. Den Großteil der geplanten 230 Quadratmeter im ehemaligen Saal der Gaststätte wird allerdings der offene Wohn-/Essbereich einnehmen.

Komplett neuer Dachstuhl

Der Umbau sei aufwendig, da der Dachstuhl inklusive Ziegeldeckung komplett neu gemacht werde, sagt Christian Solny. Das Problem seien wie überall auf dem Bau die Handwerker. „Material haben wir frühzeitig geordert“, sagt der 38-jährige Justizvollzugsbeamte – unter anderem eine der inzwischen raren Luftwärmepumpen.

Eigenleistung einzubringen, sei geplant. Christian Solny ist gelernter Kfz-Mechatroniker, kann also selber Handwerk. Außerdem habe er einige im Bekanntenkreis.

„Tut mir nicht leid“

Sie selbst bedauere das Ende von Haus Kreutz weniger. „Mir tut die Schließung nicht leid“, betont Elsbeth Kreutz, „ich habe nicht mehr so viel Aufregung wegen der Pächter. Im Dorf heißt es zwar immer noch: der schöne Biergarten – schade.“ Der Zeitpunkt der Schließung wäre aber stimmig. „Der Grieche sollte der letzte Pächter sein“, hatte die Familie beschlossen.

Im März 2021 starb Elsbeth Kreutz' Ehemann Manfred mit 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls und einer Covid-Infektion. „Kurz bevor es die Impfe gab“, blickt Kreutz auf die gemeinsame Geschichte zurück.

Rumpsteak und Gulasch

Die beiden hatten die Gaststätte Hartmann 1968 zunächst ebenfalls gepachtet. „Ich hab vorher schon dort mit bedient, bevor Hartmanns nach Königsborn gingen“, sagt die gelernte Fotolaborantin. „Manfred musste ich überreden, den Schritt mitzugehen“, erinnert sich Elsbeth Kreutz. „Er wurde dann mit seiner ruhigen Art schnell beliebt.“ Den Maurer habe nichts und niemand aus der Ruhe bringen können. „Wir hatten damals erst eine sehr kleine Küche und einen kleineren Saal. Beliebt waren das Rumpsteak, Schnitzel, Schaschlik oder auch Gulasch, das wir in einem riesigen Pott gekocht haben“, erzählt Kreutz von der kulinarischen Ausrichtung.

Die wilden Bienen

Bei Familienfeiern nutzte die Küchenmannschaft mit ihr, Mutter Caroline Stief und Nachbarin „Tante“ Ilse Buske die große Küche von Gustav Hartmann im Wohnhaus. „Den Opa Hartmann haben wir quasi mit übernommen.“ Er betrieb in den Pachtjahren einen kleinen Krämerladen neben dem damaligen Eingang der Gaststätte hin. „Auf dem Holzschild hier ist beides noch zu sehen.“ Das Geschenk des Kegelclubs „Die flotten 13“ werde in der Wohnung aufgehängt, betont Lea Solny. „Wir hatten auch einen Kegelclub: die wilden Bienen“, wirft Kreutz ein. Donnerstagnachmittags rollte die Kugel. „Bis ich in die Küche gerufen wurde. Ich stand dort immerhin 20 Jahre am Herd, mich kannten die Stammgäste kaum.“

Kein Aprilscherz

1997, „am 1. April“, übernahmen Tochter Petra und Schwiegersohn Rainer die Gaststätte, die die Eltern 1983 gekauft hatten. „Ein Aprilscherz! Nein, es ist so weit. Elsbeth und Manfred sind es leid“, verabschiedeten die Radler um Ortsvorsteher Jürgen Kolar, Wolfgang Menges und Werner Kerl das Gastwirtepaar per Gedicht in den Ruhestand. Die Gruppe – „ich glaube, Bürgermeister Rainer Eßkuchen war auch dabei“ – fuhr regelmäßig in den Biergarten ein. „14 Jahre, bis Petra gestorben ist, haben die beiden das gemacht“, erklärt Kreutz. Danach hätten Sandra Middendorf und Sascha Peifer zwei Jahre versucht, ihre „Gourmetküche“ den Bönenern schmackhaft zu machen. „Und dann übernahm der Grieche (Nikolos Sotsos), bis er schwer erkrankte und aufgeben musste“, schildert Kreutz.

Kegelbahn verkauft

Die Kegelbahn, Küche und sonstige Einrichtungsgegenstände von Haus Kreutz wurden bereits verkauft. „Bis auf den Edelstahlschrank hier. Den nutzen wir als Outdoorküche“, sagt Lea Solny. „Eigentlich hätten wir auf der Kegelbahn noch zwei Kindergeburtstage feiern können“, bedauert Christian Solny. Nur kurz, denn der Enkel der Gründerin hatte mit der Gastwirtschaft nie etwas zu tun.

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