Schickere Fußgängerzone, schönerer Park / Neuer Mountainbike-Parcours

Ministerin Scharrenbach überbringt Förderbescheid - und geht mit der Bönener Familie spazieren

Am noch improvisierten Mountainbike-Parcours erklärt Fachbereichsleiter Robert Eisler Ministerin Scharrenbach, was mit „ihrem“ Geld geplant ist. Bürgermeister Stephan Rotering (M.) und SPD-Fraktionschef Dirk Lampersbach schauen zu.
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Am noch improvisierten Mountainbike-Parcours erklärt Fachbereichsleiter Robert Eisler Ministerin Scharrenbach, was mit „ihrem“ Geld geplant ist. Bürgermeister Stephan Rotering (M.) und SPD-Fraktionschef Dirk Lampersbach schauen zu.

365.000 Euro für den Sportpark am Turm, 130.000 für neue Ideen zur Fußgängerzone samt Park um den Gemeindeteich: Keine Frage, dass Ministerin Ina Scharrenbach in Bönen herzlich willkommen war. Aber das hat auch tieferliegende Gründe:

Bönen – Ministerbesuch – das klingt nach Protokoll, steifer Etikette und anstrengenden Artigkeiten. Aber davon kann hier keine Rede sein. „Hallo Ina. Schön, dass du uns besuchen kommst“, empfängt Bürgermeister Stephan Rotering die NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, kaum dass sie dem Fond des Dienstwagens entstiegen ist.

Den guten Anzug samt Krawatte hat er im Schrank gelassen. Leger sind auch die Spitzen der Ratsfraktionen erschienen. Schick ist hier nur der Gast, der formal aus Düsseldorf und von vorhergehenden Terminen anreist, im selben Moment aber als die vertraute Nachbarin aus Kamen erscheint. Heimat eben.

Es hat mehr etwas von Familienbesuch

Diese Begegnung am späten Mittwochnachmittag vor der wenig repräsentativen Kulisse des Bahnhofs hat mehr etwas von Familienbesuch. Kein beiläufiger jedoch, mehr so von der Art, wenn die reiche Tante kommt – um sprachlich mal im Bild zu bleiben. Die Freude, speziell der Parteifreunde Detlef Pilz und Torsten Goetz, und gelöste Stimmung bei Petra Baumgart (Grüne), Ralf Kappelhoff, Thomas Köster und Dirk Lampersbach (beide SPD) sind zweifellos echt. Aber eben auch deswegen, weil Ina Scharrenbach, der sinnbildlichen Patentante gleich, zum Schluss der Visite die Handtasche aufmachen wird.

Bürgermeister Rotering spendiert ein Eis

Der „Taler“ darin ist sechsstellig: 365 000 Euro Zuschuss (90 Prozent) aus dem „Investitionspaket Sport“ und 130 000 (80 Prozent) aus dem Städtebautopf „Lebendige Zentren“. Kein Wunder, dass hier alle bester Dinge sind. Das schließt Ina Scharrenbach mit ein. Und das liegt nicht an der Kugel Eis, die der Bürgermeister – unter allerlei Stichelei zur Haushaltslage – für den Spaziergang zum Zechenturm noch schnell spendiert.

„Bönen ist immer eine Reise wert“

„Bönen ist immer eine Reise wert“, sagt Scharrenbach später. Als sie sich räuspern und fassen muss, für den einzig formalen Akt des ansonsten zwanglosen Treffens. So verlangt es wohl die Etikette für die Übergabe der Förderbescheide, deren Erhalt der Verwaltungschef sogleich artig quittieren muss.

Das Kompliment macht die Ministerin nicht einfach so. Die vormalige Kommunalpolitikerin spricht in Anerkennung dessen, was Rat und Verwaltung getan und geplant haben, um die Gemeinde voranzubringen. Das ist schon ein Pfund. Dass all dies ohne die Gelder von Land und Bund nicht denkbar wäre, hat Stephan Rotering in der vergangenen knappen Stunde mit mehrfachem Dank betont.

Anerkennung für Entwicklung der Gemeinde

„Hier ist das Geld gut angelegt“, gibt Scharrenbach, nun im Auftritt wieder ganz „die Ina“, zurück. Weil sich zeige, wie sich die Projekte allmählich zu einer zeitgemäßen attraktiven Infrastruktur zusammenfügen „und was dabei herauskommen kann, wenn Rat und Verwaltung gut zusammenarbeiten“.

Dass sie der Politik die Rolle als Ideen- und Auftraggeber der umsetzenden Verwaltung zuweist, lässt den Fachbereichsleiter Bauen, Robert Eisler, schmunzeln. Mehr nach innen, aber man sieht’s halt doch. Erst recht, wenn man weiß, wie es im politischen Alltag so läuft.

Bahnhofsumbau ist der nächste Big Point

Ein knapper Kilometer liegt zwischen den Ankerpunkten der künftigen Achse in Bönen-Mitte. „Wann kommt denn der große Antrag?“, fragt die Ministerin. Eher zur Erinnerung, dass die Förderung des Bahnhofsumbaus zunächst mit dem Fußgängertunnel bis September beantragt sein muss, um im kommenden Jahr eine Chance auf Städtebau-Millionen zu haben, wie die Familie hofft.

Ideen für Bahnhofstraße schon in Arbeit

Welches Entree sich in der zum Greifen nahen Zukunft ohne die leidige Schranke in der Fußgängerzone bieten wird, nimmt mit den 130 000 Euro Gestalt an, die Scharrenbach fürs lebendige Zentrum mitgebracht hat. Vorab gab’s das Okay für die Auftragsvergabe. Ein Büro aus Dortmund arbeitet an Entwürfen für die Modernisierung der Fußgängerzone, die mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt und über das Rahmenkonzept generell förderfähig ist.

Auch den Gemeindeteich haben die Planer im Blick, um mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen für eine lebendige Mitte. Das ist Konzept mit 1,6 Millionen Euro angesetzt.

Von außen betrachtet gar nicht so schlecht

Dass der verbliebene Handel Impulse bitter nötig hat und man ansonsten auf andere Angebote, gern auch Gastronomie, für Leben im Ort setzen muss, ist unstrittig. Auch die Feststellung der Besucherin, dass „so schlecht“ die Kulisse der Bahnhofstraße hier gar nicht sei – und vor allem mit Grün gesegnet, das tunlichst erhalten werden sollte. „Das sagen auch die Planer, der Blick von außen macht den Unterschied“, erwidert Eisler. „Die Bönener nehmen das so nicht wahr.“

Attraktive Sportmeile am Zechenturm

Zwischen Goetheschule und Turnhalle schaut der Tross auf die Wiese, auf der mit 81 000 Euro vom Land die „Calisthenics“-Anlage entstehen soll. So sagt man heute zum Trimm-dich-Parcours mit Reck und Barren fürs Training der Muskeln. Die Sport-Kita daneben (Umzug der Hegemann-Einrichtung von der Poststraße) und den Sportplatz mit zwei Kunstrasenplätzen und Vereinsheim dank der avisierten drei Millionen Euro Zuschuss des Bundes muss sich der Gast noch im Geiste ausmalen.

Das gilt auch für die Bönener noch eine Weile. Die konkrete Bewilligung erfordert ein komplexes Verfahren, das gerade anläuft. Dann stehen Planung und Vergabe an. So schnell kann hier kein Bagger buddeln. Ehe der Platz nicht steht, wird es auch mit Calisthenics nichts werden.

Mountainbike-Anlage wird 2022/23 gebaut

Auf dem Papier schon zu sehen ist immerhin die Mountainbike-Anlage, die Bönens neue Meile abrunden wird, wenn die 284 000 Euro aus Scharrenbachs Haus hier verbaut sind. Die Finanzierung ist über mehrere Jahre gestreckt. Das erste Sümmchen für 2021 erlaubt einen Einstieg ins Projekt. Gebaut werde wohl 2022/23, schätzt Eisler auf spätere Anfrage.

Das sei dem herzlichen Abschied von der Tante vorausgeschickt. „Du siehst, dass du noch zu einer ganzen Reihe von Einweihungen wiederkommen kannst“, flachst der Bürgermeister nämlich stolz. „Lad’ mich nur ein“, erwidert Scharrenbach. Auf einen Rutsch zur Familie – immer wieder gerne.

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