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Sinkende Zahlen im Kreis Unna? Leider nein - Tausende Corona-Fälle nicht erfasst

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Von: Sabine Pinger

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Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes des Kreises Unna kommen derzeit bei der Erfassung der Corona-Fälle nicht mehr hinterher.
Per Fax, E-Mail oder in Papierform trudelt ein großer Teil der positiven Ergebnisse derzeit bei den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes des Kreises Unna ein. Die müssen diese dann einzeln bearbeiten und erfassen. © © Andreas Rother

Es ist Fischen im Trüben. Niemand weiß, wie viele Fische nicht ins Netz gehen. Und so sind die Infektionszahlen gegenwärtig eher Schätzung als Statistik. Immer mehr Landkreise hinterfragen daher den Sinn der Meldungserfassungen. Da aufgrund der immensen Neuinfektionen ohnehin nicht mehr alle Fälle direkt registriert werden können, halten sie den Aufwand für nicht mehr gerechtfertigt. Das sehen die Verantwortlichen beim Kreis Unna anders. Allerdings werden auch sie ihrem Anspruch momentan nicht gerecht.

Kreis Unna Der Kreis hat kräftig aufgerüstet – technisch und personell. Das berichtet Kreissprecher Volker Meier am Donnerstagmittag in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Demnach haben die ersten 20 „Corona-Heroes“, die die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes bei der Erfassung und Kontaktverfolgung von Corona-Infektionen verstärken sollen, in dieser Woche ihre Arbeit aufgenommen. Mindestens 40 weitere sollen demnächst folgen. „Wir haben Sitzungsräume aufgegeben und neue Büroräume dafür geschaffen“, erzählt Meier aus dem Kreishaus.

Und dennoch: 3000 bis 4000 Fälle schieben seine Kollegen vom Gesundheitsamt täglich vor sich her. Sie können nicht aktuell erfasst und an das Robert-Koch-Institut gemeldet werden. Das erklärt die sinkenden Fallzahlen im Kreis, die in den vergangenen Tagen bei vielen Menschen eine leise Hoffnung geweckt haben. Der Schein trügt.

Neben den galoppierenden Fallzahlen liegt das vor allem an den technischen Gegebenheiten. Weil nicht mehr für alle Verdachtsfälle PCR-Tests zur Verfügung stehen, sind jetzt die Testzentren vor Ort in den Kommunen gefragt. Und die sind bei Weitem nicht alle ans digitale Netz angeschlossen, wie Gesundheitsamtsleiter Josef Merfels erklärt. „Das sind zum Teil Zeltlösungen, die gar nicht über digitale Anschlüsse verfügen“, macht er deutlich. So landen die positiven Testergebnisse per E-Mail, Fax oder sogar in Papierform im Gesundheitsamt – kartonweise. Jede einzelne Meldung muss dann von den Mitarbeitern einzeln bearbeitet werden.

Meldesoftware bricht regelmäßig zusammen

Gleichzeitig laufen so viele Testergebnisse von den Laboren und aus den Apotheken in Unna ein, dass die Meldesoftware regelmäßig zusammenbricht. Dabei wird sie fast täglich aktualisiert.

„Wir versuchen, alles so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Immer zu 100 Prozent auf Stand zu sein ist momentan aber ausgesprochen problematisch“, gibt Merfels an.

Das ist nichtsdestotrotz nach wie vor das Ziel des Kreises. Nur weil die Inzidenzwerte politisch offenbar nicht mehr eine so große Rolle spielen, will der Kreis von seinem hohen Anspruch, möglichst alle Fälle zu erfassen und zu bearbeiten, nicht abrücken – selbst wenn das im Augenblick nicht gelingt. Das machte Landrat Mario Löhr noch einmal deutlich. „Es hängt ja viel mehr daran als eine bloße Statistik.“

Arbeitgeber forderten beispielsweise Bescheinigungen vom Gesundheitsamt über positive Tests ihrer Mitarbeiter. Auf die Information der Testzentren wollen sich nämlich nicht alle verlassen, wenn es um Isolations- und Quarantänezeiten geht.

Genesenen-Status schwer nachweisbar

Zudem benötigen infizierte Menschen die Bestätigung über einen positiven PCR-Test für den Genesenenstatus, der dann immerhin 90 Tage gilt. Das Schnelltest-Ergebnis reicht dafür nicht aus. „Wir versuchen derzeit, zusammen mit dem Land eine Lösung zu finden“, gibt der Amtsleiter an. Zurzeit könne er den Genesenen indes nur empfehlen, sich nach der empfohlenen Zeit impfen zu lassen, um dann den 2G-Status zu erhalten.

Laut gültiger Rechtslage ist es nun so, dass derjenige, der ein positives Schnelltestergebnis erhält, sich selbstständig in die Isolation, seine engen Kontakte in die Quarantäne begeben müssen.

„Unser Ziel ist es, diese Leute weiter zu benachrichtigen“, sagt Josef Merfels. In den Bescheiden, die nun überwiegend per SMS kommen, stehe nämlich, wann sich die Betroffenen in die Quarantäne begeben müssen und wann sie wieder heraus dürfen. „Es kann jetzt aber zwei bis drei Tage dauern, bis wir die Nachricht verschicken.“

Wenig Kapazitäten bei den PCR-Tests

Bis dahin müssten sich die Infizierten beziehungsweise deren Kontaktpersonen selbstständig absondern.

Die Kapazitäten an PCR-Tests, mit denen sich Infizierte zum Beispiel „freitesten“ lassen können, sind beim Gesundheitsamt in Unna begrenzt. „Wir müssen auch dabei priorisieren“, erklärt Pressesprecher Volker Meier.

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