Neues Leben für die Fußgängerzone

Investor plant den Bau von Wohn- und Geschäftshäusern in der Bönener Mitte

Möbel Köhling, das Reisebüro und Georg‘s Piano Bar in der Bönener Fußgängerzone sollen abgerissen werden und Platz für ein Citycenter machen.
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Der Gebäudekomplex um Möbel Köhling (links) und Georg‘s Piano sollen den Neubauten für Geschäfte, Cafés und Wohnungen weichen.

Bönen – Die Südseite der Bönener Fußgängerzone soll ab 2024 ein neues Gesicht zeigen. Wenn es nach Investor Gültekin Börekci geht, kehren dann die Menschen und das Leben ins Gemeindezentrum zurück. Gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Neffen hat er Großes vor.

Attraktive Geschäfte und ein Café erhöhen die Aufenthaltsqualität. Der Eindruck der grauen Pflasterwüste weicht dem einer Flaniermeile. Wo früher Peter Hellmich in George´s Piano Bier zapfte und Kultur bot und Köhling nebenan Möbel anbot, soll in drei Jahren ein modernes, mehrgeschossiges Gewerbe- und Dienstleistungscenter inklusive seniorengerechter Wohnungen stehen.

Die Brüder Gültekin und Yilmaz Börekci sowie Neffe Furkan Gafar, Geschäftsführer der neuen Immobilienfirma „Comfortlife Bönen“, kauften im vergangenen Jahr die Häuser an der Bahnhofstraße 98 bis 102. Das sind mit dem Hinterland zur Oststraße und dem Rewe-Parkplatz circa 4800 Quadratmeter Fläche. „Wir hätten gerne noch mehr gehabt“, erklärt Gültekin Börekci. Aber mit den Nachbarn im Osten und Westen wurde man sich nicht einig.

„Wir haben ja schon seit über zehn Jahren Wohn- und Geschäftsimmobilien in Duisburg im Besitz, 60 bis 70 Wohn- und Gewerbeeinheiten, und verwalten die auch“, erklärt der 43-Jährige zur eigenen Erfahrung auf dem Gebiet. Er, Bruder und Neffe stehen auch als Geschäftsführer hinter dem Braut- und Festmode-Onlinehändlers Prestije, ansässig an der Fritz-Husemann-Straße. „Natürlich verfolgen wir auch kommerzielle Ziele“, ist Börekci ehrlich. „Wir haben aber auch überlegt, was ist das Beste für Bönen und für die Fußgängerzone. Die ist schließlich die Visitenkarte der Gemeinde“, sagt der Bönener.

Investitionsvolumen liegt im zweistelligen Millionenbereich

15 bis 20 Jahre Stillstand hätten der Bahnhofstraße nicht gutgetan. Der Niedergang der Fußgängerzone hätte auch daran gelegen, dass viele Geschäfte einfach keinen zeitgemäßen Zuschnitt besitzen würden.

„Im März, April haben wir Köhling erworben, ein, zwei Monate später dann das Haus von Peter Hellmich“, blickt Gültekin Börekci auf das vergangene Jahr zurück. „Seitdem sind wir schon in der Vorplanung“, erzählt er. Der Wohn-, Geschäfts- und Bürokomplex mit einem geschätzten Investitionsvolumen in zweistelliger Millionenhöhe sei am Bedarf ausgerichtet.

Die Brüder Yilmaz (links) und Gültekin Börekci haben zusammen mit ihrem Neffen Furkan Gafar die Häuser an der Bahnhofstraße 98 bis 102 gekauft.

„Namhafte Filialisten haben Interesse“, sagt Börekci. „Wir sind ständig im Gespräch, klopfen Bedürfnisse ab. Wir haben auch von Beginn an den Kontakt mit der Gemeindeverwaltung gesucht, um herauszufinden, was an Ort und Stelle machbar ist.“

„Es gab sehr frühzeitig Gespräche“, bestätigt der Fachbereichsleiter Robert Eisler. „Es wurde gemeinsam ein Bedarf an Einzelhandelsflächen erörtert“, so Eisler weiter. „Wenn die Entwürfe da sind, werden wir erneut miteinander reden“, sagt er. Die Verwaltung wird dann auch die Politik mit ins Boot holen, der alte, aus den 1980er Jahren stammende Bebauungsplan müsse schließlich geändert werden. Der entsprechende Fachausschuss Planen, Bauen, Umwelt werde zuvor informiert.

Café und Geschäfte sollen Publikum anlocken

Einen Überplanungsentwurf des Teils der Fußgängerzone um das Gebäude von Peter Hellmich gab es vor Jahren schon einmal. Der Verkauf kam damals nicht zustande. Diesmal hätte Köhling Verkaufsabsichten der Gemeinde gegenüber geäußert, so Robert Eisler. „Wir konnten nicht selbst aktiv werden, die Volksbank erhielt den Vermarktungsauftrag. Wir haben es sehr begrüßt, dass beide Gebäude dann quasi in einem Rutsch an den neuen Eigentümer gingen.“

Die Grundidee des neuen Gebäudes steht. Im Erdgeschoss sollen Bäckerei und Café sowie Einzelhändler verschiedener Branchen für Publikumsverkehr sorgen. Im Gespräch sind unter anderem ein Super-, ein Drogeriemarkt und eine Apotheke. Für einen Teil des Obergeschosses plant „Comfortlife“ mit Gesundheitsdienstleistern wie Ärzten und Pflegediensten.

Außerdem entstünden 50 bis 100 Wohneinheiten gehobenen Standards und barrierefrei für Senioren. „Das sind Single- und Paarwohnungen, keine Familienwohnungen“, erklärt Gültekin Börekci. Pflegedienste könnten sich einmieten. Für sie bestünde die Möglichkeit, betreutes Wohnen anzubieten und/oder Senioren-Wohngemeinschaften einzurichten. Die Kombination im Gebäudekomplex passe: „Schon die Bewohner werden für Frequenz in den Geschäften sorgen“, ist sich der Unternehmer sicher.

Mehrere Architekturbüros arbeiten momentan an Entwürfen. „Es wird kein grauer Klotz“, verspricht Gültekin Börekci ein städtebauliches Schmuckstück. Wenn die Planungen im Mai oder Juni vorliegen, soll die nächste Entscheidung fallen. Nicht nur die für den gelungensten Entwurf, sondern die Auswahl der gewerblichen Mieter, steht an, bevor der Bauantrag an den Kreis Unna geht. „Dann werden wir Vorverträge schließen mit dem Ziel, dass die Mieter Anfang, Mitte 2024 einziehen können. Übrigens: Wir treten nur als Investoren und Projektentwickler auf. Wir werden keine Brautmoden im Neubau anbieten.“

Passage zum Parkplatz möglich

Im Hinterkopf hat Gültekin Börekci zudem schon die Unterführung für Fußgänger und Radfahrer unter den Bahngleisen hindurch sowie das schrankenlose Bönen. „Das wird die Fußgängerströme umlenken“, vermutet er. Dann werde auch der Durchgang von der Zufahrt des Rewe-Parkplatzes zur Fußgängerzone wichtig. Der gehört der Gemeinde. „Er soll als Element auch erhalten bleiben“, betont Robert Eisler von der Gemeindeverwaltung, „aber nicht in dieser eher schmuddeligen Umsetzung wie bisher.“ Der Idee des Investors, den Zugang als Passage mit Ladenzeile zu gestalten, sei der Fachbereich nicht abgeneigt.

Nicht abgeneigt ist die Familie Börekci auch gegenüber Vorschlägen und Ideen der Bönener Bevölkerung. Wer eigene Vorstellungen habe, könne sie Comfortlife mitteilen.

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