Bönener Kinderarzt behandelt junge Covid-19-Patienten

Mehr Kinder und Jugendliche im Kreis Unna infizieren sich

Immer mehr Kinder und Jugendliche infizieren sich mit dem Corona-Virus
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Das Coronavirus macht auch vor den Kleinen keinen Halt. Das zeigt sich derzeit auch im Kreis Unna.

Bönen/Kreis Unna – Es sind die Älteren, die bisher als besonders gefährdet galten. Doch nun erkranken zunehmend jüngere Menschen an Covid-19, und auch vor Kindern macht der Erreger keinen Halt. Während der ersten beiden Corona-Wellen lagen die Inzidenzen der bis 15-Jährigen in der Regel unter denen der Gesamtbevölkerung. Jetzt, mit der dritten Welle, klettern die Fallzahlen rasant nach oben. Der stärkste Anstieg ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) dabei bei Kindern zwischen null und 14 Jahren zu beobachten. In dieser Altersgruppe haben sich die Sieben-Tage-Inzidenzen innerhalb eines Monats mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung macht sich auch im Kreis Unna und in Bönen bemerkbar.

In seiner Kinderarztpraxis in der Gemeinde musste Dr. Jürgen Krüger mittlerweile mehrere junge Covid-Patienten behandeln. „Es sind nicht übermäßig viele, aber einige Fälle hatten wir schon“, berichtet der Kinder- und Jugendmediziner. Die kleinen Patienten, die zu ihm kommen, klagen naturgemäß über Symptome, und die seien ähnlich wie bei einer Grippe.

„Kruppähnlicher Husten und Fieber“, nennt Krüger zwei ganz typischen Krankheitsmerkmale bei jungen Corona-Patienten. Bei einigen der Kinder, die er behandelt hat, waren die sogar so ausgeprägt, dass er sie zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus überweisen musste. Der jüngste Patient, den er aufgrund von Covid-19 behandeln musste, war ein neun Monate altes Baby. Die Mädchen und Jungen, die an dem Virus erkrankt sind, hätten dabei keinerlei Vorerkrankungen gehabt. „Das waren ansonsten total gesunde Kinder“, so Krüger. Bei den meisten wären jedoch die Eltern infiziert gewesen.

Regelmäßig führt er in seiner Praxis an der Bahnhofstraße inzwischen PCR-Tests bei Kindern durch. In jüngster Zeit waren das vor allem Kontrollen nach einem positiven Schnelltest, wie sie vor den Osterferien in den Schulen durchgeführt wurden. Erst für heute haben seine Mitarbeiterinnen wieder zwei Termine dafür vergeben. „Die Schnelltests sind sehr gut und sehr zuverlässig. Das Abstreichen sollte ausgebaut werden“, wünscht sich Jürgen Krüger. Das würde die Sicherheit an den Schulen und Kitas seiner Ansicht nach erhöhen und Infektionsketten schneller unterbrechen.

Impfungen für Kinder und Jugendliche

Deshalb empfiehlt er Familien, Kinder und Jugendliche mit zu den kostenlos in der Gemeinde angebotenen Schnelltest-Zentren zu nehmen – zum Beispiel vor dem Osterbesuch bei den Großeltern. „Das geht aber erst bei Kindern ab zwölf Jahren“, weiß der Mediziner. Werden Familienangehörige dann positiv auf das Corona-Virus getestet, können jüngere Kinder bei ihm in der Praxis abgestrichen werden.

Gleichwohl ist dort nur ein PCR-Test möglich, der in einem Labor überprüft wird und dessen Ergebnis somit nicht sofort zur Verfügung steht. „Massentests, wie in den Schnelltestzentren, können wir leider nicht durchführen“, bedauert Krüger. Der Arzt wünscht sich, dass Kinder bald ebenfalls gegen Corona geimpft werden können. „Es laufen derzeit Studien dazu“, weiß der Fachmann. Er hofft, dass das passende Vakzin nicht allzu lange auf sich warten lässt. „Wir kämpfen gegen das Virus an – Impfen wäre dabei ein gutes Mittel“, sagt Dr. Krüger.

Dass ein Impfstoff für Kinder und Jugendliche dringend gebraucht wird, zeigt der neue Kurs der Pandemie: Laut Landeszentrum Gesundheit (LZG) sind – Stand Montagmorgen – 53 Mädchen und Jungen bis neun Jahren aus dem Kreis Unna akut infiziert, 56 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren. Vor einem Monat waren es lediglich zwölf Kinder bis neun Jahre sowie 18 bis 19 Jahre, die betroffen waren. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Zahlen tatsächlich Woche für Woche steigen.

Dritte Welle trifft auch die Jüngsten

Als die Pandemie im vergangenen Jahr den Kreis Unna und seine zehn angehörigen Kommunen erreicht hat, wurden ab Mitte März zunächst nur Einzelfälle in diesen Altersklassen festgestellt. Erstmals zweistellige Werte gab es im Juni. Im Spätsommer flachte die Kurve bei den infizierten Kindern und Jugendlichen dann wieder deutlich ab, bis sie im November und Dezember mit der zweiten Welle auch in diesen Gruppen ihren vorläufigen Höchststand erreichte. Bei den Zehn- bis 19-Jährigen war dieser bisher am 3. November mit 161 Betroffenen erreicht, bei den Kindern bis neun Jahren am 14. Dezember mit 92 positiv Getesteten. Besonders traurig: Laut LZG gab es bereits ein Kind unter zehn Jahren, das an Covid-19 gestorben ist.

Ein Grund dafür, dass sich derzeit auffällig mehr und mehr Kinder und Jugendliche anstecken, vermuten die Experten in den Virus-Mutationen. So ist beispielsweise die britische Variante B.1.1.7 offensichtlich viel ansteckender und aggressiver als das „normale“ Sars-Cov-2 und „erwischt“ mehr junge Menschen.

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