Mehr Kinder als Hände: Go-in-Team stößt an seine Grenzen

+
Gerade in den Ferien war der Treffpunkt Go in mehr als gut besucht.

Bönen – Etwa 40 bis 50 Kinder zumeist rumänischer Familien sind zu Spitzenzeiten regelmäßig im Treffpunkt Go in zu Gast, seit das Kreis-Jugendamt im Benehmen mit der Gemeinde seine Fühler an den Hochhäusern an der Adalbertstraße ausgestreckt hat. Das bringt das Team an Grenzen.

Mit sozialen Maßnahmen wie dieser Einladung zum offenen Treff an der Bahnhofstraße wollen die Beteiligten möglichen Konflikten im Umfeld der Wohnanlage in prekären Verhältnissen begegnen, wie sie vor den Sommerferien mit der Beschwerde über späte Ruhestörung auf dem benachbarten Spielplatz am Holtfeld aufgetreten sind.

Dass die Einladung so zahlreich angenommen wird, und gerade in der Ferienzeit das sprichwörtlich „volle Haus“ beschert, stellt das Team der Einrichtung mittlerweile aber vor Probleme, wie Leiterin Angela Bräuer dem Familienausschuss am Donnerstag berichtete. Ihr Fazit: „Wir können mit den vorhandenen Kapazitäten den Kindern und unserem Auftrag so nicht mehr gerecht werden.“

Die Politik sei aufgerufen, über eine Verstärkung zu entscheiden. Über die anstehende Fortschreibung des Kinder- und Jugendförderplans sei grundsätzlich eine personelle Aufstockung in diesem Bereich vorgesehen. Bönen wird auf 4,5 Planstellen aufgestockt, eine Stelle wird dem Kinder- und Jugendbüro zugeschlagen. Nun müsse genauer geschaut werden, wie das Go in Nutzen davon habe.

„In den Sommerferien sind wir förmlich aus allen Nähten geplatzt“, sagte Bräuer. Um die Gruppe zu entzerren und sich den kleinen Gästen, teils unter den fremdsprachlichen Einschränkungen, gezielter widmen zu können, sei die Gruppe aufgeteilt worden. Die Kleinen kämen dann tageweise ins Go in, damit die Mitarbeiter ihre Betreuung mit den weiteren Aufgaben im Haus besser vereinbaren könnten.

Der Platz reichte unter Coronabedingungen vor allem, weil sich bisher fast alles draußen abspielen konnte. Für die anstehende kalte Jahreszeit müsse aber genauer geschaut werden, wie die Arbeit drinnen fortgesetzt werden kann.

Arbeitskreis beschäftigt sich mit der Situation

Mit Aufkommen der Beschwerden über Ruhestörungen hatte die Gemeinde das Kreis-Jugendamt um Hilfe ersucht. Das berief einen Arbeitskreis mit Vertretern seines Allgemeinen Sozialen Dienstes, der Gemeinde Bönen, des Vereins Zuflucht.Bönen, des Kommunalen Integrationszentrums und der Pestalozzi-Schule ins Leben, um über integrative Angebote und mögliche sozialarbeiterische Begleitung zu beraten. Dabei zeigte sich, wie berichtet, kein akuter Handlungsbedarf.

In der aufsuchenden Arbeit habe das Jugendamt festgestellt, dass hier Familien zwar unter schwierigen Verhältnissen lebten, und sich auch mal zwei oder drei Kinder ein Bett teilen, wie Klaus Faß berichtete. „Es liegt aber keine Kindeswohlgefährdung vor, bei der wir hätte einschreiten müssen“, betonte der Leiter der Kinder- und Jugendförderung beim Kreis Unna.

Er dämpfte zugleich die Erwartungen an die Integrationsbemühungen um diese Familien. „Die meisten haben nicht vor, lange hier zu bleiben. Sie sparen ihr Geld für zuhause und leben auch deshalb auf engstem Raum.“ Anders als die Kinder seien die Erwachsenen kaum zugänglich. Mit der Aufforderung zum regelmäßigen Schulbesuch sei der ASD noch auf offene Ohren gestoßen, andere Dinge, wie die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung für Kinder, U-Untersuchung genannt, fänden aber kaum Beachtung. „Da fehlt die Verbundenheit.“

Darauf hatte zuvor schon Jörg Andreas Otte als Verantwortlicher im Bönener Ordnungsamt hingewiesen. Arbeit und Umgang mit den Kindern sei positiv, die Erwachsenen zeigten aber wenig Bereitschaft, sich auf Angebote einzulassen.

Aus Sicht des Jugendamtes käme ein Quartiersmanagement in Betracht, um langfristig zu einem besseren Miteinander zu kommen, sagte Faß. Das sei aber eine Entscheidung der Politik.

Die Anregung nahm Sabine Lutz-Kunz im Namen der SPD als Auftrag entgegen. Es zeige sich, dass Bönen hier aufsuchende Sozialarbeit benötige, wie es ihre Fraktion schon länger fordert. „Es ist unsere Aufgabe, hier für Lösungen zu sorgen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare