MCG-Schüler erinnern am Zechenturm an Zwangsarbeiter

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Tom Potthink, Birte Kilmer und Georgi Wagenblaß nahmen an der Demokratiefahrt durch den Kreis Unna teil. Die Abiturienten des Marie-Curie-Gymnasiums informierten die anderen Schüler über die Zwangsarbeiter in der stillgelegten Zeche.

Kreis Unna/Bönen – Aus der Geschichte soll man für die Zukunft lernen. Darum organisiert das Kommunale Integrationszentrum (KI) Unna in dem sogenannten Demokratiejahr zahlreiche Infoveranstaltungen. Dazu zählte auch die Busrundfahrt am 10. Juli, an der rund 50 Schüler aus dem Kreis teilnahmen.

Um 10 Uhr ging es für die Schüler und Lehrer aus Unna, Schwerte, Lünen und Bönen los. Sie erkundeten mit dem Bus verschiedene Sehenswürdigkeiten und Gedenkstätten der Kommunen im Kreis Unna. 

Dafür hatte alle vier Schulen eigene Präsentationen vorbereitet, die an vergangene Ereignisse, Verbrechen und Rassismus erinnerten. „Wir finden es wichtig, dass die Geschichten präsent bleiben“, befürwortet Hartmut Hegewald von der Bürgerstiftung Bönen die Aktion. Zusammen mit anderen Mitgliedern des Arbeitskreises Erinnerungskultur hat er die Teilnehmer an der Zeche in Bönen, der letzten Station, in Empfang genommen.

Zwangsarbeiter machten 40 Prozent der Bevölkerung aus

Am Förderturm hielten die Abiturienten Tom Potthink, Birte Kilmer und Georgi Wagenblaß einen kurzen Vortrag über die Zwangsarbeiter der alten Zeche. Diese kamen vorwiegend aus dem Osten, also Polen oder Russland, waren teilweise aber auch Kriegsgefangene aus Italien. Es waren sogar so viele, dass sie in Altenbögge einen Bevölkerungsanteil von zirka 40 Prozent ausmachten. 

Gut behandelt wurden sie dort allerdings nicht. Die Zwangsarbeiter bekamen nur ein kleines Taschengeld und mussten enge Lager bewohnen. Um an diese Ausbeutung zu erinnern wurde beispielsweise der Video-Loop eingerichtet. 

In Endlosschleife werden die rund 2600 Namen der Zwangsarbeiter an die Wand im Zechenturm gebeamt. „Wir sind der Meinung, dass sich viel mehr junge Leute erinnern und einsetzen sollten“, beendet Tom Potthink den Vortrag.

Die drei Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums wussten über den Zechenturm schon gut Bescheid, noch bevor sie von der Demokratiefahrt erfuhren. Der Förderturm war nämlich auch Thema ihres Biparprojekts im Geschichtsunterricht, erklärt Birte Kilmer: „Dabei läuft man durch eine Stadt und erhält über eine App Informationen zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten.“ 

Als die drei Abiturienten dann einen Teil zu der Demokratiefahrt beitragen sollten, lag der Zechenturm also auf der Hand. Die Projekte der anderen Schüler fanden die drei Jugendlichen ebenfalls sehr spannend. „Man lernt die eigene Geschichte besser kennen und auch die der anderen“, sagte Birte Kilmer. Besonders ergreifend fanden die drei die Station in Lünen. Dort wurde die wahre Geschichte eines Juden geschildert, der in der Reichspogromnacht umkam.

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